Ansichtssache

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Celine Georg
ist Schülern aus Dornheim und Jugendpreisträgerin der Buchmesse im Ried

Von Celine Georg

Der Jugendpreis der Riedbuchmesse wurde in diesem Jahr gleich zwei Mal vergeben, an die 18jährige Rania Daoudi aus Rüsselsheim für ihren Text „#Sommernächte#“ du an die 15jährige Celine Georg aus Dornheim für „Ansichtssache“. Mit freundlicher Genehmigung durch die Autorin bieten wir hier einen Auszug aus dem Siegertext von Celine Georg.

Du spürst schon, dass irgendetwas nicht mit dir stimmt, dass irgendetwas anders ist. Doch ohne groß weiter darüber nachzudenken, schiebst du es auf eine Magenverstimmung. Wenn du bloß schon wüsstest, was tatsächlich der Grund für dein Unwohl sein ist… Ich kichere in mich hinein.
„Jana?“, fragte Hanna besorgt. „Geht es dir nicht gut? Du siehst ganz blass aus!“, bemerkte sie anschließend und musterte Jana besorgt. Doch diese winkte ab. „Ich glaube, ich habe mir den Magen verdorben“, antwortete sie kurz darauf seufzend. „Hm… willst du nicht mal zum Arzt? Das geht doch jetzt schon eine ganze Weile so und dann lass dich lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig durchchecken“. „Du hörst dich ja schon an, wie meine Mutter“, erwiderte Jana genervt und verdrehte dabei die Augen. Die beiden saßen im Eiscafé Passione in Goddelau und beobachteten die vorübergehenden Leute. Hier kamen sie oft her und fanden es dabei besonders amüsant, die Leute des nahegelegenen Friseur Salons zu betrachten.
Zu beobachten, wie die 12- bis 14 Jährigen Mädchen mit ihren gewöhnlichen Haaren eintreten und ein paar Stunden später mit knallblauer Färbung wieder herauskommen, ganz nach „Bibisbeautypalace“. Oder auch mit grauen Haaren, denn heutzutage kann es mit dem erwachsen werden ja nicht schnell genug gehen. Während Mama also mitkommt, um ihre altersbedingt grauen Haare aus Scham überfärben zu lassen, kommt Töchterchen mit, um ihre Haare für teures Geld genau in diesem grau zu färben. Hätte sie nicht eher einen Grund, sich zu schämen?
Alle wollen aussehen wie Erwachsene und auch so behandelt werden. Doch kaum geht es um Bestrafungen, Hausarbeiten oder sonstige Pflichten, sind sie auf einmal wieder kleine Kinder, die natürlich noch viel zu jung zum Helfen oder Arbeiten sind. Einige nehmen sich sogar tatsächlich das Recht heraus, sich noch dazu wie ein Erwachsener aufzuspielen und das mit gerade mal 12 Jahren, aber einer so großen und besserwisserischen Klappe, dass man es kaum glauben kann. Respekt? Fehlanzeige! „Vor Älteren muss man Respekt haben“, zählt nun mal nicht, wenn man sich gefühlt auf demselben oder schon gar einem höheren Niveau befindet.
„Ich muss dir unbedingt was erzählen!“, drängte Hanna. „Weißt du, mein großer Bruder hat letztens nach einer Party ein Mädel mit nachhause gebracht und stell dir vor, dieses Mädchen verbrachte den ganzen Abend auf unserem Klo, weil sie so stockbesoffen war, dass sie sich laufend übergeben musste. Mein Bruder war deshalb natürlich ziemlich angepisst, da er sich einen schönen Abend mit ihr erhofft hatte.“ Jana schüttelte ungläubig den Kopf. „Weil dieser Zustand kein Ende zu nehmen schien, wusste er sich nicht anders zu helfen, als den Krankenwagen zu rufen, weil diese kleine Göre sich durchgängig weigerte, ihm die Nummer ihrer Eltern oder sonstiger Angehöriger zu geben. Und du glaubst nicht, was sich am Ende herausgestellt hat.“ Jana legte den Kopf schief und schaute Hanna fragend an. „Das Weib war gerade mal 14 Jahre alt! Und wagt es tatsächlich, sich an meinen 18 Jährigen Bruder ranzumachen, um sich dann noch völlig respektlos und peinlich zu benehmen.“, „Krass…“, sagte Jana völlig baff. „Beide Eltern haben sich hinterher nochmal ausdrücklich für ihre Tochter entschuldigt. Die wussten nicht einmal, was ihr eigenes Kind da treibt, weil die Kleine behauptet hatte, sie übernachte bei einer Freundin.“ Jana lachte laut los. „Ernsthaft? Hanna, das ist ja eine richtige Bravo-Magazin-Geschichte! Der arme Leon, der war bestimmt voll abgefuckt“, entgegnete Jana amüsiert. „Aber hallo! Wie dreist kann man den bitte sein?! Die freche Göre hatte vor ihm ja behauptet, sie sei gerade frisch 17 Jahre alt geworden. Auch wenn ich es ungerne zugebe, gut ausgesehen hat sie wirklich.“ Sie machte kurz eine Pause. „Tja, zumindest ist es Leon eine Lehre gewesen!“, rief Hanna nun auch lachend. „Nächstes Mal kann er ja den Ausweis einfordern“, scherzte Jana daraufhin. „Ha. Ha. Naja, unsere Generation hat ja sowieso einen Knall“, bemerkte Hanna, nun wieder etwas ernster gestimmt. „Alleine wie die alle ‘rumlaufen. Hauptsache den Tanga im Baby-Popo, die knallenge Leggings darüber und die klumpigen weißen Schuhe dazu kombiniert. Dunkelroter Lippenstift, Eyeliner und die vom Glätten ganz strapazierten Haare dürfen da natürlich auch nicht fehlen! Die sehen doch alle gleich aus“, sie lachte. Aber es war kein fröhliches-, eher ein verachtendes Lachen. „Du hast schon Recht, aber wir, mit unseren 16 Jahren, sollten den Mund auch nicht zu weit aufreißen! Oder welchen Lippenstift trägst du gerade?“ Jana grinste und deutete auf Hannas dunkelrot angestrichene Lippen. „Das ist doch etwas ganz anderes…“, knurrte diese daraufhin beleidigt. „Ich bin schon 16, ich darf das. Außerdem hätten meine Eltern mich früher bestimmt nicht so herumlaufen lassen! Eine Schande einfach. Man kann ja gar nicht mehr unterscheiden, ob die 11 oder 17 Jahre alt sind und mein Bruder ist auch ganz sicher nicht der Einzige, dem so etwas Unangenehmes passiert ist“, platzte es dann lautstark aus ihr heraus. Die anderen Leute im Café schauten schon amüsiert zu den beiden herüber, was Jana schnell zu bemerken schien. „Komm, lass uns jetzt lieber gehen“, beendete sie deshalb hastig das Gespräch, bevor Hanna noch komplett durchdrehte. „Und wer ist schuld daran?“, meldete sich plötzlich ein älterer Mann zu Wort. „Was?“ Hanna drehte sich um und auch Jana schaute den Mann verwirrt an. „Na, wer ist schuld an der Entwicklung so einer Jugend?“ Er kratzte sich am Bart und schien bereits viel erlebt zu haben. Allein die Falten in seinem Gesicht erzählten schon hundert Geschichten. Komischerweise trug er einen Anzug, was in einem Dorf, inmitten lauter locker und freizügig gekleideter Leute im Eiscafé, doch etwas komisch erschien. „Ähm… also…“, begann Jana, brachte aber letztendlich doch keine Antwort zustande. „Gute Frage…“, gab sie sich schließlich nachdenklich zu schlagen. „Wissen Sie, es liegt alleine an der Gesellschaft“, sagte er dann mit ruhiger Stimme und schaute Hanna dabei intensiv in die Augen. „Wollen Sie damit etwa sagen, dass es an uns liegt?“, erwiderte Hanna etwas empört und sichtlich irritiert.
„Wollte er denn tatsächlich alle Schuld der Gesellschaft zuschieben? Hatte er Recht oder wollte er einfach nur irgendeinen Schuldigen finden? Denn man brauchte doch immer einen Sündenbock für alles. Und warum? Nur, damit man sich selbst besser fühlte und jemanden hatte, an dem man alle Wut, Trauer aber auch Anspannung auslassen konnte. Denn dann fühlte man sich besser.
Wie es dem Sündenbock dabei erging, spielte keine Rolle“ Janas Gedankenkarussel drehte sich schneller und schneller und sie war entsetzt über diesen gar völlig selbstverständlichen Egoismus der Leute. „Ganz genau, junge Dame, denn wir sind die Gesellschaft“. „Doch manchmal musste man sich einfach eingestehen, dass man selbst der Schuldige war und ja, man konnte… nein, man sollte sich sogar schlecht fühlen. Das Gefühl von Schuld ganz bewusst empfinden und lernen, damit umzugehen, denn nur dann konnte wieder Gerechtigkeit einkehren“, erkannte sie bei sich und warf dem Mann ein ehrliches Lächeln zu.

