Der erfolgreiche Läufer Bajus

Von Karl-Heinz Pilz.

Der Autor gehört zum Landessportbund Hessen und ist dort Mitglied im Arbeitskreis „Sport und Geschichte“. Ziel dieser Abteilung ist die Hilfestellung und Beratung zum Aufbau eines Vereinsarchivs in den Sportkreisen und den Werdegang berühmter hessischer Sportler und Sportfunktionäre für die Nachwelt zu erhalten. Im Fokus dieser Abteilung stand bei den jüngsten Besprechungen in der Frankfurter Sportschule der Nauheimer Schnellläufer Peter Bajus.

Foto: Der LSBH- Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ am 12. September 2017 in Frankfurt (v.l.): Karl-Heinz Pilz, Nauheim, Christian Schmidt, Kassel, Dr. Frank Obst, Gruppenleiter, Peter Schermer, Frankfurt, Waldemar Krug, Offenbach, Manfred Gollenbeck, Wolfskehlen und Horst Engel, Seeheim-­Jugenheim. (Quelle: Karl-Heinz Pilz, 2017)

Geboren wurde Bajus am 13. Juni 1795 in Klein-Gerau und lebte später in Nauheim. Er fiel schon während seiner Jugendzeit durch besondere Kraft und Schnelligkeit auf, wie dem „Darmstädter Tagblatt“ vom 11.02.1824 zu entnehmen ist. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch Botengänge und Tragen von Lasten.
Durch einige erfolgreiche Läufe in unserer Gegend wird Peter Bajus zum Stadt- und Landesgespräch. Am 15. Februar 1824 lief er von Frankfurt nach Hanau und zurück, vor zahlreichen Zuschauern in einer phantastischen Zeit. In einer Untersuchung des Sportkreises 33 hat Robert Bersch 1989 errechnet, dass Peter Bajus bei diesem Lauf eine 10.000-Meter-Zwischenzeit von 31:45 Minuten erreichte. Er war damit der schnellste Langstreckenläufer seiner Zeit. Erst 100 Jahre später hat der berühmte Finne und neunmalige Goldmedaillengewinner Paavo Nurmi (1897-1973) diese Zeit unterboten.
Das „Frankfurter Morgenblatt“ schreibt am 1. März 1824: „Grosses Aufsehen machte bei uns dieser Tage der Nauheimer Schnellläufer Peter Bajus durch erstaunliche Laufleistungen, und nicht nur bei uns, sondern auch in Paris gilt er als Sensation und man nennt ihn dort Le Fier“.
Er war nie krank und war weder starker Esser noch Trinker. Durch seine Leistungen fiel er auch dem Großherzog Ludwig auf, der ihn als Hofläufer nach Darmstadt holte. Peter Bajus wanderte Anfang 1856 mit zwei seiner Söhne nach Amerika aus. Er starb von 80 Jahren in Kanada. Die Gemeinde Nauheim ist nun bemüht, an einer seiner früheren Wohnungen eine Gedenktafel anzubringen.

Hintergrund: Seit ca. 25 Jahren sammelt der Autor Karl-Heinz Pilz, alle Medienberichte über die Nauheimer Sportvereine. Sie sind im Archiv des SV07 Nauheim abgelegt. Das 07-Archiv befindet sich in den Räumen des „Heimat- und Museumsverein Nauheim“, in der alten Schule, Schulstraße 6, in Nauheim und ist jeden Montag ab 17 Uhr einzusehen.

Karl-Heinz Pilz
ist Sportchronist und Mitglied in mehreren Nauheimer Vereinen;
Tel. 06152-6774

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