Wer wird Kreisstadt-Bürgermeister/in?

Von Ulf Krone.

In der Kreisstadt steigt die Spannung. Stefan Sauer hat Groß-Gerau in Richtung Berlin verlassen, um in die Bundespolitik zu wechseln, und bei einem Blick auf die sich hinziehende Regierungsbildung scheint es, als würde eine sachliche und effektive Stimme wie die von Stefan Sauer dort tatsächlich gebraucht. In der Kreisstadt muss man sich nun allerdings einen neuen Bürgermeister suchen.

Am 21. Januar ist Wahltag, und insgesamt sechs Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen. Um unseren Lesern einen Überblick zu geben, haben wir allen Kandidaten dieselbe Frage gestellt:

„Sie bewerben sich in der Kreisstadt für das Spitzenamt im Rathaus. Was bewegt sie persönlich dazu, Bürgermeister/in werden zu wollen und worin sehen Sie in den nächsten sechs Jahren die wichtigste Aufgabe als Verwaltungschef/in?“

 

Dr. Renate Wahrig-Burfeind (GRÜNE): Seit 2011 bin ich Stadtverordnete in Groß-Gerau, interessiere und engagiere mich sehr für alle kommunalpolitischen Themen. Es ist mein Ziel, dass alle Menschen in unserer Stadt selbstbestimmt, sicher und gut leben können. Aufgrund meiner sechsjährigen kommunalpolitischen Tätigkeit bin ich mit allen wichtigen Themen unserer Stadt sehr vertraut und auf die Ausübung des Bürgermeisteramtes gut vorbereitet. Das sind für mich die zentralen Themen und Aufgaben für meine Amtszeit als Bürgermeisterin:

Verkehr: Wir müssen die Verkehrsströme durch die Innenstadt und die Stadtteile so regulieren, dass die Ortsdurchfahrten vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Die Ortsumgehung Dornheim muss endlich gebaut werden. Anstelle einmaliger Straßenbeiträge möchte ich auf wiederkehrende umstellen. Für den Schutz unseres Klimas möchte ich Radverkehr, E-Mobilität – auch bei städtischen Fahrzeugen – und Carsharing ausbauen.

Umwelt und Natur: Ich möchte naturnahe Freizeiträume – wie Scheidgraben oder Fasanerie – umweltgerecht pflegen und entwickeln sowie städtische Grünflächen als Blühstreifen oder Streuobstwiesen anlegen.

Familien und Soziales: Familien müssen durch den weiteren Ausbau von U3-Plätzen entlastet werden. Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen möchte ich mehr Bewegungs- und Begegnungsorte wie Spiel-, Bolzplätze oder Fitnessgeräte im Freien in unserer Stadt anbieten. Für das städtische Jugendzentrum brauchen wir ein neues Konzept. Der Neubau von Haus Raiss sowie die Unterstützung der städtischen Seniorenarbeit sind für mich ebenso selbstverständlich wie die Unterstützung unserer Vereine und der Freiwilligen Feuerwehren. Der Bahnhof Groß-Gerau muss für alle Menschen gut zugänglich und barrierefrei werden.

Wohnen: Wir brauchen preiswerten Wohnraum in unserer Stadt und ein Gesamtkonzept für unsere städtischen Wohngebäude. Hierfür möchte ich im Fachamt „Liegenschaften“ eine neue Stelle schaffen, die auch als „Wohnungsamt“ für Vermietungen zuständig ist.

Gesundheit: Sehr wichtig ist für mich eine gute gesundheitliche Versorgung in unserer Stadt, der Erhalt der Kreisklinik sowie die Einrichtung einer Notdienststelle in Groß-Gerau.

Wirtschaft: Groß-Gerau soll weiterhin ein attraktiver Standort für unsere Unternehmen und Gewerbetreibenden sein. Die Innenstadt soll ein lebendiges Zentrum unserer Stadt bleiben und mit freiem WLAN ausgestattet werden.

Politik: Politische Entscheidungen möchte ich für die Verwaltung transparenter machen und die derzeitigen personellen Engpässe durch eine rasche Besetzung freier Stellen beheben. Für mich ist Kommunalpolitik eine Sachpolitik, die zielorientiert handelt und in einem konstruktiven Dialog mit allen Bürgern/innen unserer Stadt steht.

