Was
verbreiten die da eigentlich in den Medien?
Nehmen
wir einmal an, lieber WIR-Magazin-Leser, Sie befinden sich frühmorgens
auf dem Weg zur Arbeit und warten auf ein öffentliches Verkehrsmittel
– aber es kommt weder Bus, S-Bahn, Straßen- noch U-Bahn.
Es wird gestreikt, was ja ab und an vorkommt. Die dafür zuständige
Gewerkschaft informiert via Medien die Bürger über Warnstreiks.
Sie sitzen oder stehen nun da in einem Wartehäuschen und
hoffen auf eine Möglichkeit, doch noch pünktlich zum
Arbeitsplatz zu gelangen. Die druckfrische Tageszeitung haben
Sie dabei (weil es für die Lektüre beim Frühstück
nicht mehr gereicht hat) und lesen dort in großen Lettern:
„Viel Verständnis und ein wenig Ärger –
Die meisten Pendler nehmen den Warnstreik gelassen hin“.
Es kann aber möglicherweise sein, dass Sie sich nicht zu
diesen „meisten Pendlern“ zählen und fragen:
Was schreiben die da eigentlich? Ja, wer kommt da – quasi
vom Schreibtisch aus – zu solchen Urteilen, mit denen viele
Leser und möglicherweise noch mehr Bürger, überhaupt
nichts anfangen können.
So ist eben Journalismus, könnte man sagen – und zur
Erklärung anbieten: das ist nun mal die Sicht oder besser:
Überzeugung des jeweiligen Redakteurs (oder Teams), von dem
dieses Thema bearbeitet wird. Muss man aber nicht. Natürlich
könnte man sich auch fragen, was solcherlei Informationen
mit Wirklichkeit noch gemein haben. Oder geben sie nur einer ganz
speziellen Sichtweise Raum? Auch anderes wird Ihnen möglicherweise
auffallen und Sie nachdenklich stimmen. Da liest man unter anderem
Artikel-Überschriften wie „Die Konterrevolution der
Atomlobby“, „Bouffier verhöhnt die Region“
oder gar „Kommunismus statt Deutschland“ auf Aufklebern
der Jugendorganisation einer gesellschaftlichen Randgruppe. Dies
und anderes muss man akzeptieren (lernen) in einer lebendigen
Demokratie, die wir gegen nichts anderes eintauschen wollen.
W.
Christian Schmitt (Redaktion)