Dir geht es nicht gut, deshalb geht es mir auch nicht gut. Aber das weißt du nicht.
Also noch nicht. Hoffentlich hörst du auf Hanna und gehst zum Doktor. Der wird dir nämlich bestimmt sagen, was los ist und wer ich bin. Wie wirst du wohl reagieren? Hoffentlich wirst du dich genauso freuen, wie ich es tue.

„Scheiße!“, rief Jana heiser über der Kloschüssel hängend. Doch sie hatte nicht mal die Chance weiter zu fluchen, da musste sie sich erneut übergeben. Erschöpft wischte sie sich mit der Handfläche die klebrige Masse um ihren Mund herum fort. Und obwohl Jana es zu unterdrücken versuchte, spielte sie jetzt doch mit dem Gedanken, zum Arzt zu gehen. „Was soll es schon Schlimmes sein?“, dachte sie und erhoffte sich, dass auch Hanna dann endlich Ruhe geben würde.
Im Wartezimmer des Groß-Gerauer Krankenhauses war es ziemlich voll. Naja… Jana konnte sich nicht erinnern, dass es jemals nicht voll gewesen war in der Notaufnahme.  
Es war interessant, was man durch Beobachten und genaues Zuhören alles über das Leben anderer Leute erfahren konnte. Da war zum Beispiel diese hysterische Mutter mit ihrem Sohn neben Jana, die sich unaufhörlich über alles Mögliche aufregte; die langen Wartezeiten, die Politik, das Wetter, die Luft hier drinnen und sogar über ihren Mann fluchte sie völlig hemmungslos. Der ca. 13 Jahre alte Sohn, schämte sich in Grund und Boden für seine rücksichtslose Mutter. Als ob ihm seine Platzwunde am Kopf nicht schon genug Kopfschmerzen bereitet hätte…
Gegenüber saß ein junger Mann mit Akne und einer dicken Hornbrille. Er schien sich ständig in einer Art Trance Zustand zu befinden und kurzzeitig das Bewusstsein zu verlieren. Die Luft im Raum war stickig und aus allen Richtungen wehte einem der Geruch von Desinfektionsmitteln entgegen. Noch immer beschäftigte Jana die Begegnung mit dem Mann im Eiscafé und dessen Worte. Sie dachte häufig darüber nach. Sowieso war sie ein Mensch, der viel nachdachte. Manchmal hasste sie sich dafür.
Schräg gegenüber von ihr saß eine alte Dame, die unaufhörlich ihre Nase hochzog, anstatt ein Taschentuch zu benutzen, und las in der Bild Zeitung. „Marianne Bachmeier – war die damalige Verhaftung gerechtfertigt?“, stand auf dem Titel und sofort spielte sich in Janas Kopf eine Diskussion mit ihrem inneren-Ich ab.

Marianne Bachmeier erschoss 1981 den Vergewaltiger und Mörder ihrer kleinen Tochter, im Gerichtssaal. War es gerechtfertigt, sie deshalb zu verurteilen? Eigentlich doch ja, weil sie im Grunde nicht besser als der Mörder selbst war, da sie genauso schuldig an dessen Mord, wie dieser am Mord ihrer Tochter gewesen war. Andererseits kann man sie aber auch verstehen. Wie unerträglich schmerzhaft es bloß sein musste, sein eigenes Kind auf diese Art zu verlieren. Wahrscheinlich wollte sie nur Gerechtigkeit für sich und ihre Tochter, weshalb die damalige Verurteilung also nicht gerechtfertigt war. Das Gericht konnte jedoch keinen Mörder für unschuldig erklären oder? Dabei war sie bestimmt vor lauter hochkochender Emotionen nicht mehr Herr ihrer Sinne gewesen. Ein anderer Richter hätte sie vielleicht nicht verurteilt… oder doch? Die Frage der Schuld ist doch immer Ansichtssache, nicht wahr? Ohne die genauen Hintergründe der beiden Täter zu kennen, dürfen unbeteiligte Leute wie ich überhaupt nicht über diese Personen urteilen…oder?

