Duale Ausbildung ist Karriereautobahn

Von Rainer Beutel.

Die duale Ausbildung durch Handwerksbetriebe im Kreis Groß-Gerau funktioniert reibungslos. Allerdings sollten Politik und Gesellschaft nach Ansicht von Peter Ziemainz die handwerklichen Lehrjahre junger Menschen mit der akademischen Ausbildung auf eine Stufe stellen, betont der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Im WIR-Interview geht Ziemainz auf die Herausforderungen der Kreishandwerkerschaft im neuen Jahr ein.

Herr Ziemainz, was sind 2018 die „großen“ Themen für die Handwerksbetriebe im Kreis?

Peter Ziemainz: Neben den alltäglichen Herausforderungen und der fachlichen Weiterbildung werden unsere Betriebe sich zwei großen Aufgaben widmen: Zum einen wird dies die Digitalisierung sein, zum anderen das große Thema „Mitarbeiter und Ausbildung“. Dabei reden wir nicht nur über die Gewinnung neuer Mitarbeiter und Auszubildender im Rahmen der dualen Ausbildung, sondern auch darüber, was Betriebe tun können und sollten, um wichtige und wertvolle Beschäftigte zu halten.

Sie bringen die „duale Ausbildung“ ins Gespräch. Welche Vorteile hat dieses Berufsbildungssystem, und welche Defizite sehen Sie dabei?

Peter Ziemainz: Defizite hat es keine, Vorteile aber unendlich viele. Zu Recht beneidet uns die übrige Welt um eine Berufsausbildung, die schulische und handwerkliche Elemente gleichberechtigt und auf qualitativ hohem Niveau einschließt. Diese Ausbildung ermöglicht erfolgreichen und ehrgeizigen Handwerkern, nicht nur die Meisterprüfung abzulegen und sich selbständig machen zu können, sondern öffnet ihnen mit dem Meisterabschluss in der Tasche zusätzlich den Hochschulzugang. Dies zeigt deutlich, dass Ausbildung im Handwerk keine Sackgasse sondern eine Karriereautobahn ist.

Welche Anforderungen oder Hürden müssen Handwerksbetriebe erfüllen, um staatlichen Anforderungen im dualen System gerecht zu werden?

Peter Ziemainz: Sie müssen für die Ausbildung besonders geeignet sein. Dies bedeutet in der Regel, dass Meister im Handwerk aufgrund ihrer umfassenden Ausbildung als Ausbilder geeignet sind. Diese besondere Eignung ist Teil der Ausbildung und Prüfung eines Handwerksmeisters. Sofern zusätzlich weitere Mitarbeiter im Betrieb ausbilden sollen, müssen diese die entsprechende Ausbildereignungsprüfung haben.

Was fordert das Handwerk hinsichtlich der dualen Ausbildung von der Politik, was muss 2018 getan werden?

Peter Ziemainz: Grundsätzlich nicht nur die Politik, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen sollten erkennen und deutlich kommunizieren, dass handwerkliche und akademische Ausbildung gleichwertig sind und gleichermaßen in unserem Land benötigt werden. Zum anderen erwarten wir, dass, wenn über Bildungsinvestitionen gesprochen wird, die duale Ausbildung nicht außen vor bleibt. Wir als Gesellschaft investieren Millionen- und Milliardenbeträge in allgemeinbildende Schulen und Universitäten. Würde ein höherer Anteil dieser Beträge in die duale Ausbildung investiert werden, könnte der gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzen noch höher sein als er heute schon ist.

Genügt eigentlich die Ausbildungsreife junger Menschen den hohen Anforderungen und Ausbildungsordnungen im dualen System?

Peter Ziemainz: Leider gibt es hier keine allgemeingültige Antwort. Jedoch werden die Anforderungen im Handwerk häufig unterschätzt. Unsere Betriebe unternehmen alle Anstrengungen, den Auszubildenden jede Unterstützung zu geben und ihnen zu einem erfolgreichen Berufsabschluss zu verhelfen. Hier wäre es um ein Vielfaches leichter, würde die Berufsorientierung bereits in den Schulen ein umfassenderes und realistisches Bild der Handwerksberufe geben können. Diese Perspektive fehlt einem großen Teil der jungen Menschen. Sie fehlt einfach deshalb, weil es vielfach keine realistischen und umfassenden Informationen über Möglichkeiten und Erfolgsmodelle im Handwerk gibt.

Gibt es genügend Lehrstellen im Kreis?

Peter Ziemainz: Wir haben noch immer mehr Ausbildungsstellen als geeignete Bewerber. Wer sich ernsthaft für eine Ausbildung im Handwerk interessiert, kann zu 99 Prozent sicher sein, den richtigen Beruf sowie den passenden Betrieb schnell zu finden.

Wo können sich junge Menschen und ihre Eltern über Möglichkeiten der Ausbildung unkompliziert informieren?

Peter Ziemainz: Wir werden im kommenden Jahr unter anderem über unsere Homepage die Ausbildung im Handwerk, auch im Vergleich zu anderen Ausbildungsgängen, grafisch darstellen. Für eine umfassende und realistische Beratung empfehle ich aber dringend, unseren Service der Ausbildungsberatung zu nutzen. Hier können sich Schüler, auch gemeinsam mit ihren Eltern, individuell und umfassend informieren. Hierzu genügt eine telefonische Terminvereinbarung mit unserem Ausbildungsberater im Haus des Handwerks in Groß-Gerau. Wer an praktischen Erfahrungen im Handwerk interessiert ist, kann diese im Rahmen eines Praktikums erwerben. Bei der Vermittlung unterstützt sehr gerne die Kreishandwerkerschaft.

 


Zur Person: Peter Ziemainz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, wurde 1955 in Berlin geboren. Er leitet die Kreishandwerkerschaft Groß-Gerau seit 2017. Ehrenamtlich war und ist er für die CDU in seiner Heimatgemeinde Nauheim ebenso tätig wie im Kreistag Groß-Gerau. Unter anderem ist er Vorsitzender des Fördervereins Kreisklinik Groß-Gerau und stellvertretender Vorsitzender des Vereinsrings Nauheim.

Weitere Informationen:
www.kh-gg.de

 

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