Sprecher der Region will er sein

Von W. Christian Schmitt.

Mit der Reihe „Tischgespräche“ gibt das WIR-Magazin seinen Lesern Gelegenheit, ganz nah am Geschehen mit dabei zu sein. Wir sind jeweils eingeladen von bekannten Personen aus dem Gerauer Land und erfahren, wie sie denken, entscheiden, privat sich darstellen. Diesmal hat uns Bürgermeister Stefan Sauer, der in der Kreisstadt wohnende CDU-Kandidat für die Bundestagswahl am 24. September eingeladen.

Bei den Stadtläufen „GG läuft“, an denen er bislang fünfmal teilgenommen hat, sah man ihn jeweils mit der Startnummer 990 auf der Brust – genau so, wie sein Kfz-Kennzeichen endet. Nach mehr als zehn Jahren, in denen wir uns ein wenig kennengelernt haben, gibt Stefan Sauer erstaunlich viele Einblicke in seine Gedanken- und Alltagswelt. Es ist eine lockere Runde im Altheim-Zimmer in Groß-Geraus Vier-Sterne-Hotel, wo wir uns verabredet haben und an der auch Sauers Ehefrau Dr. Roxana Sauer teilnimmt.
Natürlich ist er auf die Frage vorbereitet, die er in diesen Wochen vor der Wahl sicher vielfach zu hören bekommt: „Warum wollen Sie die Kreisstadt, wo Sie doch jeder kennt, verlassen und nach Berlin gehen?“. Antwort Nr. 1: Er bleibe ja hier wohnen und sein Lebensmittelpunkt werde auch künftighin in der Kreisstadt liegen. Antwort Nr. 2: „Ich möchte meine kommunalen Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre nach Berlin tragen und dort Sprecher der Region sein“. Sicher, manches werde ihm am Anfang fehlen – immer vorausgesetzt, die Wähler schickten ihn als Vertreter der Kreis-Interessen in den Bundestag. „Aber jeder berufliche Wechsel ist eine Herausforderung“. Er ist jetzt 51 und es sei „an der Zeit, eine neue Lebensphase zu beginnen; mein Ausstieg aus der Kommunalpolitik 2019 steht ohnehin fest“. Sauer weiter: „Politik hält Menschen geistig frisch“, meint er und fügt an, „als Mitglied des Bundestags muss man permanent neugierig sein und sich mit ständig wechselnden Themen beschäftigen“. Zu den Themen, die ihn am meisten reizen, zählt „der gesellschaftliche Umbruch, den wir durch die Digitalisierung unserer Gesellschaft erleben“. Wenn man ihm aufmerksam zuhört, wird rasch klar: Wer von einer Kreisstadt in die Bundeshauptstadt wechselt, wird dort gedanklich in einer ganz anderen Liga „mitspielen“ können. Zwar habe er einen gewissen Vorteil, Angela Merkel nicht nur wegen ihres Besuchs im Kreisstadt-Gymnasium bereits zu kennen (und umgekehrt), fange ich meine nächste Frage an, aber dennoch werde sicher vieles ihm in Berlin zunächst fremd vorkommen. Stefan Sauer von Angela Merkel schwärmend: „Sie ist tatsächlich eine interessante Frau; wenn man sie in ihrer Leichtigkeit erlebt, wie sprachgewandt und schlagfertig sie ist“.
Wie gestaltet er seinen ganz persönlichen Wahlkampf? Auf Facebook kann man verfolgen, wo überall im Kreis er bei welchen Festivitäten vor Ort (anhand einer Bildergalerie nachvollziehbar) im Gespräch mit potenziellen Wählern ist. Was bringen ihm all diese Begegnungen in Orten, die er ansonsten wahrscheinlich kaum besuchen würde? Nee, nee, hakt er ein, „ich war davor schon in all diesen Gemeinden, selbst in Allmendfeld“, versichert er. Auch in Klein-Rohrheim?, frage ich nach. „Da bin ich schon mal durchgefahren“. Muss ja auch nicht unbedingt sein, füge ich an. „Jeder Ort ist anders, und so bekommt man ein Gespür für den gesamten Kreis“, da ist sich der CDU-Bundestagskandidat Stefan Sauer sicher. Je länger wir uns unterhalten, umso klarer wird mir, dass ich viele meiner Fragen ihm erst nach Schließung der Wahllokale stellen sollte.
Aber nun sitzen wir schon mal zusammen, und wir bleiben quasi im Was-wäre-wenn-Modus. „Herr Sauer, werden Sie das Büro von MdB Dr. Franz Josef Jung übernehmen?“ Stefan Sauer, der sich für den Video-Clip wieder sein Jackett angezogen hat: „Seine Fußstapfen werden nicht meine sein; ich muss meinen eigenen Weg finden“. So hat er es in seinem Amt als Bürgermeister bereits praktiziert, und so wird er es auch in der Großstadt handhaben. Fernseherprobt ist er schon, wie in der Sendung „Hart, aber fair“ zu sehen war, wo er sich – ganz Politiker – kurz und knapp und fotogen überdies einem Millionenpublikum präsentierte. „Man muss die Gabe haben“, sagt er, „etwas so zu erklären, dass der Bürger es versteht“. Sauer ist gewohnt faktensicher, mag Diskussionen, die durchaus meinungsübergreifend „zu einem Ergebnis führen“ und legt Wert auf die Feststellung: „Wichtig ist, dass ich bei allen Entscheidungen Ich bleibe“.
Eine Schlussfrage hätte ich da noch: Wann würden wir unser nächstes Gespräch am neuen Arbeitsplatz führen? „Wenn ich gewählt werde“, so Sauer schmunzelnd, „können Sie mir in meinem Berliner Büro beim Auspacken der Kisten helfen“. Das riecht nach Arbeit.

Zur Person: Stefan Sauer, Jahrgang 1966, Geburtsort Rüsselsheim, Wohnort Groß-Gerau, verh., zuletzt Banker, seit zehn Jahren Kreisstadt-Bürgermeister, zudem hat er das Amt des CDU-Kreisvorsitzenden inne. Zu seinen Hobbies zählen u.a. Joggen, Radfahren, Bergwandern, Skifahren und Heimwerkern.

www.stefan-sauer.de

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