Da wurde Jana durch ein Kinderbrüllen ruckartig aus ihrem Gedankenfluss gerissen. Sie merkte, wie ihr vor lauter Anstrengung und Konzentration der Schweiß die Schläfen hinab rann. Eine Krankenschwester trat ins Zimmer und rief einen gewissen „Joshua Markritz“ auf. Dieser schien jedoch nicht sehr begeistert davon zu sein und wehrte sich kreischend gegen seine hilflose Mutter. Letztendlich schafften sie es dann doch, den Kleinen mit der Krankenschwester mit zu zerren. Unwillkürlich fragte sich Jana, wie viele Stunden wohl schon vergangen waren und ließ den Blick durch das Wartezimmer schweifen. Es sah noch genauso voll aus, wie am Anfang und die Leute hier blickten auch noch genauso grimmig umher. Überall schnieften und jammerten Kinder. „Hier hole ich mir erst Recht eine Infektion“, dachte Jana genervt, zog ein kleines Flässchen aus ihrer Handtasche und desinfizierte sich schnell die Hände. Da merkte sie, wie sie besorgt von der Seite gemustert wurde. „Stimmt etwas nicht?“, fragte sie bissig. „Was fehlt Ihnen denn, junge Frau?“, erwiderte der Mann links neben ihr, der so um die 30 Jahre alt sein musste, mit sanfter Stimme. „Ähm… mir geht es nicht so gut… akute Übelkeit…äh…Kopfschmerzen“, stammelte sie etwas perplex über so viel Freundlichkeit in diesem muffigen Wartezimmer. „Ohje, hoffentlich geht es Ihrem Kind gut. Wie weit sind Sie denn schon?“ Augenblicklich wich ihr alle Farbe aus dem Gesicht. „WIE BITTE?“ Der Mann zuckte zusammen und plötzlich war es, bis auf ein Kind, das schon seit ewiger Zeit ununterbrochen weinte, ganz still im Raum. Alle Blicke richteten sich auf die beiden. Doch das bemerkte Jana schon gar nicht mehr. Verzweifelt stammelte der Mann irgendetwas von „Habe ich etwas Falsches gesagt?“ und „Es tut mir Leid“
bis hin zu „Alles okay bei Ihnen?“, „Hallo?“ und schüttelte dabei durchgehend den Kopf. Getuschel erhob sich und einige der Wartenden meinten sich einmischen zu müssen und den Mann zu beleidigen, was er denn mit „der armen schwangeren Frau“ angestellt hatte. Völlig aufgelöst sprang Jana auf und rannte weinend aus dem Raum. „Um Gottes Willen, was ist denn mit der falsch gelaufen? Ist die psychisch labil oder was?“

Du weißt es jetzt, Mami. Aber du willst es nicht wahrhaben. Die nette Ärztin hat es dir fürwahr gesagt und dir sogar Bilder von mir gezeigt, ich weiß das. Warum freust du dich denn überhaupt nicht? Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich falsch? Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf dich freue und auf die ganze Welt da draußen. Auch, wenn ich am liebsten für immer hier in meinem wohlig warmen Zustand verweilen würde. Wirklich, ich kann es kaum abwarten, dich endlich kennenzulernen, dein Gesicht zu sehen und später vielleicht darauf aufmerksam gemacht zu werden, wie ähnlich ich dir doch sehe. Mit dir Fangen zu spielen oder rumzualbern oder von dir gesagt zu bekommen, dass alles gut wird, wenn ich mir wehgetan habe oder…oder Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen zu bekommen oder große Sandburgen zu bauen…
Mami, werde dir eine gute Tochter sein, das verspreche ich hoch und heilig. Ich werde alles dafür geben, dich stolz zu machen. Weißt du eigentlich, wie dankbar ich bin, mich deine Tochter nennen zu dürfen?

„Nein, du verstehst das nicht! Es ist nicht meine Schuld“, schrie Jana ihre beste Freundin an, nachdem sie von der Frauenärztin gekommen war. Die Frau hatte sich als Frau Doktor Herrmann vorgestellt, war sehr nett gewesen und hatte sachlich ihre Fragen gestellt. Dabei kam sich Jana ziemlich dumm vor, denn natürlich musste sie der Ärztin auch mitteilen, wann sie das letzte Mal Sex gehabt hatte. „Mhm… das war vor ca. fünf… äh … sechs Wochen ungefähr, ja.“, hatte sie nach einigem Bedenken geantwortet. „Aha, das müsste dann Montag, der 23.05. 2016 gewesen sein“, hatte Fr. Dr. Herrmann halb zu sich selbst geflüstert und das schnell in einem kleinen gelben Heftchen notiert. Diese Tatsache war allerdings nicht das Beschämende, sondern die, zuzugeben, dass es ihr erstes Mal gewesen war und somit sofort in die typische „Die unaufgeklärte Jugend von heute kennt doch das Wort „Verhütung“ schon gar nicht mehr“-Schublade gesteckt zu werden. Das ärgerte Jana besonders, denn sie hatten doch extra aufgepasst!  „Aha. Und wessen Schuld ist es dann deiner Meinung nach?“, erwiderte Hanna, nun auch gereizt. „Na…ach…ist doch auch egal!“ Ihre Stimme zitterte und sie wippte unruhig hin und her. Jetzt machte alles einen Sinn. Die Übelkeit, das komische Gefühl im Bauch und die Gewichtszunahme, von der sie dachte, sie läge an der Tatsache, dass sie vor einiger Zeit wegen Knieproblemen mit dem Leistungsturnen aufhören musste und deshalb momentan keinen Sport mehr betrieb. Auch die ständigen Fressattacken (die sie übrigens auch als Grund der schnellen Gewichtszunahme in Betracht gezogen hatte) und die extremen Stimmungsschwankungen, wurden ihr jetzt erst richtig bewusst. „Verdammte Scheiße“, brachte sie heiser hervor und vergrub das Gesicht in den Händen. „Was soll ich denn jetzt machen?“ Hanna rückte näher zu Jana und streichelte sanft ihren Rücken. „Als Erstes würde ich dir vorschlagen, dass du mit Jacob redest und zwar so schnell wie möglich.“, schlug sie vor. „Danach redest du am besten mit deinen Eltern und…“ „NEIN!“ Schlagartig setzte Jana sich wieder gerade auf. „Das kommt überhaupt nicht in Frage! Auf gar keinen Fall werde ich mit meinen Eltern reden!“, unterbrach sie Hanna entschlossen. „Aber Jana, irgendwann werden sie es doch sowieso…“ „Nein! Das ist meine Entscheidung und ich möchte das nicht, verstanden?“ „Ist ja okay, reg‘ dich ab. Ich werde es ihnen schon nicht erzählen. Aber denk‘ da bitte nochmal drüber nach“, drängte Hanna. „Wegen mir, brauchst du dir keine Sorgen machen, denn egal wie es kommt, ich werde auf jeden Fall zu dir stehen“, fügte sie lächelnd hinzu. Diese Worte taten Jana sichtlich gut, konnten die ganzen Probleme, die nun auf sie zukommen würden, aber leider auch nicht aufhalten. Vorsichtig wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht und wandte sich Hanna zu. „Danke, ich weiß das sehr zu schätzen, wirklich“, schluchzte sie, bemüht, einigermaßen ihre Fassung wieder zurückzubekommen. Hanna nickte und drückte sie fest. „Wir schaffen das schon“, flüsterte sie anschließend, atmete aber tief durch, weil sie wusste, dass ihnen eine harte Zeit bevor stand.

