Worüber die Leute reden

Nicht nur Corona. In Zeiten, die vom Corona-Virus geprägt sind und in denen viele Menschen sorgenvoll fast nur ein Gesprächsthema kennen, gehen Themen unter, die normalerweise für weitaus mehr Gesprächsstoff sorgen als jetzt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit greifen wir einige im Bewusstsein auf, dass manches wirklich zweitrangig geworden ist, wenn es doch um die Gesundheit von uns allen geht. Trotzdem gibt es sie, die kleineren Begebenheiten, über die im Gerauer Land gesprochen wird.

Unfallfrei drüber. Da gab es zum Beispiel diese Nachricht aus Groß-Gerau, dass der Kreisel im Schachen zurückgebaut werde. Genau, jener Kreisel, der wegen seiner vielen Unfälle nach Inbetriebnahme für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Doch nicht wegen seiner unrühmlichen Rolle rückten die Bagger dem Hügel auf die Pelle, sondern wegen eines Schwertransports, der sonst nicht die Kurve bekommen hätte. Der konnte und durfte dann tatsächlich mitten drüber fahren – unfallfrei versteht sich.

Schnell erledigt. Ein anderer Aufreger erreicht uns aus Königstädten. An der Grundschule steht ein Pavillon, der optisch den Charme der 1970-er Jahre versprüht. Modernen Standards des Unterrichts halten solchen, einst zur Klassenraumerweiterung benötigten Billiglösungen nicht mehr stand. Also entschieden sich die Stadtverordneten für einen Ersatz. Der Beschluss wurde kurzerhand im „Umlaufverfahren“ durchgewunken. Also ohne große Debatten, Aufsehen und Öffentlichkeit. Folge: Statt 546.000 Euro kostet der Neubau nun 742.000 Euro, und beinahe hätte es keiner bemerkt.

Sensible Planung. Feinfühliger scheint die Kreisstadt mit anstehenden Entscheidungen umzugehen. Stadtverordnetenvorsteher Klaus Meinke (SPD) hat mit Bürgermeister Erhard Walther (CDU) frühzeitig entschieden, die für Mai anberaumte Parlamentssitzung abzusagen, weil es nichts zu beschließen gäbe, was so eilig wäre. Ob es jetzt gut oder schlecht ist, wenn es nichts Wichtiges zu beschließen gibt, sei mal dahin gestellt. Die beiden betonten jedenfalls, dass die Stadt hoffentlich bald wieder zu einem normalen demokratischen Vorgehen zurückfinde. Als Termin für die Stadtverordnetenversammlung wird daher der 23. Juni ins Auge gefasst. In der Stadthalle könnten die dann noch möglicherweise vorgeschriebenen Abstandsreglungen problemlos eingehalten werden.

Es gärt bald. Anders wiederum die Lage in Büttelborn. Der Plan für den Ausbau der Kreismülldeponie mit einer Vergärungsanlage scheint so dringlich zu sein, dass an Abwarten nicht zu denken ist. 15.000 Tonnen Bioabfall sollen dort pro Jahr verarbeitet werden, so dass das dabei entstehende Gas zu Erzeugung von Strom genutzt werden kann. Auch dafür wird ein Riedwerke-Beschluss im (eiligen) Umlaufverfahren angestrebt.

Nicht geläufig. Ohne Corona-Bezug geht es nicht. Wie dieser Tage in Nauheim bei einem Konflikt um den sogenannten Husten- und Spuckschutz. Die ortsansässige Firma Börner, die normalerweise Sportstadien mit lichtdurchfluteten Dächern konstruiert, hat darauf hingewiesen, dass sie solche Barrieren gerade en masse fertigt. Das sei offenbar nicht bekannt, bemerkte die Geschäftsführung. Schon gar nicht, dass der Betrieb seit fast 75 Jahren weltweit als führender Acrylglasverarbeiter gilt.

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rainer.beutel@wir-in-gg.de

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