Vom Puzzeln mit der Geschichte

Von Ulf Krone.

In der vergangenen Ausgabe WIR 297 erschien die bereits 50. Folge unserer beliebten Reihe Gerauer Puzzle von Peter Erfurth. Darin werden anhand von monothematisch geordneten historischen Zeitungsausschnitten Ereignisse der kreisstädtischen Geschichte erzählt. Dafür bedient sich unser Kolumnist in seinem umfangreichen, digitalen Archiv. Was es damit auf sich hat, und wie es dazu kam, hat WIR-Redakteur Ulf Krone nun bei Peter Erfurth erfragt.

Für das Gerauer Puzzle stellen Sie jeden Monat historische Zeitungsausschnitte und Fotos zu einem bestimmten Thema zusammen. Dafür schöpfen Sie aus Ihrem persönlichen Archiv. Erläutern Sie den WIR-Lesern bitte einmal, wie es dazu gekommen ist und wie dieses Archiv genau entsteht!

Peter Erfurth: Nach meiner Pensionierung habe ich mich mit der Geschichte meiner Familie beschäftigt, und es hat mir Spaß gemacht, Archive zu besuchen und in alten Unterlagen zu blättern. Aber irgendwann gaben die Archive keine Daten mehr preis, und da habe ich angefangen, mich mit der Geschichte Groß-Geraus zu beschäftigen. Zuerst habe ich die Bestände des Stadtmuseums gesichtet und interessante Unterlagen zur Stadtgeschichte gescannt. Neuerdings bin ich dabei, die alten Zeitungsbestände des Stadtarchivs durchzusehen und auszuwerten.

Über welchen Umfang sprechen wir, wie groß ist Ihr Archiv aktuell?

Peter Erfurth: Die gefundenen „interessanten“ Unterlagen werden aufbereitet, mit Datum versehen und in ihre spezielle „Schublade“ gesteckt. Die „Schubladen“ sind so aufgebaut, dass man über einen Suchbaum die gewünschten Unterlagen sehr schnell findet. Eingescannt und ausgewertet sind momentan ca. 180.000 Dokumente.
Das Hauptarchiv ist nach Straßennamen und Hausnummern geordnet. In den einzelnen „Schubladen“ sammelt sich so im Laufe der Zeit die Geschichte – Baujahr, Bewohner, Geschäfte usw. – der einzelnen Häuser. Dieses Archiv beinhaltet momentan etwa 12.000 solche „Schubladen“, also Ordner. Daneben gibt es noch mehrere Archive, z.B. eine Zeittafel, in der die Geschichte Groß-Geraus mit derzeit ca. 6.000 Einträgen chronologisch festgehalten wird. Ein Archiv über das Stadtleben gibt Auskunft über Veranstaltungen, Familienanzeigen, Eisenbahn- und Verkehrsgeschichte, das Schulleben und vieles mehr.

Was fasziniert Sie besonders an dieser archivarischen Arbeit?

Peter Erfurth: Wie man an den WIR-Artikeln „Groß-Gerauer Puzzle“ erkennt, ist jedes Thema aus Puzzlesteinchen zusammengesetzt, die sich in der jeweiligen „Schublade“ befinden. Genau das macht für mich den Reiz aus, diese Zusammenhänge zu finden und miteinander in Verbindung zu bringen.

Hat sich Ihr Bild von Groß-Gerau durch die Beschäftigung mit seiner Geschichte verändert?

Peter Erfurth: Ja, ich gehe ganz anders durch die Stadt, ich sehe hinter jedem Haus oder Ereignis eine spannende Geschichte und freue mich, wenn wieder, auch durch Gespräche, neue Puzzlesteine dazukommen.

Durch Ihre Arbeit erhalten Sie einen tiefen Einblick nicht nur in die „große Geschichte“, sondern ebenso in die Alltagsgeschichten, die das Leben der Menschen in der Region über die Jahrhunderte prägten. Kann man daraus Ihrer Meinung nach etwas in Hinblick auf unser heutiges Leben lernen?

Peter Erfurth: Ganz vereinfacht, ja. Es gibt nichts „Neues“. Alle Probleme, verkehrstechnisch, baurechtlich, politisch, der Umgang der Leute miteinander, waren schon einmal da, und sie wurden gelöst. Warum soll das nicht auch heute und in der Zukunft so sein?

Zur Person: Peter Erfurth wurde 1947 in Kirchhellen in Westfalen geboren. Nach dem Studium der Nachrichtentechnik in Dieburg folgte der Einsatz bei der Funkkontrolle in Itzehoe. 1976 Versetzung an die Weltraumfunküberwachungsanlage Leeheim als Betriebsingenieur und Umzug nach Groß-Gerau. 1985 folgte die Versetzung in den Funkbereich des FTZ in Darmstadt. Peter Erfurth ist seit 1981 verheiratet.

Derzeit sind in der Groß-Gerauer Innenstadt Fotografien aus dem Archiv von Peter Erfurth im Rahmen der Ausstellung „Losst Eich gut belehre, kaaft Eier Sach in Gere!“ des Stadtmuseums in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein zu sehen. An drei Standorten unter freiem Himmel berichten bebilderte Informationsaufsteller davon, wo die Groß-Gerauer in den vergangenen 100 Jahren eingekauft haben.

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