Das Herz klopfte ihr bis zum Hals, als sie vor Jacobs Haus hielt. Auch, wenn sie schon seit knapp einem Jahr ein Paar waren, fühlte sie sich gerade, als würde sie ihn erst seit kurzem kennen und nicht wissen, was sie sagen sollte. Zögerlich klopfte Jana an die Tür. Sie wollte gerade umkehren, der festen Überzeugung, er würde sowieso nicht mehr kommen und sie würde dem Druck der Situation nicht länger standhalten können, als sich die Tür langsam öffnete. Und da stand er, die Kippe zwischen Zeige- und Mittelfinger und mit ausdrucksloser Miene. „Jana…?“ Fragend hob er die Augenbrauen und blies den Rauch direkt in ihr Gesicht. „Kann ich kurz reinkommen, Schatz?“, fragte sie hustend. Jetzt wirkte er doch verwundert. „Äh…klar“ Jacob trat einen Schritt zur Seite, sodass sie genügend Platz zum Eintreten hatte. Jana konnte wirklich kein bisschen einschätzen, wie er reagieren würde. Aber sie hatte Angst. Angst vermischt mit Hoffnung. „Wie sagte einst ein Optimist? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und was erwiderte der Pessimist daraufhin? „Aber sie stirbt“…“, schoss es ihr durch den Kopf. Oben, in Jacobs Zimmer, lehnte sie sich an den Schreibtisch, der gegenüber von seinem Bett stand. „Also, was gibt’s?“  Jacob setzte sich aufs Bett und stützte die Ellenbogen auf seinen Oberschenkeln ab. Jana schluckte schwer und wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Nervös leckte sie sich über die Lippen. „Jana, Schatz?“ Jacob erhob sich besorgt und ging auf sie zu. Dabei drückte er die glühende Zigarette im Aschenbecher neben ihr aus. Tausende von verschiedensten Gedanken gingen Jana gleichzeitig durch den Kopf und sie konnte und konnte einfach keinen klaren Gedanken fassen. Jacob roch nach einer Mischung aus After Shave und Rauch. „Ich…“ Mehr brachte Jana nicht heraus, so sehr sie es auch versuchte. Sanft berührte Jacob sie am Arm. „Was ist los?“ Seine dunklen Augen schauten direkt in ihre. Sie blickte zu Boden. „Na, sag‘ schon“, flüsterte er an ihr Ohr, wanderte mit den Lippen langsam ihren Hals herab und fing an, seine Hände unter ihr Oberteil zu schieben. „Hör auf, Jacob. Deshalb bin ich nicht hier!“, sagte Jana gereizt und drückte ihn von sich weg. Er lachte verärgert und sie konnte kaum glauben, dass in jenem Lachen tatsächlich ein leicht verachtender Unterton mit schwang. „Was willst du denn dann?“, fragte Jacob genervt und Jana konnte deutlich hören, dass er nun auch wütend wurde. Sie schüttelte den Kopf und stieß laut die Luft aus. „Du… also wir…w-wir werden…ich bin schwanger“

Stille.  

Durch das Fenster konnte man sehen, dass es draußen bereits zu dämmern anfing. Janas Herz klopfte so heftig, dass sie das Gefühl hatte, es würde gleich ihre Brust sprengen. „Nein, Jana. Nein, das kann nicht sein!“ Mit einem Mal wich Jacob weit von ihr zurück. „NEIN!“ Er schüttelte fassungslos den Kopf und wendete Jana den Rücken zu. „Doch, Jacob… ich wollte es auch erst nicht wahrhaben, aber die Frauenärztin hat es bestätigt und außerdem habe… habe ich nur mit dir geschlafen“ Ihre Unterlippe zitterte und Tränen füllten die müden Augen. „Verdammte Scheiße! Das ist doch nicht dein ernst?!“ Jana ging ein paar Schritte auf ihn zu doch er wich erneut aus und winkte ab. „Aber Jacob, d-du liebst mich doch oder? Zusammen können wir…“
„Nein, nein! Halt deinen Mund, okay?“ Angespannt lief er sein Zimmer auf und ab. „Halt einfach deinen Mund…“, wiederholte er leise. Mittlerweile musste Jana richtig heftig weinen.
„Wie lange weißt du es schon?“, fragte er drohend und spannte aggressiv seine Kiefermuskeln an. „Nicht lange, wirklich…“ Ihr ganzer Körper bebte, doch darum kümmerte sich Jacob kein Stück. „Wie-wie weit bist du?“, er räusperte sich mehrfach und massierte sich mit Zeige- und Mittelfingern kräftig die Schläfen. „Zehnte Woche“, flüsterte sie und senkte den Kopf.
„Wir haben doch ein Kondom benutzt, man, wie konnte das passieren?“, schluchzte Jana kurz darauf völlig ratlos und verzweifelt. Quälende Stille folgte.
„D-Das war eine billig Scheiße aus irgendeinem Kirmes Automaten, ich…“ Er machte kurz eine Pause und rieb sich die Stirn. „…ich hatte nichts anderes da“, antwortete er dann kleinlaut und raufte sich die Haare. „Das ist jetzt nicht wahr oder? JACOB, SAG DAS DAS NICHT WAHR IST!“ Ihre Stimme versagte. Jana konnte es einfach nicht fassen. Es war seine Leichtsinnigkeit, die sie in diese Situation gebracht hatte. „I-Ich dachte, du nimmst die Pille, man!“, brüllte er, um sich zu verteidigen. „DIE DARF ICH NICHT NEHMEN UND DAS WEIßT DU AUCH!“, schrie Jana frustriert und zornig. Bei ihr bestand ein zu hohes Risiko auf Thrombose, weshalb sie die Pille nicht einnehmen durfte, jenes hatte sie Jacob jedoch von Anfang an mitgeteilt.

Ich werde langsam größer und größer. Kleine Fingerchen und Füßchen habe ich sogar schon. Ich werde braune Augen haben, genau wie Papi. Aber…aber warum schreit ihr denn plötzlich? Freut ihr euch denn gar nicht, dass ich da bin? Papa sagt böse Dinge. Dabei habe ich mich doch gerade auf Papas Reaktion so sehr gefreut. Sein kleines Mädchen zu sein, das er am liebsten ganz für sich alleine haben will, auf das er aufpasst. Dessen erster Freund erst unter seinen Augen bestehen muss und der stets darauf achtet, wie seine Tochter herumläuft, was für Noten sie schreibt und mit wem sie zu tun hat. Papa, der seine Tochter mit allen Mitteln vor der großen, gefährlichen Welt zu schützen versucht. Mami, warum schweigst du. Warum widersprichst du ihm denn nicht? Papa, der allen eine Lektion erteilen würde, die es wagten, seine kleine Prinzessin zu verletzen. Papa, der mich mit Tränen der Rührung zum Traualtar führt. Papa, der für mich da ist, wenn ich ihn brauche. Papa, der mich liebt. Das wünsche ich mir.

