Die Zeit der Partykeller und Hausbars

Von Norbert Gröss.

Nach den tristen Jahren des Krieges und der entbehrungsvollen Nachkriegszeit bis zur Währungsreform 1948 entwickelte sich wieder das Verlangen nach Geselligkeit und Vergnügen.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung durch das Aufblühen des Wirtschaftswunders normalisierte das Leben und in vielen  privaten Häusern wurde eine Hausbar oder ein Partykeller, mehr oder weniger fantasievoll, eingerichtet. Dort wurde jede Gelegenheit zum Feiern genutzt, wie zum Beispiel Geburtstage, Faschingsfeste und Silvesterpartys. So hatte fast jeder Freundeskreis seinen privaten Vergnügungstempel, der abwechselnd genutzt wurde. Wir waren etwa sechs bis zehn Personen und hatten in der Jugend einen Jazzkeller. Als dieser zu klein wurde, zogen wir um in die „Kakadu-Bar“ (später: Western Saloon), wo sich früher eine stillgelegte Seilerbahn der Firma Gerschlauer in der Frankfurter Straße befand. Als Dekoration holten wir das von den Bauern ausrangierte Zubehör für die Pferde (u.a. Kummetgeschirre) von den vier bis sechs wilden Mülldeponien rund um Groß-Gerau, die mehr oder weniger Umtausch-Börsen waren. Alte Gegenstände wurden gegen etwas Bessere ausgetauscht.

Die Glanzzeit dieser wilden Deponien begann mit der Währungsreform 1948. Ich hatte mir zum Beispiel schon vor dieser Zeit aus mehreren alten Fahrrädern ein voll funktionsfähiges Rad gebastelt. Damals konnte man den Sperrmüll nur auf diese Weise loswerden. Die heutige kostenlose organisierte Sperrmüllabfuhr durch die städtische Abfallwirtschaft gab es damals noch lange nicht.

Als der Freundeskreis noch größer wurde, kam die „Rustikale Turmbar“ im Wasserturm dazu. Zu diesem Zweck wurde ein kleiner Teil unseres damaligen Ingenieurbüros (1965–1990) abgezweigt. Hier waren besonders die Silvesterfeiern beliebt. Die Aussicht aus dem Turm bot einen guten Überblick auf das Feuerwerk über Groß-Gerau und den umliegenden Dörfern.

Norbert Gröss
hat in seinem Buch „Es begann 1936“ seine persönlichen Erinnerungen zur Entwicklung der Kreisstadt aufgeschrieben und Bilder gesammelt.

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