Der Naturschutzbund – Wie einst alles begann

Von Werner Eitle.

Bereits im Jahre 1899 fand die Gründungsversammlung des NABU in Stuttgart statt. Lina Hähnle, die Gattin des Industriellen und Reichstagsabgeordneten Hans Hähnle, war die Gründerin des Vereins, der zunächst „Bund für Vogelschutz“ (BfV) hieß. Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung traten Adel und Prominente, aber auch Schriftsteller wie Gerhard Hauptmann und Peter Rosegger in den Verein ein.

Schon damals strebte die Gründerin einen breit angelegten Naturschutz an. Habitate zu schützen bedeutet, alle Tier- und Pflanzenarten zu schützen, die sich diesen Lebensraum teilen. Das war nie anders. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist der Verein auch eine Reaktion auf die Industrialisierung des Landes mit den enormen Auswirkungen auf die Natur. Der BfV ist so ein Teil der wilhelminischen Reformbewegung, die der Moderne ein Weltbild entgegenstellt, das Wirtschaft und Naturschutz in Einklang bringen sollte.

Im Dreijahresrhythmus verdoppelte der Bund nun seine Mitgliederzahlen. Am Vorabend des ersten Weltkriegs erreichte der BfV mit 41.323 Mitgliedern einen vorläufigen Höhepunkt. Mit dem Kollaps von Staat und Gesellschaft ging auch der Zusammenbruch des „Bund für Vogelschutz“ einher. In den Jahren 1938 bis 1945 als „Reichsbund für Vogelschutz“ gleichgeschaltet, erfolgte ab 1946 auch der Wiederaufbau des Vereins. 1965 erfolgte eine Namensänderung in „Deutscher Bund für Vogelschutz“ (DBV), und eine Untergliederung in Landesverbände fand statt. Im Jahr 1990 fand dann der Zusammenschluss mit den in der ehemaligen DDR neu gegründeten Landesverbänden zum „Naturschutzbund Deutschland“ (NABU) statt.

Der NABU hat heute 660.000 Mitglieder und Förderer und ist in allen Bundesländern mit etwa 2.000 Orts-, Kreis und Fachgruppen aktiv. Die Jugendorganisation des NABU, die Naturschutzjugend (NAJU), engagiert sich in rund 1.500 Kinder und Jugendgruppen im Umwelt- und Naturschutz. Seit 1971 bestimmt der NABU den „Vogel des Jahres“, der jeweils stellvertretend auf die Gefährdung und Umweltprobleme eines Lebensraums aufmerksam machen soll. Die Aktion ist die älteste ihrer Art in Deutschland und hat mittlerweile eine Vielzahl von Nachahmern gefunden.

Heute ist der Verein aufgestellt wie eine Partei. Während sich die Ortsgruppen für die Natur vor Ort engagieren, unterstützt die Stiftung nationale und internationale Projekt. Es geht um den Schutz bedrohter Arten wie der Seiga Antilope, des Tigers oder des Schneeleoparden durch die Schaffung von Naturschutzgebieten. Es geht um Umweltbildung und Armutsbekämpfung. Das sind vielfältige Aufgaben, die der Bund vorwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. Es ist deshalb nicht in Ordnung, wenn uns Kommunalpolitiker heute immer noch mit Vereinen gleichstellen, die ausschließlich ihrem Hobby nachgehen.

www.nabu-gross-gerau.de

Werner Eitle
ist Vorsitzender des Ortsverbandes Groß-Gerau des Naturschutzbundes (NABU);
werner.eitle3@gmail.com

 

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