„Ich will dieses Scheiß-Kind nicht, okay?! Ist mir sowas von egal, was du machst, aber ich werde kein Vater! Nicht jetzt und schon gar nicht von deinem Kind!“ Die Verzweiflung stand ihm wahrhaftig im Gesicht geschrieben, auch wenn er sie zu verbergen versuchte. „Und Unterhalt oder so eine Kacke kannst du sowieso vergessen – nie im Leben, würde ich für diesen Unfall etwas bezahlen!“ Auch Jacobs Stimme zitterte und er verzehrte das Gesicht. „Was heißt hier mein Kind? Es ist genauso dein Kind!“ Er stellte sich direkt vor Jana und packte sie grob am Arm. „Lass mich los, du Arschloch!“, sagte sie und riss sich ruckartig von ihm los. „Wie hast du mich gerade genannt?“, zischte er und zog sie wieder zu sich heran. „Ich will das Kind doch genauso wenig, wie du!“, schrie Jana und in diesem Moment brach sie mit schmerzendem Bauch vor ihm zusammen. Alles um sie herum drehte sich. Hilflos schluchzend lag sie auf dem Boden und hätte am liebsten geschrien vor lauter Kummer. „Du bist genauso schuld daran, wie ich…“, wimmerte sie, doch das hörte er schon nicht mehr. Vermutlich war er damit beschäftigt, seine Fassung zu bewahren, um nicht zu zuschlagen. Mit der Handfläche wischte er sich immer wieder übers Gesicht und sagte dabei ununterbrochen „Ich will dieses Kind nicht“ zu sich selbst. Jana kniff die Augen zusammen, um den Tränenfluss endlich zu stoppen. Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich so elend gefühlt, wie in diesem Moment. „Vergiss es, diese Tour zieht bei mir nicht! Steh auf!“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Die Zornesfalten tanzten wild auf seiner Stirn. Jana rührte sich nicht, lag nur zusammengekauert da. „Zwing mich nicht, dir weh zu tun. Ich mein’s ernst, hau endlich ab!“ Er schnaufte vor Wut und als Jana noch immer nicht verschwinden wollte, packte er sie erneut am Arm und zerrte sie hinter sich her bis zur Tür. „Jacob, bitte…“ Mit einem „Verpiss dich!“ stieß er sie nach draußen und knallte die Tür hinter sich zu. Es war schon dunkel geworden und die Straßen waren wie leer gefegt. Jana hörte ihn noch „Fuck!“ rufen und gegen die Tür treten. Dann war alles still. Auch in ihrem Kopf. Sie wollte nicht mehr denken, konnte nicht mehr. Die Laternen erhellten die Wege in orangenem Licht und der Polarstern stand groß und strahlend am Himmel.

Totenstille.

Warum sagst du so etwas? Warum machst du das? Ich hab‘ dich doch lieb! Ich verstehe das alles nicht. Hast du mich etwa nicht lieb? Gib mir doch eine Chance und ich beweise dir, dass es sich gelohnt hat. Ich weiß, was du denkst, aber bitte glaub‘ mir. Ich habe an nichts von dem Schuld, was passiert ist, dass ich „passiert“ bin. Also habe ich doch auch ein Recht darauf zu leben, dich kennenzulernen. Ist doch so, oder? Lass mich nicht im Stich, bitte. Ich habe dich doch so lieb, Mami.

Jana saß auf der Parkbank in Dornheim. Ein paar Tage waren vergangen, ohne dass sie auch nur ein einziges Wort mit jemandem gesprochen hatte. Ihre Eltern schoben dieses Verhalten auf eine „schwierige pubertäre Phase“ und fragten deshalb auch nicht weiter nach. Jana trug mittlerweile nur noch weit geschnittene Oberteile und zu große Hosen, damit auch bloß niemand Verdacht schöpfen konnte. Das mit Jacob hatte ihr den Rest gegeben. Nachdenklich schaute sie in den leicht bewölkten Himmel. Es war ziemlich schwül und sie schwitzte unter ihren langen Klamotten. Das gute Wetter lockte viele Familien mit ihren Kindern aus den Häusern. Neben dem Park befand sich ein Spielplatz, auf dem laut herumgetollt und -geschrien wurde. Zwischen Park und Spielplatz befand sich der Stinkebach, der gar nicht so sehr stank, wie immer behauptet wurde. Nach einer Weile setzte sich ein Mann neben Jana auf die Bank. Sie machte sich jedoch nicht einmal die Mühe, ihn anzuschauen, sondern rückte nur ein Stück zur Seite. Da sie lieber ihre Ruhe haben wollte, stand sie kurz darauf aber auf und lief den erdigen Weg in Richtung Stinkebach entlang. „Moment mal, Sie kenne ich doch!“, ertönte es plötzlich hinter ihr. Verdutzt drehte sie sich um. „Sie sind doch die junge Dame aus dem Krankenhaus, so ein Zufall!“, sagte er und lief hastig auf Jana zu. „Ich wollte Sie sowieso die nächsten Tage noch anrufen, weil Sie vor lauter Eile ihre Tasche vergessen hatten und ich sie Ihnen gerne vorbei bringen wollte“, erzählte er und lächelte dabei etwas nervös. „Vor lauter Eile“, wie nett er diesen, für die anderen Leute im Wartezimmer vermutlich sehr seltsamen und unverständlichen, Nervenzusammenbruch ihrerseits im Krankenhaus umschrieb, dachte sie sich überrascht. „Oh…ähm… Dankeschön.“
„Ach, wo sind denn meine Manieren? Ich heiße übrigens Simon“, meinte er dann schnell und streckte Jana seine Hand entgegen. „Klar…äh… ich bin Jana, aber das wissen Sie ja wahrscheinlich schon.“ Er kratzte sich verlegen am Kopf und sagte leise: „Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse, aber ich habe in der Tasche nach einem Personalausweis oder etwas ähnlichem gesucht, um den Besitzer ausfindig zu machen und um demjenigen, also in dem Fall Ihnen, die Tasche wieder zurückgeben zu können, verstehen Sie? Ich wollte damit keinesfalls in Ihre Privatsphäre eindringen.“ Jana fand es irgendwie süß, dass er sie Siezte, obwohl er bestimmt schon um die 20 Jahre älter war, als sie selbst. „Übrigens können Sie mich auch gerne Dutzen, noch bin ich nicht erwachsen“, sagte Jana, begleitet von einem kleinen Schmunzeln.
„Das können…äh…kannst du bei mir natürlich auch gerne“, antwortete er mit einem breiten Grinsen und strich sich durch die zerzausten braunen Haare. „Na dann, Simon“, sagte sie lächelnd und reichte ihm nun auch die Hand. Im Anschluss daran liefen sie den Stinkebach entlang und unterhielten sich noch eine ganze Weile miteinander. Simon erzählte, dass er und sein Lebenspartner (ja, er war schwul und stand auch offen dazu, was Jana ihn sofort noch viel sympathischer erscheinen ließ und ihr gleichzeitig auch einige Sorgen nahm) gerade ein Haus in Leeheim gekauft hatten und momentan dabei waren, dieses zu renovieren. Auch, dass sie ja gerne mal auf einen Kaffee vorbei kommen könnte, bot er Jana an. „Wie lange arbeitest du denn schon als Personal Trainer?“, fragte sie und schätzte anhand seines Körperbaus schon vorher heimlich ab, wie lange er tatsächlich seinem Beruf schon nachging. „Mhm… lass mich mal kurz rechnen… 11 Jahre bestimmt schon, ja“, antwortete er und fügte grinsend hinzu: „Wieso? Sieht man das?“ Jana lachte und boxte ihn leicht gegen den Arm. Sein Freund hatte zumindest mächtig was zu gucken, dachte sie bei sich. Es stellte sich zudem heraus, dass Simon 32 Jahre alt war, also hatte Jana mit 30 gut geschätzt damals im Wartezimmer. „So leid es mir tut, ich muss jetzt leider los, mein Freund beschwert sich schon, weil das Essen kalt wird und er ohne mich nicht anfangen will“, lachte Simon und schloss klickend sein Auto auf. Er fuhr einen silberglänzenden Mercedes. „Schickes Ding“, wisperte Jana beeindruckt. So teure Autos sah man selten auf dem Land. „Soll ich dich noch schnell heimfahren?“ Jana winkte dankend ab. „Ich genieße noch ein bisschen die frische Luft und außerdem solltest du jetzt wirklich los, ich möchte nämlich nicht der Trennungsgrund von euch beiden sein“ Simon lachte laut auf. Mit der Abendluft, war die schier unerträgliche Schwüle endlich verschwunden. „Wie du meinst“, seufzte er anschließend und stieg ein. Gerade wollte Jana sich umdrehen, da kurbelte er nochmal das Fenster herunter. „Achso, das Angebot mit dem Kaffee steht übrigens noch und obendrein könntest du deine Tasche gleich mitnehmen“, zwinkerte er ihr zu und fuhr dann los. Jana schmunzelte. Dann schlenderte sie langsam die vom fahlen Mondlicht erhellten Straßen entlang und versuchte dabei ihre Gedanken zu ordnen.

