Interreligiösen Dialog führen

Abdul ­Basit Tariq im Gespräch mit Rainer Beutel.

Die in Groß-Gerau ansässige Ahmadiyya-Gemeinde hat mit Abdul ­Basit Tariq einen neuen Imam. Der gebürtige Pakistani erklärt seine Aufgabe und Rolle als geistliches Oberhaupt der gläubigen Muslime.

Herr Tariq, bitte erläutern Sie Ihre Aufgaben als Imam der Ahmadiyya-Gemeinde.

Abdul Basit Tariq: Im Namen Allahs des Gnädigen, des Immer Barmherzigen. In der deutschen Sprache wird mein Beruf Geistlicher genannt, aber in der arabischen Sprache heißt es Murabbi oder Mubaligh. Ein Murabbi ist jemand, der seine Gemeindemitglieder religiös und moralisch erzieht. Die Aufgabe beginnt damit, religiöses Wissen zu vermitteln. Also das Beten lernen, den Quran lesen lernen, die islamische Geschichte lernen, den Glauben an den einen Schöpfer lernen und fühlen.
Als Mubaligh der Ahmadiyya-Gemeinde gehört es auch zu meiner Aufgabe, die Botschaft des Islam und seine Schönheit der nicht-muslimischen Bevölkerung, Freunden und Bekannten zu vermitteln. Deshalb halte ich viele Vorträge in Kirchengemeinden, führe interreligiöse Gespräche und suche das Gespräch mit nicht-muslimischen Menschen. Ich verfolge auch das Ziel, den Islam als friedliche und moderne Religion darzustellen und die Missverständnisse über den islamischen Glauben zu beseitigen und gleichzeitig klarzustellen, dass der Islam mit Terror und Gewalt gar nichts zu tun hat. Dies eine Berufung. Ich fühle mich Gott gegenüber verantwortlich und erfülle es im freiwilligen und ernsthaften Sinne. Ich mache das nicht, um Geld zu verdienen und das hat nichts mit dem Weltlichen zu tun.

Was sind die wichtigsten Werte, die Sie dabei vermitteln?

Abdul Basit Tariq: Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft, die durch viele verschiedenen Kulturen geprägt und bereichert wird. Dies gilt es, zu akzeptieren und zu erhalten. Hierfür müssen Freundschaften und Bekanntschaften geknüpft und gepflegt werden. Es ist äußerst wichtig, auf die Menschen zuzugehen, also Räume für Begegnungen zu organisieren, wo sich Menschen aus verschiedenen religiösen und kulturellen Hintergründen begegnen und aussprechen können. Erst dadurch entsteht eine gesunde und friedliche Gesellschaft.

Was bedeutet das konkret?

Abdul Basit Tariq: Es ist mein Wunsch, dass die hiesige Bevölkerung keine Angst und Hemmungen haben muss, denn als Imam und Geistlicher der Bait-ul-Shakoor Moschee Groß-Gerau lade ich Menschen aller Auffassungen, aller Religionen, aller Kulturen zum offenen Austausch ein. Wenn sie mich einladen, werde ich diese annehmen und dazukommen. Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung zu uns kommt. Mir ist Kommunikation und Austausch wichtig. Es kommt hinzu, dass in der gegenwärtigen Zeit besonders der Islam von vielen missverstanden wird und dadurch die Menschen vom Islam abgeschreckt werden. Diese Vorbehalte müssen wir aufheben und beseitigen. Das gelingt uns durch ein friedliches Miteinander und durch ein besseres Kennenlernen.

Wie sehen und gestalten Sie die Zusammenarbeit mit anderen Glaubensgemeinschaften vor allem der christlichen Religion?

Abdul Basit Tariq: Es steht im heiligen Quran geschrieben, dass wir mit den Christen in bester Art und Weise diskutieren sollen. Als ich in Berlin als Imam tätig war, habe ich viele Freunde gewonnen, u.a. Pfarrer und Pfarrerinnen. Sie habe ich in die Moschee eingeladen und Vorträge über das Christentum gehalten, ebenso haben viele Pfarrer Vorträge in unserer Moschee gehalten. Das möchte ich auch in Groß-Gerau erreichen. Ich habe vor kurzem einen Pfarrer kennengelernt, mit dem ich beabsichtige, einen gemeinsamen interreligiösen Dialog zu führen. Ich pflege seit 36 Jahren in Deutschland sehr gute Beziehungen mit Anhängern des Christentums, des Buddhismus, Hinduismus, Judentums und anderer Religionen. Es freut mich, dass ich jetzt Kontakt zur Evangelischen Kirche in Groß-Gerau habe. Protestanten haben uns in der Moschee besucht, auch ich habe ihre Kirche mit Freunden besucht. Es ist ein Kontakt entstanden, und ich versuche die Zusammenarbeit zu vertiefen.

 

Zur Person: Abdul Basit Tariq wurde am 25. Februar 1948 in Lahore (Pakistan) geboren. 1968 hat er sein Studium der Philosophie und Literatur absolviert. Anschließend studierte er sieben Jahre an der Jamia Ahmadiyya (Institut für islamische Theologie und Sprachen) in Pakistan. Seit 1982 lebt er in Deutschland. Unter anderem arbeitete er neun Monate in London beim Khalifen des Islam sowie ein Jahr beim leitenden Imam in der Schweiz. Er war Imam in Ginsheim-Gustavsburg, Hamburg, Kiel sowie 16 Jahre in Berlin.

www.ahmadiyya.de

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