Ohne Eisenbahner keine Luftbrücke

Aufgezeichnet von Rainer Beutel.

Vor 70 Jahren begannen die USA, Großbritannien und Frankreich, West-Berlin über die Luftbrücke zu versorgen. Der runde Geburtstag wird unter anderem am 26. Juni am Luftbrückendenkmal des Frankfurter Flughafens gefeiert. Als Ehrengast und als Mitorganisator eingeladen ist der 92 Jahre alte gebürtige Ostpreuße Siegfried Kugies aus Trebur. In seinem Buch „Der ostpreußische Eisenbahner und die Amerikaner“ schildert er seine Lebensgeschichte:

Im Winter 1944/45 bin ich in Gefangenschaft der US-Army gekommen. Auf einem Schiff wurde ich in die USA gebracht. In der Kriegsgefangenschaft lernten wir englisch, außerdem gab es englische und amerikanische Geschichte sowie Demokratieunterricht. Hier gingen mir die Augen auf, dass man als 17-jähriger als Kanonenfutter missbraucht wurde. Wir wurden mit Begriffen wie Demokratie, Menschenwürde und Freiheit vertraut gemacht.
1946 wurde ich nach Wales verlegt und arbeitete dort auf einer Farm. Beinahe wäre ich Bauer in Wales geworden. Aus einem Brief vom Roten Kreuz erfuhr ich, dass es meine Familie nach Trebur verschlagen hatte. So kam ich hier her. Bei Opel in Rüsselsheim wurde ich bei meiner Bewerbung weggeschickt, vielleicht weil ich einen Anzug trug. Die haben mich angeguckt wie einen Hochstapler. Bei der Eisenbahn bin ich sofort genommen worden. Ich arbeitete im Gleisbau, als Rangierer und als Schrankenwärter. Anfang 1949 wurde ich zur Rhein-Main-Airbase nach Frankfurt delegiert, von wo aus ab 26. Juni 1948 die Stadt Berlin über die Luftbrücke versorgt wurde.

Lebensmittel, Medikamente und Kraftstoffe wurden mit Flugzeugen nach Berlin transportiert. Von der Rhein-Main-Airbase wurde überwiegend Kohle transportiert. Die musste aber erst zu den Flugzeugen gebracht werden, und dafür brauchte man die Eisenbahn. Mit meinen Englisch-Kenntnissen konnte ich den Austausch zwischen deutschen Eisenbahnern und amerikanischen Militärs maßgeblich unterstützen. So viel ist klar: Die Luftbrücke wäre ohne die Eisenbahner nicht möglich gewesen.

 

Zur Person: Siegfried Kugies pflegt seit Jahrzehnten engste Kontakte zu Amerikanern, die in Hessen leben. Er organisiert Konzerte mit der US Air Force Band, ist Ehrenmitglied des Luftbrücken-Chapters Rhein-Main und gern gesehener Gast bei den Einheiten der US Air Force in Wiesbaden Erbenheim. In Trebur war er von 1981 bis 1997 Vorsitzender der Gemeindevertretung, zu deren Ehrenvorsitzender er später ernannt wurde. Bei der Bahn arbeitete er sich bis zum stellvertretenden Bahnhofsvorsteher in Walldorf hoch, bevor er das Aufgabengebiet „Verkaufsförderung, Touristik, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ im Marktbereich der alliierten Streitkräfte in Deutschland übernahm. Beim Bahn-Sozialwerk betreute er Reisegruppen auf Fahrten durch viele Länder der Erde.

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