Editorial


Michael Schleidt
ist Herausgeber und Verleger des WIR-Magazins
michael.schleidt@wir-in-gg.de

 

Serviceversprechen

„Wir sind für Sie da, rund um die Uhr!“ – niemals zuvor gab es so viele Serviceversprechen wie heute. 24 Stunden, sieben Tage lang sei die Hotline erreichbar, mit dem einzigen Ziel zu beraten, zu helfen, Probleme zu lösen. Nur reicht es eben nicht, eine Telefonnummer anzugeben. Wichtig ist doch, dass am anderen Ende des heißen Drahts auch einer sitzt, der den Hörer abnimmt. Im Zweifelsfall ist das dann eine nette Stimme vom Computer, die dummer­weise genau mein Problem nicht in der Auswahl hat.

In Zeiten, in denen manche Unternehmen ihre Außendarstellung für wichtiger halten als ihre inneren Werte, wird das schnell zum Problem – der Kunde hat gekauft, das war es dann. Bei einer großen Telefongesellschaft erfuhr ich jüngst nach einer halben Stunde Warteschleife (leider nicht übertrieben), dass die Hotline jetzt gerade überlastet sei und ich doch später nochmal anrufen solle. „Wir sind jederzeit für Sie erreichbar“ klang irgendwie anders – es ist das reinste Gruselkabinett. Und alle wissen es.
Spätestens nach solchen Abenteuern weiss ich dann wieder wohl zu schätzen, was die persönliche Beratung, von Angesicht zu Angesicht doch wert ist. Ein Mensch, der mein Problem erkennt, auch dann wenn es gerade nicht in irgendeine Schublade passen will.

Ein Berater, der beraten kann, zu einem Thema, von dem er wirklich was versteht. Ob diese Spezies hilfsbereiter Unternehmer auch künftig anzutreffen ist, liegt freilich auch an uns Verbrauchern. Fachkompetenzen nutzen, um hinterher an anderer Stelle billig einzukaufen, mag mancher für besonders clever halten – ich nenne das Beratungsdiebstahl.

Auf der Groß-Gerauer Gewerbeschau zeigen jetzt rund 60 Aussteller, wie der Dienst am Kunden auch ohne lange Warteschleifen funktionieren kann. Höchstpersönlich für Sie da! Und das wäre dann ein wirkliches Serviceversprechen.