Mir geht es nicht gut.
Warum tust du mir das an?

Jana war schwindelig und alles drehte sich um sie herum. Die Musik dröhnte in ihren Ohren und der Bass brachte ihren Körper zum Beben. Überall blinkten bunte Lichterketten und Menschen drängelten sich eng aneinander vorbei. Die meisten hielten dabei noch ihre roten Plastikbecher in den Händen, was bei dem ganzen Gedränge und Herumgeschubse natürlich eine riesen Sauerei und in manchen Fällen auch schrillen Zicken-Terror gab. „Du hast nicht wirklich gerade mein Calvin Klein Shirt mit deiner ekligen Brühe vollgeschüttet oder?!“, baute sich ein ziemlich großes blondes Mädchen, vor einer gegen sie ziemlich klein wirkenden Brünette auf. „Alter, was geht denn bei dir falsch? Chill doch mal, das war nicht meine Schuld, ich wurde auch geschubst! Das ist nur Erdbeer-Bowle, das kriegste locker wieder raus“, brüllte die kleinere von beiden genervt und verdrehte die Augen. Das blonde Mädchen zog die Augenbrauen hoch und blickte angewidert auf die Braunhaarige herab. „Du hast ja keine Ahnung, mit deiner Secondhand- Scheiße. Wenn der Fleck nicht mehr raus geht, kannst du das bezahlen!“, schrie sie gegen die Musik an und zeigte dabei zornig auf die nasse Stelle. „Wie bitte?“, zischte die andere fassungslos. „Naja, ich will ja mal nicht so sein. Kannst es meinetwegen auch in Raten abbezahlen, wenn du so viel Geld auf einmal nicht auftreiben kannst“, lachte sie und musterte die Brünette erneut spöttisch von oben herab. Mittlerweile hatte sich schon eine kleine Gruppe um die beiden herum gebildet. Sie tuschelten und lachten und manche riefen sogar: „Prügelei, Prügelei!“ oder „Gib’s ihr, Chanti! Manche brauchen erst eine Schelle, damit sie’s checken!“ „Chantal, besser konnte die Blondine das Klischee um ihren Namen wohl auch nicht erfüllen“, dachte sich Jana schmunzelnd und nippte an ihrem Cocktail. Ein paar Meter weiter, tanzten einige völlig losgelöst, andere standen nur an der Seite und wippten leicht im Takt mit. „Spiel dich mal nicht so auf, du kleine Bitch, das wird mir jetzt echt zu blöd. Hoffentlich geht der Fleck nicht mehr raus“, sagte das braunhaarige Mädchen unbeeindruckt, schob die fassungslose Blondine zur Seite und verschwand in der Menge. Besonders witzig war dabei, dass ausgerechnet sie, das deutlich größere Mädchen, als „klein“ bezeichnete. Das nannte sich mal Selbstbewusstsein. Dem Gesichtsausdruck des blonden Mädchens nach zu urteilen, war sie so viel Widerstand und Respektlosigkeit nicht gewohnt. Kurz blieb sie noch stehen, dann stieß sie mit einem gequietschtem „Paah…“ die Schaulustigen zur Seite und lief heraus in den Garten. „Pff… ich hab’s dir doch gesagt. Du hättest die klatschen sollen!“, hörte man noch ihre aufgebrachte Freundin seufzen, als ob Gewalt die einzige Lösung in einem Konflikt wäre… Jana lachte und lehnte sich wieder auf dem Sofa, von dem aus sie alles beobachtet hatte, zurück. Die Hausparty ihres Klassenkameraden war bis jetzt wirklich gut gelungen, jedoch schien dieser etwas überfordert mit der Anzahl der Leute, die gekommen waren. „Naja, immerhin, genug Alkohol für alle hat er“, sprach Jana zu sich selbst und nippte abermals zufrieden an ihrem Cocktail. Schwitzend hetzte Luis, der Gastgeber, hin und her, verwarnte Leute, wischte Kotze und umgeschüttete Getränke auf und sammelte die etlichen Plastikbecher hektisch in eine Mülltüte. Vermutlich fing er jetzt schon mit dem Aufräumen an, damit er morgen nicht mehr so viel zu tun hatte. Jana schockierte es, dass sich so viele junge Leute hier herumtrieben. Wirklich junge Leute. Junge Mädchen, manche nicht einmal richtig in der Pubertät, aber schon hautenge Miniröcke an und tonnenweise Schminke im Gesicht, auf einer Party, auf der literweise Alkohol getrunken, unsittliche Bemerkungen geäußert und ziemlich grenzwertige Spielchen getrieben wurden. Vermutlich hatten einige noch nicht einmal ihre Tage. Naja, so konnten sie zumindest nicht schwanger werden…
Junge Mädchen, bei denen Jana sich fragte, wie viele der Eltern wohl wussten, dass diese sich mitten in der Nacht auf der Hausparty eines 18 Jährigen befanden. Schmunzelnd erinnerte sie sich an die Geschichte, die Hanna von ihrem Bruder erzählt hatte und fragte sich augenblicklich, wie vielen Jungs es heute Abend wohl noch genauso ergehen würde. „Ähm…‘tschuldigung, aber du hast da noch ein bisschen Gesicht in deiner Schminke.“ Diese Bemerkung eines Jungen, etwas älter als Jana vielleicht, den diese kleinen Kinder hier genauso nervten, wie sie, brachte Jana dermaßen zum Lachen, dass sie beinahe vom Sofa gefallen wäre. Der Bass brummte noch immer in ihrem Kopf und das Zimmer schien immer mehr hin und her zu schwanken. Sie spürte, wie der Alkohol sich heiß in ihrer Brust bemerkbar machte und langsam und intensiv im ganzen Körper ausbreitete.
„Verdammt, was war das bloß für ein Cocktail?“, dachte Jana belustigt. Unscharf nahm sie etwas im Augenwinkel wahr und drehte sich benommen um. Was sie dann erblickte, ließ ihr umgehend das Blut in den Adern gefrieren. Und dann kochten mit einem Mal alle angestauten Emotionen in ihr hoch. Da stand Jacob, eng umschlungen mit einem dieser Kinder. Höchstens 14 Jahre alt, aber aufgetakelt wie eine Erwachsene. Sie war wirklich hübsch, auch wenn Jana sich diese Tatsache niemals eingestehen würde. Jacob küsste ihren Hals und sie kicherte verlegen. Jana sprang auf und lief schwankend durch den Raum, fixiert auf Jacob. Dabei hielt sie sich rechts und links an den vielen Leuten fest, um nicht umzufallen. Erst durch das Laufen bemerkte sie, wie sehr der Alkohol sie nun beeinträchtigte. Die Musik und die ganzen verschiedenen Stimmen drangen nur noch als ein undeutlicher Schwall aus zusammenhangslosen Wörtern zu ihr durch.
Peitschend landete ihre Hand auf Jacobs Gesicht. Ein Aufschrei ging durch die Menge. Jana nahm gar nicht richtig wahr, was da gerade passierte, so benebelt war sie. Jacob schubste sie wütend von sich weg und da ihr Gleichgewichtssinn nicht mehr vorhanden zu sein schien, landete sie kurz darauf unsanft auf dem harten Boden. Das hübsche Mädchen krallte sich derweil an Jacobs Rücken fest und schaute angewidert und gleichzeitig ängstlich auf Jana herab. Diese nahm die Situation jedoch nur noch brockenhaft war, darunter auch Jacobs erbitterte Ansage. „Geht’s noch?!…Was soll…völlig besoffen…ernsthaft…peinlich…weißt du… hörst… überhaupt… Jana?“ Irritiert krabbelte sie einige Meter zurück, presste sich dann die Hände auf ihre Augen und betete, dass das alles endlich aufhören würde. Ein schmerzhaftes Ziehen ging durch ihren Bauch. „Du…verdammtes Aaaar-schsch-loooch“, lallte sie undeutlich in die Menge hinein, unsicher, ob Jacob es hören konnte.
„Jana? Sag mal, spinnst du? Mach sofort die Augen auf!“, hörte sie plötzlich eine eindringliche Stimme an ihrem Ohr. Unscharf nahm sie das Gesicht von Hanna, die sie grob am Arm packte und mit einem heftigen Ruck nach oben zog, wahr. „Komm mit“, fauchte sie und zog Jana mit sich vor die Tür. Draußen war es frisch und es nieselte. Jana hatte keine Ahnung, wie lange sie dort auf dem Boden gelegen hatte und warum Hanna plötzlich hier war. Die feucht-frische Luft tat ihr gut und sie atmete tief durch. „Es ist halb fünf Uhr morgens und ich finde dich komatös auf dem Boden liegend, nicht richtig ansprechbar und völlig besoffen. Hast du sie noch alle?“ Jana verstand nicht, warum alle wütend auf sie waren und sie anbrüllten. Beschämt und traurig senkte sie den Kopf. „Jacob“, schluchzte sie und begann zu weinen. „Jana, du erwartest ein Kind und dann besäufst du dich so sehr, dass du keine Kontrolle mehr über dich hast. Weißt du eigentlich, was du diesem kleinen Leben in dir damit antust?“ Die Enttäuschung in Hannas Stimme war unüberhörbar und das verpasste Jana einen Stich. „Das hätte ich echt nicht von dir gedacht“, flüsterte sie halb zu sich selbst und seufzte. Die beiden saßen auf dem Treppenabsatz vor Luis‘ Haus und glücklicherweise war gerade niemand in der Nähe, der sie hätte belauschen können. Außer ein paar Leuten, die etwas entfernt auf der Straße rauchten und leise kicherten, war es still. Beim Ausatmen bildeten sich kleine Dampfwölkchen, so kalt war es. „Ich kann nicht mehr, Hanna. Ich will dieses Kind nicht, ich will es einfach nicht“ Vorsichtig nahm Hanna die schluchzende Jana in den Arm. Manchmal war es einfach das Beste, nichts zu sagen und das tat Hanna auch nicht. Und so saßen sie schweigend nebeneinander auf der Treppe und ließen diesen intimen Moment ihrer Freundschaft still auf sich wirken.          

