Die Krise nach der Pandemie

Von Ulf Krone.

Mehr und mehr wird deutlich, dass die Corona-Pandemie auch eine beispiellose wirtschaftliche Krise nach sich ziehen wird. Die setzt schon jetzt gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen massiv unter Druck. WIR-Redakteur Ulf Krone hat bei Andreas Schupp, Vorsitzender des Gewerbevereins Büttelborn, nach den Konsequenzen sowie den Hilfsmaßnahmen der Bundes- und Landesregierung gefragt.

Die Auswirkungen der Bekämpfung der Corona-Pandemie treffen kleine sowie mittlere Unternehmen und darunter besonders das Hotel- und Gaststättengewerbe besonders hart. Erst eine komplette Schließung und nun eine vorsichtige Öffnung unter Auflagen, die es vielen Betroffenen schwer machen, wieder wirtschaftlich zu arbeiten. Gemeinsam mit Ihrer Frau betreiben Sie das Gästehaus Jockel. Wie sind Sie durch den Shutdown gekommen, und wie stellt sich Ihnen die derzeitige Situation dar?

Andreas Schupp: Uns hat die Pandemie, wie viele andere, mit voller Wucht getroffen. Von 100 auf 0 innerhalb weniger Tage. Eine Erfahrung die ich nicht noch einmal gebrauchen kann. Aber ich bin von Natur aus Optimist. Nach der anfänglichen Schockstarre nutzten meine Familie und ich wie viele die Gelegenheit zur so genannten Entschleunigung. Man lernt, die Kleinigkeiten wieder wertzuschätzen, sich einfach in ein Café zu setzen zum Beispiel, oder Freunde einzuladen. Ich begrüße die Lockerungen und freue mich darüber, jedoch muss da jetzt noch viel mehr kommen.

Im Moment habe ich mehr das Gefühl, es läuft in der Praxis nicht rund: Wir dürfen aus hygienischen Gründen keine Tischwäsche für unsere Gäste auflegen, das Gemüse im Supermarkt liegt aber ungeschützt herum. Oder aber bei einem Trauerfall dürfen keine 20 Personen in die Trauerhalle, aber es dürfen mehrere Tausend Demonstranten auf die Straße…Verzeihen Sie bitte meine Offenheit, aber hier fehlt mir schlicht das Verständnis und der Glaube an die Politik, besonders hinsichtlich dessen, was uns Gastronomen in den letzten Wochen abverlangt wurde.

Unser Betrieb wird noch sehr lange die Auswirkungen spüren. Wir bieten neben dem klassischen Hotelbetrieb hauptsächlich Familienfeiern in unseren Räumen an. Hier ist bis auf Weiteres von unseren Gästen alles storniert worden. Statt 70 Personen fänden bei uns höchstens 30 Personen Platz. Aber von Gemütlichkeit ist da natürlich keine Spur mehr. Wir hoffen auf weitere Lockerung der Beschränkungen, damit bald wieder klassische Familienfeiern möglich sein werden. Jedoch wird die allgemeine Unsicherheit der Bevölkerung noch länger andauern. Da planst Du zurzeit keine größere Familienfeier kurzfristig. Dafür habe ich auch volles Verständnis.

Können Sie bereits eine Einschätzung abgeben, wie schwer die Maßnahmen gegen das Virus das Büttelborner Gewerbe insgesamt getroffen haben? Werden es alle Mitglieder des Gewerbevereins durch die Krise schaffen?

Andreas Schupp: Bis heute ist mir nichts über eine Geschäftsschließung in Büttelborn bekannt. Was aber natürlich nicht heißt, dass dies nicht noch passieren wird. Klar ist, dass es noch lange dauern wird, bis jeder betroffene Geschäftstreibende von sich behaupten kann: Ich habe es geschafft. Auch die Büttelborner sind vorsichtig bei ihrem Einkaufs- und Konsumverhalten. Ich appelliere an unsere Kunden, das Büttelborner Gewerbe verstärkt zu unterstützen. Nie war das wichtiger als heute. Unsere örtliche Geschäftswelt ist vielfältig und umfangreich. Ich wünsche mir, dass das auch weiterhin so bleibt.

In den vergangenen Wochen sind von Bundes- und Landesregierung zahlreiche Hilfspakete für die Wirtschaft geschnürt worden. Kommen die Hilfen auch tatsächlich an, und wie effektiv sind die Maßnahmen?

Andreas Schupp: Die Corona-­Soforthilfen sind wohl unkompliziert ausgezahlt worden und Kurzarbeit angemeldet. Jedoch ist dies oft der besagte Tropfen auf den heißen Stein. Viel wichtiger ist aber jetzt, Signale zu setzen. Was bringen Kurzarbeit, Überbrückungskredite, Stundungen, wenn Kunden verunsichert werden, wenn sie ausgehen möchten oder vor Geschäften anstehen müssen? Ich merke das selbst, dann ist der Wille oft stark, lieber zu Hause zu bleiben.

Es muss dringend gehandelt werden. Es kann nicht sein, dass Betriebe mit Auflagen belegt werden, Gaststätten Einbahnstraßenregelungen einführen müssen oder in der Kirche nicht gesungen werden darf, und gleichzeitig finden Großdemos statt.

Wie schnell können sich die Unternehmen Ihrer Einschätzung zufolge von der Krise wieder erholen, und welche Konsequenzen könnte die Situation für das wirtschaftliche Leben haben?

Andreas Schupp: Fakt ist: Es wird lange dauern, bis das (Geschäfts-)Leben wieder annähernd an die Zeit vor der Pandemie anknüpfen wird. Viele Geschäftszweige werden die Auswirkungen aber auch erst später spüren. Ich denke speziell an das Handwerk. Hier sind zurzeit die Auftragsbücher aktuell zwar noch gefüllt, ich höre aber, dass mittelfristig weniger Aufträge eingehen. Hier beginnt ein Rattenschwanz. Ich gehe davon aus, dass z.B. die Arbeitslosenzahl Ende des Jahres stark steigen wird. Dies würde sich u.a. weiter auf das Konsumverhalten auswirken. Ein Kreislauf, der dringend Weitblick erfordert. Denn da helfen keine Sonderzahlungen oder kurzfristige Mehrwertsteuersenkungen. Ich befürchte, mein Optimismus wird noch lange stark strapaziert.

www.gewerbeverein-buettelborn.de

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