Zur Person: Dr. Renate Wahrig-Burfeind wurde 1959 in Neuss geboren, ist verheiratet, hat vier Töchter und lebt als selbständige Germanistin seit 1990 in Groß-Gerau, wo sie seit 2013 Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN in der Stadtverordnetenversammlung ist;

wahrig-burfeind@t-online.de
www.wahrig-burfeind.de

 

Irene Mougoui. Die Stadt Groß-Gerau braucht gute Ideen, die umgesetzt werden. Sach­erwägungen für die hier in Groß-Gerau lebenden Menschen und nicht die Parteizugehörigkeit sind ausschlaggebend. Ich möchte mich allein den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet fühlen. Innovative Ideen für ein lebenswertes Groß-Gerau bringen die Stadt voran. Ich möchte frei von irgendwelchen Parteizwängen sein.

Dies geht am besten als parteilose Bürgermeisterin. Die Qualität der Bürgermeisterin und die Amtsführung in Groß-Gerau ist keine Frage einer bestimmten Parteizugehörigkeit, sondern eine Frage der Person, die das Amt lebt. Langjährige Erfahrungen in den unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen und Ressorts bringe ich hierfür mit. Die Qualifikation ist ein Garant für den erforderlichen Weitblick heutiger und künftiger Entwicklungen in der Stadt Groß-Gerau.

Zur Person: Irene Mougoui wurde 1959 in Baarwiese geboren, wohnt seit 1963 in der Kreisstadt, ist Diplom-Verwaltungswirtin und arbeitet als Fachbereichsleiterin für Finanzen und Immobilienmanagement bei der Stadt Riedstadt. Sie ist parteilos und wird von der FDP-Fraktion unterstützt.

info@irene-mougoui.de
www.irene-mougoui.de

 

Hans-Peter Gölzenleuchter. Seit vielen Jahren bin ich schon in einigen Bürgerinitiativen aktiv. Wirklich bewegen kann man meiner Erfahrung nach nur etwas in der Kommunalpolitik. Die Entwicklung des Südzuckergeländes und die damals anstehende Sanierung der Riedhalle z.B. zeigten, dass dies auch erforderlich ist.

Ich bin im Jahr 2011 bei der SPD auf einem aussichtslosen Listenplatz gestartet und wurde mit den Direktstimmen der Bürger ins Parlament gewählt. Bezüglich der anstehenden Bürgermeisterwahl wurde ich von sehr vielen Bürgern aufgefordert, zu kandidieren. Diesem Wunsch komme ich gerne nach, da die Einflussmöglichkeiten als Bürgermeister wesentlich größer sind.

Groß-Gerau lebt von der Hand in den Mund. Der Finanzbedarf ist immer höher als alle Einnahmen der Stadt. In den letzten 20 Jahren wurden wichtige Sanierungen aufgeschoben, und man verkaufte Häuser und Grundstücke der Stadt, um den Haushalt auszugleichen. Man kann diesen Ausverkauf von Anlagevermögen nicht endlos fortsetzen. Irgendwann gibt es keine Grundstücke oder Häuser mehr, die man verkaufen kann. Andererseits sind alleine die Folgekosten des Sanierungsstaus so enorm, dass die Stadt irgendwann nicht mehr aus eigener Kraft handlungsfähig ist, sie ist dann pleite.

Die wichtigste Aufgabe ist, diese Talfahrt zu stoppen. Betriebe, die hier ihren Hauptsitz haben und Arbeitsplätze anbieten, von denen man leben kann, müssen unterstützt werden. Vergleichbare Firmen müssen wir für unseren Standort gewinnen. Dadurch sichern wir planbare Steuereinnahmen.

Alle anderen wichtigen Themen zum Wohl der Bürger habe ich ebenfalls sehr gut im Blick. Aber ohne solide Finanzen wird es immer auf ein Flickwerk hinauslaufen, bei dem man den Mangel verwaltet. Das werde ich ändern.

Zur Person: Hans-Peter Gölzenleuchter wurde 1966 in Groß-Gerau geboren, Maschinenbaumeister, ehemaliger Militärpolizist, lebt mit seiner Familie in Dornheim und arbeitet als technischer Verkäufer. Er ist Fraktionsvorsitzender der LINKEN, tritt aber als unabhängiger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl an;

pgoelzenleuchter@aol.com
www.hanspetergoelzenleuchter.eu

 

Ute Wiegand-Fleischhacker (SPD). Mit Menschen zu arbeiten, sich für sie einzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten bereitet mir sehr viel Freude. Aus dieser Motivation heraus habe ich mich entschlossen, für das Amt der Bürgermeisterin zu kandidieren. Für mich bedeutet Bürgermeisterin zu sein, sich für alle Bürger einzusetzen, ihnen zuzuhören und deren Anliegen ernst zu nehmen.

