Die Büchnerlinie erschließt das Büchnerland

Von Peter Brunner.

Die Familie Georg Büchners, die mit ihrem Leben und ihren Aktivitäten Namensgeber des „Büchnerland“ geworden ist, hat im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in fast allen Fragen der politischen und wissenschaftlichen Entwicklung gespielt.

Der Dichter und Revolutionär Georg Büchner war auch ein bedeutender Naturforscher: seine Arbeit über das Nervensystem der Barbe trug zur Erkenntnis des menschlichen Nervensystems bei. Wilhelm Büchner hat als Pharmazeut, Chemiker und Unternehmer geforscht, erfunden und entwickelt; Pfungstadt verdankt seinen Aufschwung zum „südhessischen Manchester“ seiner Ultramarinproduktion. Luise Büchner war in Darmstadt eine frühe Frauenrechtlerin, ihre Veröffentlichungen und Vorträge zur Mädchenbildung sind von Bedeutung weit über ihren Darmstädter Wirkungskreis hinaus. Ludwig Büchner ist als Wissenschaftspublizist und Vortragsredner weltberühmt geworden; 1848 hat er mit dem Bruder Alexander in Gießen „Revolution gemacht“, in Darmstadt hat er mit Turnverein, Arbeiterbildungsverein und Freidenkerverein ständig Einfluss auf die politische Entwicklung genommen. Alexander Büchner war wie sein Bruder „48er“ in Gießen, hat als Jurist am Amtsgericht in Langen gearbeitet, erhielt Berufsverbot und wurde schließlich Sprachwissenschaftler in Frankreich. Darmstadt, Pfungstadt und die Riedstädter Stadtteile Philippshospital, Goddelau und Erfelden sind Orte, die mit diesen Leben verbunden sind. Zu ihrer Zeit sind die Büchners sicher oft den vierstündigen Weg durchs hessische Ried von Darmstadt nach Goddelau gelaufen oder auf rumpeligen Pferdewagen nicht viel schneller gefahren: ihr Onkel Ludwig Friedrich Büchner lebte in Goddelau, später in Crumstadt, und zur Familie Heil im Goddelauer Geburtshaus Georg Büchners gab es sogar noch hundert Jahre später Verbindung. In der Neuzeit ist es einfacher und schneller geworden, den Weg zurückzulegen. Das Gross-Gerauer Nahverkehrsunternehmen, die LNVG, unterhält eine direkte Busverbindung vom Darmstädter Hauptbahnhof entlang den Büchnerstätten im Ried bis vor die Haustür der Leeheimer Büchnerbühne: die Linie 40. Mit dem Fahrplanwechsel im Winter 2017 erhielt diese Verbindung den offiziellen Namen „Büchnerlinie“.

Für die Kreisvolkshochschule Gross-Gerau biete ich eine Vortragsreihe über die „Geschwister, die die Welt verändern wollten“ an. Treffpunkt ist jeweils am ersten Montag eines Monats in der Galerie am Büchnerhaus – leicht zu erreichen mit den Bussen der Büchnerlinie!


Peter Brunner
ist hauptamtlicher Leiter des Riedstädter Museums Büchnerhaus;
post@entwicklungundkultur.de

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