Guckst du!

Von Edelgard Rietz.

Ich komme nicht mehr mit. Die Sprache der jungen Generation ist für mich wie eine Fremdsprache. Und auch da hatte ich so meine Schwierigkeiten. Es gab keine Möglichkeit, außerhalb der Schule zu üben. Heute sind die Voraussetzungen ganz andere. Es gibt bilinguale Schulen, Gymnasien usw. Meine Kinder, Schwiegertöchter und Enkel sind alle mehrsprachig. Als Reisegruppe kämen sie locker durch die Welt.

Bei der heutigen Jugendsprache sind die Voraussetzungen noch mal ganz andere. Es gibt Einflüsse aus der türkischen, arabischen und slawischen Sprache. Wichtig sind auch die Einflüsse aus der Populärkultur wie TV, Musik usw. Alles fremd und lustig zugleich. Ich will nicht ganz abgehängt werden. So bleibt mir nichts anderes übrig, als zu googeln.

Ich fang mal mit einem einfachen Beispiel an. „Ich habe uns eine gemeinsame Cloud für unsere Fotos eingerichtet, damit wir alles miteinander teilen können.“ Das soll eine Art Liebeserklärung sein. Also ich hätte meinen Mann angeguckt, als käme er von einem anderen Stern.

„Ich treffe mich gleich mit einem Tinder-Date im Park, schick mir mal zur Sicherheit deinen Live-Standort“ Das ein Austausch zwischen Freundinnen. Tinder ist eine weltweit beliebte App, um neue Leute kennenzulernen. Halte ich nicht mit, bin ich eben cringe, also peinlich. Ein „Simp“ will ich auch nicht sein, also eine Person, die zu sehr um Zuneigung anderer wirbt, und schon gar nicht ein „Goofy“, also keine alberne, tollpatschige Person.

Mein PC hat auch Schwierigkeiten. Der will ständig verbessern. Wir zwei sind nicht chopped, also niedergeschlagen und fertig mit der Welt. Da müssen schon andere Kaliber her. Checkst du!

Edelgard Rietz
ist Malerin mit Wohnsitz in Groß-Gerau;
edelgard.rietz@gmx.de

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