Gespräch mit dem Chamäleon

Von Ulf Krone.

Werner Eitle ist ein umtriebiger Mensch. Bekannt ist er über die Grenzen der Kreisstadt hinaus als Vorsitzender des von ihm gegründeten NABU Groß-Gerau, einem Zusammenschluss der beiden ehemaligen Ortsgruppen Groß-Gerau und Berkach. Dass er auch schreiben kann, zeigt er seit einiger Zeit als Kolumnist des WIR-Magazins in der Rubrik WIR und die Umwelt. Nun ist er noch unter die Buchautoren gegangen und hat in einem außergewöhnlichen, in seiner Verquickung von Autobiographischem, Erzählerischem sowie Reflexionen über Gesellschaftliches und Zeitgeschichtliches an Milan Kundera erinnernden Projekt sein bewegtes Leben rekapituliert. Herausgekommen sind die „Memoiren eines Chamäleons“, die gerade im Verlag Hartmut Becker erschienen sind und die der Autor bei einer Lesung im Dorfgemeinschaftshaus in Berkach am 12. April um 19.30 Uhr vorstellen wird. WIR-Redakteur Ulf Krone hat beim Autor nachgefragt.

Erläutern Sie unseren Lesern bitte einmal, worum es in ihrem Buch konkret geht!

Werner Eitle: Im ersten Teil ist es eine Reise durch die Erinnerungen. Es werden Lebenserfahrungen erzählt, die von zeitgeschichtlichen Ereignissen begleitet werden. Dieser Teil ist autobiographisch, beginnt in der Kindheit und endet in der Gegenwart. Ich öffne mich ein Stück weit und beschreibe, wie ich mit den Turbulenzen in meinem Leben umgegangen bin. Dennoch werden sich viele Leser wiedererkennen, weil darin nichts Heldenhaftes liegt. Aus dem Volk für das Volk, so will ich es verstanden wissen. Der Farbwechsel des Chamäleons, das den Umschlag schmückt, und der Titel spiegeln meine Kindheit wider, in der ich mich notwendigerweise veränderten Lebensumständen anpassen musste. Im zweiten Teil setze ich mich kritisch mit gesellschaftlichen Fragen auseinander. Ich zeige auf, wie es ist und wie es sein könnte. Dabei lasse ich meinen Visionen und Ideen freien Lauf. Es geht um erkennbare gesellschaftliche Unzulänglichkeiten, um Rückblick und Ausblick – und natürlich auch um den Naturschutz.

Die aktuellen gesellschaftlichen Verwerfungen sind unübersehbar. Worin haben Sie die Gründe dafür ausgemacht?

Werner Eitle: Durch die Globalisierung ist eine Situation entstanden, für die die Einzelstaaten noch keine Regeln gefunden haben. Zum Beispiel gehen durch ihren Steuerwettbewerb alleine in Europa Billionen Euro an Steuereinnahmen verloren, und die gewählten Volksvertreter haben darauf keine klare Antwort. In vielerlei Hinsicht wissen wir, was getan werden müsste, tun es aber nicht, und so werden gerade die Politiker vermehrt als staunende Zuschauer wahrgenommen. Ohne klare Kante zu zeigen, mutiert die Politik zu einem demokratisch gewählten Gefüge der Gefälligkeiten an die, die ohnehin schon genug haben. Sie wirkt so an der ständigen Wohlstandsverschiebung mit. Dass dies nicht als gerecht empfunden wird, liegt auf der Hand. Die Wirklichkeit beißt sich schon lange mit dem Weltbild, das viele Menschen sich ersehnen.

Wie sind sie zum Schreiben gekommen? Wo liegen die Wurzeln dieses Buches?

Werner Eitle: Mit 17 Jahren hatte ich begonnen, Gedichte und kleine Texte zu schreiben. Manchmal hörte ich auch etwas, das ich besonders schön fand oder mit dem ich mich identifizieren konnte. Im Laufe der Jahre entwickelte sich so eine Zettelwirtschaft, die ich in einem Schuhkarton aufbewahrte. Vor etwa drei Jahre beschloss ich aufzuräumen, und da fiel mir der Schuhkarton in die Hände. Beim Wiederentdecken des Inhalts reifte in mir die Entscheidung, mit dem Schreiben zu beginnen. Ich wollte meine Lebensgeschichte aufschreiben, nur für mich. Und dann wurde es einfach immer größer.

 

Zur Person: Werner Eitle ist Jahrgang 1950, wuchs in einer Pflegefamilie auf. Er arbeitete als Werkzeugmacher, Servicetechniker und Vertriebsmitarbeiter und gründete in der Kreisstadt die Ortsgruppe des Naturschutzbundes NABU. Er ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Berkach.

Das Buch: Werner Eitle, Memoiren eines Chamäleons, Vom Geschäftsmann zum Umweltschützer und Visionär einer besseren Welt; 2018, Verlag Hartmut Becker, Kirchhain; 500 Seiten, ISBN 978-3-929480-59-7, 19,80 Euro.

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