Mutter Courage und die Theaterkiste

Von W. Christian Schmitt.

Mit der Reihe „Tischgespräche“ gibt das WIR-Magazin seinen Lesern Gelegenheit, unmittelbar am jeweiligen Geschehen mit dabei zu sein. Diesmal hat uns Monika Peschk, Regisseurin der Dornheimer Theaterkiste, in die Riedhalle eingeladen. Auf der Bühne und inmitten einer vermeintlichen Theaterkulisse haben wir uns wohlgefühlt – auch wenn im Zuschauerraum diesmal keine Besucher waren.

Ein gedeckter Tisch genau auf jenen Brettern, die angeblich die Welt bedeuten (sollen). Zumindest für Schauspieler. Eine sicher angemessene Kulisse für ein Gespräch mit einer Regisseurin. Doch bevor wir miteinander plaudern, muss ich eingestehen: ich bin kein passionierter Theatergänger. Auch wenn ich das Glück hatte, bei dem einst weit über die Echo-Grenzen hinaus bekannten und geschätzten Theaterkritiker Georg Hensel zu lernen und im Feuilleton zu arbeiten – ehe dieser zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung wechselte. Bei ihm lernte ich u.a., dass zum journalistischen Rüstzeug zuvörderst das Zuhören gehört. Und genau darum geht es auch diesmal hier in Dornheim: Ich möchte erfahren, wie ein Amateurtheater funktioniert. (Übrigens eines von rund zehn Gruppierungen, die es hier bei uns im näheren Umkreis gibt).

Und Monika Peschk, die früher einmal Modezeichnerin, Fotografin, Malerin oder Schauspielerin werden wollte, ist eine auskunftsfreudige Gesprächspartnerin. „Als wir uns vor 29 Jahren zusammengefunden haben“, erzählt sie, „hatten wir vom Theaterspielen überhaupt keine Ahnung“. Man wollte einfach nur einmal im Jahr „für Kinder spielen“ – und gründete dazu eigens einen Theater-Verein, dem heute insgesamt 22 Mitglieder angehören, darunter sieben bis zehn Aktive, „denen die Schauspielerei einfach Spaß macht“. Nach den Kinderstücken folgten solche für Erwachsene. Und: „Das Wissen und die Technik im Bereich Theater haben wir uns nach und nach erarbeitet. Alles war Neuland“.

Zunächst führte quasi die gesamte Truppe Regie, was natürlich mehr Probleme schaffte, als diese zu lösen. Und so wurde Monika Peschk („ich war schon immer eine leidenschaftliche Theatergängerin“) schließlich Alleinverantwortliche fürs Zustandekommen einer Inszenierung. Denn genau darum geht es, ganz gleich, ob ein Theaterstück in Berlin, Wiesbaden, Darmstadt oder eben in Dornheim zur Aufführungsreife gebracht werden soll: Eine/r muss sagen, wo es langgeht. Und sie berichtet davon, dass sie sich „mit einer ganzen Reihe von Seminaren das Schauspiel- und Regiewissen erarbeitet hat“. Zwischenzeitlich schalten wir von plaudern auf genießen um und wenden uns der üppig gefüllten Platte mit griechischen Vorspeisen zu, die – wie in einem guten Boulevardstück – von einem aus dem Off kommenden Kellner auf unserem Bühnentisch platziert wird. Unser Video-Clip-Regisseur Werner Wabnitz gibt dazu die klare Anweisung, eine Redepause einzulegen und noch einmal mit den Weingläsern zuzuprosten. So sei es denn.

Bei Monika Peschk, die vor über 30 Jahren mit ihrem Mann von Münster/Westfalen nach Dornheim zog und mittlerweile fast als eingebürgertes „Dornemer Mädche“ gilt, kann man die Theaterbegeisterung geradezu spüren. Wenn es um die Schauspielerei geht, ist sie ganz in ihrem Element. Auf die Frage, was Zuschauer hier in Dornheim von einem Theaterstück erwarten, antwortet sie ohne Umschweife: „Sie wollen innerlich mitfiebern, gefesselt, fasziniert und aufgeheitert werden, ihren Alltag vergessen und Spaß haben“.
Da es in Dornheim noch eine zweite Theatergruppe gibt, die alle zwei Jahre ihrem Publikum ein Erwachsenenstück anbietet, „ist es für uns selbstverständlich, zeitgleich ein Kinderstück auf unserem Programm zu haben. Wir studieren jedes Jahr im Wechsel ein Kinder- oder Erwachsenstück ein.“ In diesem Jahr sind wieder die Kinder an der Reihe. Doch „was wir spielen, ist noch nicht entschieden“, sagt die Regisseurin. Mehr noch: zuerst müssen wir einmal feststellen, wer alles mitspielen wird“ (siehe dazu auch den entsprechenden „Aufruf“ auf S. 36 in dieser WIR-Ausgabe).

Was sind das eigentlich für Leute, die in diesem Amateur-Theater mitspielen, und woher kommen sie? „Sehr, sehr wenige stammen aus Dornheim, einige kommen aus Klein-Gerau, Mörfelden und sogar Frankfurt. Es sind darunter Studenten, kaufmännische Angestellte usw.“, sagt uns Monika Peschk. „Erzählen Sie doch noch ein wenig über Ihre Sicht aufs Theater“, will ich wissen. Es sei eine „ganz große Kunst, vor Publikum zu spielen“, und „jedes Stück, das wir spielen, ist eine Herausforderung“. Und sie fügt hinzu: „Schauspieler müssen auf der Bühne authentisch wirken, Glaubhaftigkeit im Spiel erreichen“. Wir reden darüber, was passiert, wenn ein Schauspieler seinen Text vergisst, wenn Zuschauer sich im Saal zumeist mit Räuspern bemerkbar machen usw.
Und dann ist da noch das Thema „Kritiker“. Was bringt es der Regisseurin und der Theatertruppe, wenn „in der Zeitung“ etwas über die Aufführung zu lesen ist? Sehr viel. Für Frau Peschk „ist die Kritik aus der Bevölkerung ebenso wichtig wie aus der Zeitung. Hat das Stück gefallen oder nicht? Ist der berühmte Funke zum Publikum übergesprungen?“ Dann stellt sich die Frage: „Was kann ich das nächste Mal noch verbessern?“ Und ohnehin sei der Applaus das Entscheidende.

Bleibt die Wunsch-Frage zum Schluss: „Was würden Sie denn gerne einmal inszenieren?“ Die Antwort kommt ohne langes Nachdenken: „Brechts ,Mutter Courage‘“. Und wer würde die Hauptrolle spielen? Das klären wir ein andermal.

Aufgezeichnet von W. Christian Schmitt

Zur Person: Monika Peschk, geb. in Hamm/Westf.: „Ich bin 64 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene. Töchter. Vor 33 Jahren bin ich aus beruflichen Gründen meines Mannes von Münster/Westf. nach Groß-Gerau und ein Jahr später nach Dornheim gezogen. Meine Leidenschaft für das Theater begann schon im Jugendalter, das hat sich bis heute nicht geändert. Daher war es 1989 eine Herausforderung, eine Theatergruppe in Dornheim mit einigen interessierten Frauen zu gründen. Seit ca. 25 Jahren leite ich die Theatergruppe und führe Regie.“

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