Groß-Gerau soll noch attraktiver für (junge) Familien und Senioren werden. Die Demografie stellt uns vor große Herausforderungen: Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Kommunen um Arbeitsplätze, Gewerbe und junge Familien. Dies bedeutet, dass wir unsere Stadt im Dialog mit den Bürgern auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten müssen. Als Finanzwirtin ist mir bewusst, dass gesunde und solide Finanzen unverzichtbar und eine zentrale Voraussetzung für eine verantwortliche Kommunalpolitik sind. Investitionen und Veränderungen müssen mit Vernunft und Augenmaß erfolgen und im Einklang mit den finanziellen Möglichkeiten stehen.

Wir benötigen dringend bezahlbaren Wohnraum, es müssen Wohnungen gebaut werden und deswegen stehe ich für ein Bauprogramm. Wir brauchen auch moderne Wohnformen im Alter (z.B. Mehrgenerationenhäuser) und auch eine aufsuchende Betreuung. Darüber setze ich mich für eine barrierefreie Stadt ein, um allen Bürgern die Teilhabe an allen Angeboten zu ermöglichen.

Die Kinderbetreuungssituation muss deutlich verbessert werden. Dies gilt für die Betreuung der unter und über Dreijährigen und für den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule. Das Jugendzentrum und die -clubs müssen saniert, die Angebote für die Jugendlichen deutlich ausgebaut werden. Zusätzlich gilt es, die Vereine zu unterstützen, da diese mit ihren Ehrenamtlichen einen unerlässlichen Beitrag zu unserem Gemeinwesen leisten.

Der Neubau des Hauses Raiß muss dringend erfolgen, während des Neubaus müssen die Angebote an einem anderen Ort fortgeführt werden. Die Verkehrssituation muss in den Blick genommen werden. Zum Thema Sicherheit ist ein Präventionsrat zu bilden und ein Sicherheitskonzept zu erstellen. Sauberkeit, Umwelt- und Naturschutz, die Pflege der Grünanlagen und die Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes 2030 sind ebenfalls zentrale Themen.

Es ist nur ein kleiner Ausschnitt der anstehenden Aufgaben, welche für mich als Bürgermeisterin von Bedeutung sein werden. Ich sage: „Groß-Gerau kann mehr!“

Zur Person: Ute Wiegand-Fleischhacker wurde 1961 in Erdmannrode geboren, hat drei Kinder und wohnt und arbeitet als Finanzwirtin in der Kreisstadt;

info@wiegand-fleischhacker.de
www.ute-wiegand-fleischhacker.de

 

Erhard Walther (CDU). Unsere starke Kreisstadt Groß-Gerau will ich als attraktiven Standort für Industrie, Gewerbe und Handel positionieren und als lebenswerten Wohnort für alle Bewohner jeden Alters weiterentwickeln. Da ich in Groß-Gerau aufgewachsen bin, mit meiner Familie hier lebe und als Rechtsanwalt hier arbeite, kenne ich die Bedürfnisse und Probleme der Kreisstadt aus vielen Perspektiven. Diese breite Sicht und mein politisches Interesse, mich aktiv in die Entwicklung Groß-Geraus einzubringen, tragen meine Entscheidung, mich als Bürgermeister zu bewerben.

Mein Wirken soll transparent, überzeugend und bürgernah sein. Um diesem Kerngedanken Geltung zu verschaffen, stehen für mich die Bereitschaft zuzuhören und der Respekt vor anderen Meinungen im Vordergrund einer Entscheidungsfindung.