Was habe ich bloß falsch gemacht, Mami? Dir geht es nicht gut und das möchte ich nicht, denn dann geht es mir auch nicht gut. Ich will doch nur, dass du glücklich bist. Dass du mich mit strahlenden Augen in deinen Armen hältst. Will dein ganzer Stolz sein, schweigsam den wunderschönen Tönen deines Herzschlags lauschen. Möchte, dass du meinen Herzschlag hören kannst. Aber wird das jemals Realität werden oder sind das nur sinnlose und unrealistische Wünsche von mir? Sag, warum gibst du mich auf, bevor du mich überhaupt kennen gelernt hast?

Nachdem Jana ihren Rausch ausgeschlafen hatte, entschloss sie sich, dass genau jetzt und heute der richtige Zeitpunkt war, um zu Simon zu gehen. Also stieg sie in den Bus und fuhr zu der Adresse, die er ihr gesagt hatte. „Das ist also sein Haus“, schmunzelte Jana in Gedanken, als sie vor einem beinahe noch Rohbau, am Rande eines Feldes in Leeheim stand. „Hey, da bist du ja!“, freute sich Simon, als er Jana erblickte und umarmte sie. Etwas überrascht über so viel Herzlichkeit stöhnte sie auf, erwiderte dann aber zögerlich die Umarmung. „Komm rein, komm rein, Manu wartet drin schon“, sagte er fröhlich. Jana nickte lächelnd und folgte ihm nach drinnen.
„Im Haus sieht es ja unerwartet gut aus, im Gegensatz zur eher traurigen Fassade“. Und als hätte er ihre Gedanken gelesen, sagte er: „Ich weiß, es muss noch viel gemacht werden. Aber langsam wird’s schon“. Viele Wände waren noch nicht gestrichen oder richtig verputzt, aber das machte Jana nichts aus. Vor allem, als sie das Glänzen in Simons Augen sah, während er sie unglaublich stolz in  seinem Heim herumführte. Im Wohnzimmer angekommen, setzten sie sich auf die Couch und verfielen sofort in ein tiefes Gespräch. Nach einer Weile gesellte sich auch Manuel, sein heißgeliebter Lebenspartner, zu ihnen. Er war überraschend zurückhaltend, im Gegensatz zu Simon, was Jana mal wieder vor Augen führte, wie sehr sich Gegensätze doch tatsächlich anzogen. Etwas nervös stellte Manuel sich ihr vor und als er lächelte, zierten tiefe Grübchen seine Wangen. „Aber du kannst mich gerne Manu nennen, das macht so ziemlich jeder“, erwähnte Manu, während er in der noch recht provisorischen Küche Tee für die beiden kochte. Simon und Jana saßen auf einer braunen Ledercouch und vor ihnen stand ein kleiner Kaffeetisch. Dahinter lag ein Perserteppich und an der Wand gegenüber, war bereits ein Flachbildfernseher an der Wand angebracht. Jana sah sofort, dass die beiden in Sachen Einrichtung echt Geschmack hatten und war sich sicher, dass es hier toll aussehen würde, wenn es erstmal fertig war. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit so ein Hausbau ist“, lachte er und fügte hinzu, dass sie wirklich jede freie Minute in die Arbeit an dem Haus stecken würden. „Doch, doch“, gab sie grinsend zurück und schlürfte gedankenverloren den Tee, den Manu ihnen vorhin so nett serviert hatte. Danach war er nach draußen verschwunden, um weiter im Garten zu arbeiten. Jana genoss die langen Gespräche mit Simon, die mit der Zeit immer intimer wurden. Er erzählte ihr sogar, wie die Sache mit seiner Homosexualität abgelaufen war. Erstaunlich ehrlich. Mit 15 hatte er sich zu aller erst seiner besten Freundin anvertraut und dann nach und nach seiner Familie und weiteren Freunden. „Ich wusste schon lange, dass ich anders war. Daran hatte keiner Schuld und das konnte auch niemand ändern. Das zu akzeptieren, mich zu akzeptieren, war das schwierigste an der ganzen Sache. Aber ich kann nun mal nichts dafür, dass ich so bin wie ich bin und das weiß ich jetzt“, gestand er und Jana schossen vor Rührung Tränen in die Augen. Sie bewunderte Simons Stärke. Nach der rührenden und detaillierten Schilderung seines Outings, bis hin zu dem Kennenlernen mit Manu, fragte er Jana höflich, ob sie ihm denn sagen wolle, was es mit ihrer Reaktion im Krankenhaus auf sich hatte. Also atmete sie tief durch, nahm nochmal einen großen Schluck vom Tee und fing zu erzählen an. „Am besten beginne ich ganz am Anfang… also es war so…“ Doch sie zögerte. Wusste nicht, ob sie Simon so privates anvertrauen konnte. Zudem kostete es sie extrem viel Überwindung, über die vergangenen Wochen und Monate zu sprechen. Doch man musste zu seinen Fehlern stehen, um sie akzeptieren und anschließend auch verarbeiten zu können. Und dann erzählte sie alles.
Von der glücklichen Beziehung zu Jacob, über den Zusammenbruch dieses Glückes durch ihre Schwangerschaft, welche wiederum durch die Leichtsinnigkeit Jacobs ausgelöst wurde, über ihre Fassungslosigkeit und die kaum zu ertragende Wut darüber, über den Schlagabtausch der beiden, den ganzen Druck der durch diese Situation auf ihr lastete, die Verheimlichung der Schwangerschaft vor ihren Eltern und Freunden (mit Ausnahme ihrer besten Freundin und nun auch Simon), bis schließlich zur gestrigen Party und deren Eskalation, verbunden mit der abweisenden Kälte Jacobs.
