Georg Büchner aus Goddelau

Von Peter Brunner

Am 17. Oktober 1813, vor 204 Jahren, wurde im Haus des Goddelauer Schultheissen Johann Ludwig Kraft dem Untermieter Dr. Ernst Büchner und seiner Frau Caroline der erste Sohn, Karl Georg, geboren. Am 28. Oktober wird der Junge getauft.

Im Geburts- und Taufprotokoll der Kirchengemeinde heißt es: „Taufpathen waren: (1) H. Johann Georg Reuß, Hofrath u Hospitalmeister zu Hofheim, des Kindes Großvater mütterl. Seits. (2) H. Jacob Carl Büchner, Amtschirurgus zu Reinheim, des Kindes Großvater väterl. Seits. (3) Wilhelm Georg Reuß, der Mutter lediger Bruder. Die Stelle der beid. letztern abwesend. Taufpath. vertrat H. Johann Heinrich Schober, Grhzl. Pfarrer zu Crumstadt, welcher gegenwärtiges Protokoll nebst erstgenannt. Pathen, so wie dem Vater u mir, dem Pfarrer, der die Taufe verrichtet, unterschrieb. Hab.“ Jacob Wiener, dem Goddelauer Pfarrer, stand also sein Crumstädter Kollege in Vertretung der anwesenden Paten zur Seite. Das Kind trägt die Vornamen der beiden Großväter.
Über Karl Georg Büchners Zeit in Goddelau gibt es keine Aufzeichnungen, auch in seinen Texten und Briefen hat er Goddelau und das hessische Ried nicht explizit erwähnt. Klaus Lohr von „Bees Denäwe“ hat gedichtet „Der Büchnerschorsch, der Büchnerschorsch, wor nie in Golle Kerweborsch“, und damit hat er sicher Recht.

Allerdings haben die Forscher manche Stelle in Büchners Werk gefunden, die unmissverständlich auf seine Heimat hinweist – in Leonce und Lena sagt Valerio: „Der Weg zum Narrenhaus ist nicht so lang, er ist leicht zu finden, ich kenne alle Fußpfade, alle Vicinalwege und Chausseen dorthin.“ Dies zeugt wohl vom Wissen um den nahen Weg zum Hospital, wo der Großvater Verwalter und der Vater Arzt war. Und der „Woyzeck“ beginnt mit der Szenenschilderung „Freies Feld. Die Stadt in der Ferne. Woyzeck und Andres schneiden Stöcke im Gebüsch“. Klar, dass da eine Situation ist, die sich nicht mitten in Darmstadt abspielt. Der Onkel Ludwig Büchner war Arzt in Crumstadt, ihn werden die Darmstädter Büchners gelegentlich besucht haben. Es darf also sicher gesagt werden, dass Georg Büchner das hessische Ried und besonders seinen Geburtsort kannte. Kerweborsch allerdings, da hat Klaus Lohr Recht, war er sicher nicht; vielleicht sind die Büchners aber immerhin im Herbst zum Quetschekuche-Esse nach Golle gekommen?


Peter Brunner
ist hauptamtlicher Leiter des Riedstädter Museums Büchnerhaus;
post@entwicklungundkultur.de

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