Meine Person zeichnet juristische Qualifikation, Vertrautheit mit Verwaltung, Überzeugungskraft, Team- und Kompromissfähigkeit sowie Durchsetzungswille aus. Selbstverständlich sind für mich der Respekt vor den Mitarbeitern der Verwaltung und das Vertrauen in deren Arbeit. Ich bin überzeugt, so ein erfolgreiches Wirken als Verwaltungschef und als Bürgermeister für die Kreisstadt Groß-Gerau zu gewährleisten. Primär setze ich mich ein für: geordnete Finanzen, den Neubau des Seniorenhauses Raiß, die angemessene Renovierung von Dorfgemeinschaftshaus Berkach und Mehrzweckhalle Wallerstädten, die zeitnahe Neuerrichtung des Bau- und Betriebshofs, ein Konzept für Jugendarbeit mit der Frage der Gestaltung des Jugendzentrums Anne Frank, Bereitstellung von ausreichend Kinderbetreuungsplätzen U3, Ü3 und Unterstützung der Schulkindbetreuung, die zukunftsorientierte Sicherung von Bürobedarf der Verwaltung, für die Ausweisung von Flächen für bezahlbarem Wohnraum, Erstellung eines Immobilienkonzepts für die städtischen Immobilien, die Fortführung der Unterstützung der Vereine, die Vorlage des „Stadtentwicklungskonzepts 2030“, die Ortsdurchfahrt Wallerstädten mit den Bürgern entwickeln.

Zur Person: Erhard Walther wurde 1957 in Darmstadt geboren, ist verheiratet, hat einen Sohn, arbeitet als Rechtsanwalt in der Kreisstadt und ist Vorsitzender der CDU Groß-Gerau;

erhard-walther@web.de
www.erhard-walther.de

 

Monika Freitagsmüller (FREIE WÄHLER – Bürgerliste). Ich lebe seit 2001 mit meinem Mann und unseren drei Kindern in Groß-Gerau. Es war für mich immer wichtig, mich gesellschaftlich in Vereinen zu engagieren. Politik hat mich schon immer interessiert und so entschied ich mich 2015 für die FREIE WÄHLER – Bürgerliste zu kandidieren und bin nun seit 2016 Fraktionsvorsitzende in der Stadtverordnetenversammlung.

Ich lebe gerne in unserer Heimatstadt Groß-Gerau und möchte diese für jetzige und nächste Generationen gestalten. Ich habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein hohes Maß an Menschenkenntnis und Verhandlungsgeschick gerade in der Bürgernähe, aber auch in Gesprächen mit Vereinen, Unternehmen und Behörden erworben. In meiner Berufserfahrung besonders beim Landeswohlfahrtsverband Hessen bin ich gewohnt, kreative Lösungen mit begrenztem Budget zu entwickeln, was mir auch in angespannten Finanzsituationen der Stadt bei der Haushaltskonsolidierung und Wirtschaftsförderung helfen wird. Groß-Gerau ist zukunftsfähig. Vor Augen habe ich eine saubere Stadt, die jungen und auch älteren Mitbürgern ein Zuhause bietet, in dem es sich lohnt zu leben. Zum Beispiel mit einem Stadtbuskonzept, bezahlbarem Wohnraum und zur Sicherheit der Bürger durch Erweiterung der Stadtpolizei. Die außerschulische Betreuung für unsere Kinder ist sicherzustellen. Beim Neubau des Seniorenhauses Raiss werde ich dafür eintreten, über die Mindestanforderungen hinauszugehen, u.a. mit moderner Technik für Menschen mit Hörgeräten oder durch geräumige Toiletten. Die verkehrlichen Entlastungen der Stadtteile Dornheim, Wallerstädten und Berkach müssen angegangen und zeitnah umgesetzt werden.

Soziale Gerechtigkeit aller Generationen und Vereine sind für mich wichtig. Ich will in Groß-Gerau neue Impulse setzen, Bürger beteiligen, parteiunabhängige Offenheit pflegen. Mein Programm, wird in alle Briefkästen verteilt. Ich werde mich mit Tatkraft, Weitblick und Augenmaß für die Bürger in Groß-Gerau einsetzen und hoffe auf Ihr Vertrauen und Ihre Stimme am 21. Januar.

Zur Person: Monika Freitagsmüller wurde 1969 in Verl geboren, ist Diplom-Chemie-Ingenieurin und wohnt mit ihrer Familie in der Kreisstadt. Sie arbeitet als Ingenieurin mit Beratungsfunktion für den Landeswohlfahrtsverband Hessen und ist seit 2016 Fraktionsvorsitzende von FREIE WÄHLER – Bürgerliste in der Stadtverordnetenversammlung;

monika.freitagsmueller@buergermeisterkandidatin-gg.de
www.monika-freitagsmueller.de

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