Klimawandel sehen, aber nicht handeln

Von Werner Eitle.

Haben sie sich nicht auch schon längst gefragt, ob diese furchtbaren Orkane nicht die Folge des Klimawandels sind? Ich habe den Eindruck gewonnen, dass nicht nur ich, sondern immer mehr Menschen gerade das Gefühl haben, dass wir uns endlich besinnen sollten.

Anders leben, einfacher, gesünder, nachhaltiger und im Einklang mit sich selbst und der Natur. Verzicht macht nicht unglücklich, im Gegenteil. Das erkennt zunehmend der, der begonnen hat sein Leben zu entrümpeln. Die Sorge um unser gemeinsames Haus, wie es Papst Franziskus einmal genannt hat, sollte uns wichtiger sein als ein fragwürdiger Fortschritt, der von jenen propagiert wird, die außerordentlich davon profitieren. Fortschritt muss aber alle mitnehmen, sonst ist es kein Fortschritt.

Verstehen wir unsere Erde wieder als unser Zuhause, ein Zuhause für Menschen, Tiere und Pflanze. Als ein Raumschiff, dass sich mit lebensfähigen Konditionen durch den Raum bewegt. Wenn wir unsere Lebensgrundlage retten wollen, müssen wir aufhören, nur darüber zu reden. Wir müssen jetzt handeln. Wenn wir weiter so zögerlich agieren, haben wir nicht einmal das Recht, unsere Kinder und Enkelkinder um Verzeihung zu bitten, denn wir haben uns wissentlich schuldig gemacht. Was uns von Tieren unterscheidet, ist unser Bewusstsein, und deshalb kann keiner sich freisprechen. Unsere Taten sind keinem Instinkt gefolgt, und niemand kann sagen er hätte nichts gewusst. Unsere letzten Naturschätze sind seit Jahrzehnten in Gefahr, und die Interessen vieler besorgter Menschen werden von Politik und Wirtschaft größtenteils ignoriert. Begriffe wie Gewinnsteigerung, Umsatzsteigerung, größer, einflussreicher sind das „Goldene Kalb“ um das wir tanzen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe ein Großteil meines Lebens in diesem Umfeld verbracht. Heute weiß ich, wenn das, was wir für richtig halten, wichtiger ist als das, was es auslöst, sind wir auf einem Irrweg. Wenn wir keinen größeren Verlust als Geld fürchten, verlieren wir unseren Glauben an alles Lebendige. Mit der Natur kann man nicht handeln. Es ist unerlässlich, dass wir sie wieder mehr wertschätzen und sie als unverzichtbaren Teil unseres Lebens verstehen.

Alles was ich sehe, kann ich mit einem Bild verdeutlichen. Es ist, als fahren wir mit Höchstgeschwindigkeit auf eine Mauer zu. Man sieht sie schon lange, bremst aber nicht ab, um rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Etwas blauäugig, aber auch im höchsten Maß verantwortungslos, ist man der Meinung, mit einer drastischen Vollbremsung den Aufprall vermeiden zu können. Ein solches Verhalten würden die meisten als grob fahrlässig bewerten, zumal die eigenen Kinder und Enkel im Wagen sitzen. Aber wenn wir die Lebensgrundlage unserer Kinder und Enkel an die Wand fahren, scheint das immer noch viele nicht zu stören. Ich mag mir nicht vorstellen, dass spätere Generationen nur noch in alten Filmen und Dokumentationen sehen können, wie schön und artenreich unsere Erde einmal war. Dass sie in Museen Präparate bestaunen müssen, wie wir heute Skelette und Versteinerungen von Dinosauriern. Wir müssen unsere Intelligenz einsetzen, um mit der Natur zu leben und nicht gegen sie. Möglicherweise können wir in der Zukunft vieles klonen, aber nicht unsere Erde.

Vielleicht haben sie jetzt Lust, einen Spaziergang zu machen, um die Luft und die Frühlingssonne zu genießen. Den Computer abzuschalten und das Handy einmal zu Hause zu lassen, damit sie das wahrnehmen, was sie umgibt.

Infos gibt es unter
www.nabu-gross-gerau.de
info@nabu-gross-gerau.de


Werner Eitle
ist Vorsitzender des Ortsverbands des Naturschutzbundes (NABU);
werner.eitle3@gmail.com

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