Das Jahr der republikanischen Jubiläen


Peter Brunner
ist hauptamtlicher Leiter des Riedstädter Museums Büchnerhaus;

post@entwicklungundkultur.de

Zahlreiche bedeutende Daten der deutschen republikanischen Geschichte jähren sich 2018 mit runder Zahl. Aus seiner republikanischen Verortung „im Geist der Freiheit“ beginnt das Büchnerhaus eine Veranstaltungsreihe zu wichtigen Eckpunkten der Demokratie in Deutschland. In enger Zusammenarbeit mit der Kulturregion Frankfurt und in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung werden in Vorträgen und Gesprächsrunden die Ereignisse an fünf entscheidenden Daten betrachtet:

1793 werden in Bergzabern und Mainz zum ersten Mal in demokratischer Wahl (der Männer) Abgeordnete gewählt; 1848 tritt in Frankfurt ein in ganz Deutschland (von Männern) frei und geheim gewähltes Parlament zusammen und berät eine Verfassung; 1918 enden mit dem verlorenen Krieg auch die Privilegien des Adels, im Deutschen Reich und in Hessen folgen Wahlrecht für Frauen und Männer, Parlamentswahlen und die Einsetzung demokratischer Verfassungen; 1948 stabilisieren sich die demokratischen Verhältnisse nach der Befreiung vom Faschismus. Mit der Übergabe der Frankfurter Dokumente durch die Alliierten, den Koblenzer Beschlüssen und der Verfassungskonferenz von Herrenchiemsee werden die Grundlagen für die westdeutsche Demokratie gelegt; der „Internationale Vietnamkongress“ am 17.und 18. Februar 1968 ist eines der Gründungsereignisse der Studentenbewegung in Deutschland, die mit den „68ern“ neue Formen von Demokratie und Gesellschaftsordnung ins Gespräch bringt – eine Revolution?

Die ersten freien Wahlen auf deutschem Boden fanden im November 1792 in Bad Bergzabern und kurz danach im Februar 1793 im französisch besetzten Kurmainz statt. Am 22. Januar 1793 – also vor nunmehr 225 Jahren – gründeten die Bergzaberner eine „besondere Republik“, am 17. März 1793 tritt in Mainz das nach demokratischen Grundsätzen zustande gekommene Parlament im Mainzer Deutschhaus zusammen.
Nicht nur historische, auch aktuelle Ereignisse demokratischer Verfassung werden eine Rolle spielen: die beiden Vorsitzenden der Enquetekommission „Verfassungskonvent zur Änderung der Verfassung des Landes Hessen“, die MdL Heike Hofmann und Jürgen Banzer, werden nach Riedstadt kommen und vor der Volksabstimmung im Herbst erläutern, warum welche Änderungen zur Abstimmung stehen.

Das Büchnerhaus bewegen dabei die Fragen: Haben sich die Akteure dieser Umbrüche aufeinander bezogen? Was wussten sie voneinander? Hatten sie selbst ein Bewusstsein davon, dass sie die „Fackel der Aufklärung“ (Lichtenberg) aus der Vergangenheit übernahmen und in die Zukunft weiterreichten? Erkennen wir in ihrer Arbeit, in ihren Forderungen, was schon erreicht und was noch zu erkämpfen war? Reicht es für uns heute, dankbar und zufrieden zurückzuschauen?
Prominente Forscher und Publizisten werden dazu im Lauf des Jahres ins Büchnerhaus kommen, unter ihnen die Professoren Peter Brandt, Hagen, und Frank Deppe, Marburg, der Frankfurter Publizist Gerd Koenen und der Mainzer Historiker Maximilian Felder. Die Veranstaltung findet am 22. Februar um 19 Uhr in der Galerie am Büchnerhaus in der Weidstraße 9 in Riedstadt-Goddelau statt, der Eintritt beträgt 7 Euro.

Die nächsten Termine finden sich im Riedstädter Kulturprogramm und online unter
www.riedstadt.de/leben-in-riedstadt/termine

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