Wie Poesie entsteht

Von W. Christian Schmitt

In dieser Rubrik geht es um Dichter, Poeten, Lyriker, Verse-Schmiede, Wort-Produzenten etc. und um all das, was sie uns an Geschriebenem hinterlassen haben. Doch vor allem um das, was mir beim Katalogisieren meiner Lyrik-Bibliothek (neuerlich) begegnet, aufgefallen ist – und woran ich mich erinnere. Diesmal geht es um Autoren (und ihre Arbeiten) mit dem Anfangs-Buchstaben E.

Beginnen könnte diese Folge mit der Zeile „Wem Gott will rechte Gunst erweisen…“ und zumindest gefragt werden, wie der Titel dieses Gedichts lautet. Dass der Autor Joseph von Eichendorff heißt, muss wohl kaum noch erwähnt werden. 14 Bände, die seinen Namen tragen, sind hier gleich hinter Eich, Günter eingeordnet zu finden; mit seinen „Botschaften des Regens“ (1963 in der edition Suhrkamp erstmals erschienen) bin ich quasi aufgewachsen.

Im selben Jahr gab es ebenfalls in der edition suhrkamp ein Gedichtbändchen von Hans Magnus Enzensberger, in dem er (zudem) auf 25 Seiten „die Entstehung eines Gedichts“ erklärte. Der Text begann mit dem Satz „Meine Damen und Herren, ich habe Ihnen nichts Neues zu sagen. Von Poesie reden, heißt immer von etwas sehr Altem zu reden…“. Und dann wurde allen, die meinten, sie seien zum Dichten berufen, vor Augen geführt, auf was sie sich da einlassen (würden). Für mich jedenfalls war damals nach dieser Lektüre die Zeit des Selber-Dichtens vorbei. Umso mehr wuchs die Neugier nach Lyrik, wo immer sie zu finden war. Bei Enzensberger z.B. waren es die Bändchen „Blindenschrift“ (1964 bei Suhrkamp) und „Landessprache“ (1969 in der edition suhrkamp). Enzensberger, von dem mittlerweile 17 Bücher sich bei mir angesammelt haben, wurde für mich zu einer Art Lyrik-Papst, einer, dessen Arbeiten, dessen Ansichten, dessen Auslassungen über den Zustand der Gesellschaft, in der wir leben,  man gelesen haben musste.

Aber es gibt natürlich noch einiges mehr zu entdecken – bis heute. Beim Buchstaben E begegne ich (neuerlich) 79 Büchern von 29 Lyrik-Produzenten. Darunter Büchner-Preisträgern wie etwa Elke Erb („Unschuld, du Licht meiner Augen“, 1994 bei Steidl) oder Kasimir Edschmid („Italienische Gesänge“, 1947 erschienen im Darmstädter Verlag). Zudem Literatur-Nobelpreisträgern wie T.S. Eliot („Ausgewählte Gedichte“ verlegte Suhrkamp bereits 1951) oder Odysseas Elytis, von dem ebenfalls Suhrkamp 1979 „Ausgewählte Gedichte“ veröffentlichte.

Neben all den „Klassikern“ (nicht zu vergessen Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ in einer Reprint-Ausgabe) nehme ich beim Sortieren Bücher in die Hand, deren Autor z.B. Richard Exner heißt. Exner, Jahrgang 1929, hatte bei Ludwig Marcuse promoviert und war fast zwei Jahrzehnte als Professor für Germanistik an der US-Universität in Santa Barbara tätig. Aufgewachsen ist er in Darmstadt, an das er (sich) erinnert in dem im Radius-Verlag erschienenen Band „Ein Sprung im Schweigen“. Und ich erinnere mich an eine Begegnung mit ihm in Reichelsheim, wo ich ihn für eine Lesung im Rahmen meiner Veranstaltungsreihe „Zu Gast in Reichelsheim“ gewinnen konnte, ebenso wie seinerzeit u.a. Günter Grass, Erich Loest, Ingrid Noll, Gaby Hauptmann oder Gabriele Wohmann. Der Zufall wollte es, dass Exner zu der Zeit gerade seine Tochter besuchte, die in dieser Odenwald-Gemeinde lebte und arbeitete.

Auch Michael Ende ist – zu meiner Überraschung – mit „Ein Mädchen aus Papier. Traumlieder und Gedichte“ (bei Thiele) ebenso in meiner Hausbibliothek zu finden wie etwa Julia Engelmann mit „Wir können alles sein, Baby“ (bei Goldmann) oder Adolf Endler mit „Nackt mit Brille“ (bei Wagenbach).

Der abschließende Hinweis gilt diesmal zwei sehr unterschiedlichen Verse-Schmieden. Zum einen Heinz Erhardt, der u.a. mit „Noch’n Gedicht“ (bei Lappan) sich in die Reihe der Erfolgsautoren einreihte. Zum anderen Norbert Eichler, der 1971 mit „Apollo 11. Comic-Gedichte für Tagträumer & Nachtschwärmer (bei Maro) dem Lyrik-Genre eine bis dahin nicht bekannte Variante hinzufügte.

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