Geschenke, mal anders?

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Britta Röder
ist Romanautorin aus Riedstadt und Mitglied im Kulturstammtisch GG;

britta-roeder@gmx.de

Von Britta Röder.

Von wegen Besinnlichkeit! Die Vorweihnachtszeit gleicht eher einem großen Endspurt mit Stress in allen Bereichen. Stress auf der Arbeit, weil alles noch irgendwie fertig werden muss. Also wirklich alles, und es muss.

Denn nach dem 24. Dezember fällt die gesamte Republik in eine Art kollektive Starre, genannt „Die Zeit zwischen den Jahren“. Eine Art parapsychologisches Phänomen, in dem die Zeit für einige Tage zum Stillstand zu kommen scheint. Mit kostspieligem Getöse und rituellem Sektbesäufnis wird der Bann nur wenige Tagen später zum Glück gebrochen. Aber was danach kommt, das ist ungewiss. So wie alles im Leben. Also schnell noch erledigen, was man im alten Jahr erledigen kann. Stress gibt‘s auch daheim, weil bis Heiligabend alles perfekt sein muss: aufgeräumt, geputzt, geschmückt, dekoriert, gebacken, eingekauft… Der Heiligabend selbst wird feldstabsmäßig geplant. Essen, Kirche, Bescherung sind terminlich genau aufeinander abgestimmt. Und erst die Weihnachtsfeiertage! Je größer die Familie, desto diffiziler die Abstimmung. Wer besucht wen? Und wann? Und wie lange? Da gibt es mehr diplomatische Fettnäpfchen zu berücksichtigen als bei einem Staatsempfang im Schloss Bellevue.

Das Aufreibendste von allem ist die jährliche Geschenkejagd. Aber mal ehrlich, brauchen wir das alles denn wirklich? Die liebevoll in Goldpapier gewickelten Socken und Krawatten, die x-te Flasche Likör, die Klassik-CD, die wir gleich zwischen den Jahren heimlich umtauschen werden? Natürlich ist es herzerwärmend, dass der Andere an einen gedacht hat. Aber braucht es dazu wirklich immer Geschenke? Eine Freundin von mir feierte neulich einen runden Geburtstag. Sie sei glücklich und habe alles, was sie zum Leben brauche, schrieb sie in ihrer Einladung. Darum bitte sie, von Geschenken abzusehen. Aber über eine Spende an einen von ihr ausgewählten guten Zweck, darüber würde sie sich wirklich freuen. Die Party wurde genial, und meine Freundin war glücklich. Denn alle, die kamen, kamen für sie. Sie hatten an sie gedacht und schenkten ihr gemeinsam einen wundervollen Abend. Und der Spendentopf wurde richtig voll. Ein Geschenk für Menschen, die wirklich etwas brauchen.

Ich nehme die Idee mit in meine Vorweihnachtsplanung und schalte in Sachen Geschenke deutlich runter. Meinen Lieben Zeit zu schenken, kostet kein Geld, ist aber unendlich kostbarer. Und wer wirklich gerne etwas zum Auspacken unterm Baum haben möchte, der kann ja eine Spende verschenken. Vielleicht hat Ihr Lieblingsmensch ein Projekt, für das er sich engagiert oder das er gerne unterstützen möchte? Wenn Sie ihm dabei helfen, bereiten Sie ihm sicher auch eine Freude.

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