„Wow, das ist echt…“, er machte kurz eine Pause, bevor er weitersprach, „…krass, Kleine“. Jana hatte mit aller Mühe probiert, die Tränen zu unterdrücken, doch sie waren einfach nicht aufzuhalten und kullerten jetzt heiß ihre Wangen herab. Simon versuchte sie wieder aufzumuntern und schlug vor, auf den Balkon zu gehen, um frische Luft zu schnappen, damit sie sich wieder beruhigen konnte.
Von hier aus hatten die beiden perfekten Blick auf Manu, der unter ihnen hart im Garten schuftete. Oberkörperfrei, hier zu bemerken. „Ist er nicht sexy?“, zischte Simon gebannt, woraufhin Jana laut lachen musste und sich dann schniefend mit einem Taschentuch die Tränen von der Wange wischte. „Ich bin bereit, dir zu helfen“, sagte Simon plötzlich. „W-Was?“ Fragend blickte sie ihn an. „Du hast gesagt, du willst das Kind definitiv nicht und Adoption wäre für dich auch keine Option, außerdem weißt du ja nicht, wie viel Schaden das arme Ding von deiner ganzen Trinkerei in den letzten Wochen schon davon getragen hat. Du bist erst in der Zehnten Woche. Ich verstehe, dass du in deinem Alter noch keine Verantwortung für ein Baby übernehmen willst und dir deine Jugend nicht zerstören möchtest. Und da du nicht wirklich etwas dafür kannst, dass du trotz deines Bewusstseins für Verhütung schwanger geworden bist, bin ich bereit, dir zu helfen“, erklärte er sich und strich Jana dabei liebevoll über den Arm. Sie schwieg eine Weile und blickte dabei über das weite Feld, welches vor ihnen lag. Die Grashalme bewegten sich sanft im Wind und die untergehende Sonne warf ein wunderschönes Licht auf sie. „Okay“.

Tu das nicht, Mami.

Sie trafen sich vor der Klinik. Jana war ziemlich aufgeregt. Ihrer Mutter hatte sie gesagt, sie sei zu Hanna gefahren und würde dort auch übernachten. Da das nichts Ungewöhnliches war, glaubte sie ihrer Tochter natürlich ohne weiter nachzufragen. Simon hatte Jana erlaubt, sich danach bei ihm zuhause erholen zu dürfen. Sie trug ganz normale Kleidung. Nicht schwarz oder irgendwelche gediegenen Farben.  „Gleich ist alles besser“, sagte Jana mit zittriger Stimme. „Ja, du schaffst das“, ermutigte Simon sie.

Mami? Was tust du da? Glaubst du, es ist mir völlig egal? Egal, dass ich nie die Chance auf ein Leben bekommen darf, nur wegen dir. Egal, dass du mir das antust… Ausgerechnet du!
Ich bin doch ein Teil von dir. Mein Herz schlägt im selben Takt wie deines. Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe, Mami? Hm? Weißt du das? Sicher, dass du deine Entscheidung nicht irgendwann bereuen wirst? Bist du überhaupt schon bereit und rein genug mit dir selbst und deiner Seele, so eine Entscheidung zu treffen? Die Entscheidung über ein Menschenleben. Ist überhaupt irgendjemand außer Gott dazu berechtigt, über Leben und Tod zu entscheiden? Das darf doch nur Gott, oder, Mami? Nur Gott darf das. Ich sehe, wie das Monster auf mich zukommt. Gleich ist es so weit. Mama, warum lässt du das bloß zu? Es kommt näher. Ich habe Angst…
Hilf mir! Bitte, bitte lass mich nicht im Stich. Ich vergebe dir, Mami, ich vergebe dir. – „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“

Sie lächelte erleichtert und atmete die erfrischende Luft ein, als sie aus der Klinik trat. Ihre Atemwege waren noch wie betäubt, von den ganzen Desinfektionsgerüchen. Überglücklich fiel sie Simon um den Hals. „Danke, jetzt bin ich endlich wieder frei!“ Dann strich sie sich die Haare hinters Ohr, öffnete die Tür des silbernen Mercedes und stieg lächelnd ein.

Anmerkung:  
Janas Eltern überließen zwar nach heftigen Diskussionen, an denen auch Simon beteiligt war, allein Jana die Entscheidung, waren dennoch sehr enttäuscht und entsetzt über diesen radikalen Schritt in dem noch so jungen Leben ihrer einzigen Tochter. Hanna brach, nachdem sie von der Abtreibung erfuhr, die komplett hinter ihrem Rücken stattgefunden hatte, sofort den Kontakt zu Jana ab. Jacob erzählte Jana außerdem, die Frauenärztin damals, hätte sich geirrt und sie sei nie schwanger gewesen, woraufhin er sich bei ihr entschuldigte und es erneut mit einer Beziehung versuchen wollte. Sie lehnte jedoch ab. Simon und Jana stehen weiterhin in Kontakt.

Fazit?
Am 23.05.2016 verlor Jana ihre Unschuld und knapp zwei ein halb Monate später,
am 21.07. 2016, verlor ein unschuldiges Wesen sein Leben.

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