Hörgeschädigte Menschen im Blick

Von Sabine Bächle-Scholz.

Der Hessische Landtag hat sich im Mai auf Initiative der Fraktionen von CDU und SPD mit den Anliegen von hörgeschädigten Menschen befasst. Die Regierungsfraktionen möchten damit aus dem Landtag heraus die Lebensleistung von hörgeschädigten und gehörlosen Bürgerinnen und Bürgern würdigen, die ihr gesellschaftliches Leben unter deutlich erschwerten Bedingungen bewältigen müssen.

Hörbeeinträchtigte Personen leiden dabei vor allem im Alltag unter Sprachbarrieren, denn sie führen weit über Sprache hinaus zu gesellschaftlicher Ausgrenzung, mangelnder Teilhabe und Diskriminierung im Berufsleben, im Freundeskreis und im Vereinsleben. Ihre Probleme und Belastungen im Alltag zu sehen, ist ein wichtiges Anliegen der CDU Hessen. Auch in der Geschichte unseres Landes waren zahlreiche beeinträchtigte Bürgerinnen und Bürger Benachteiligungen ausgesetzt, die eine bestmögliche sprachliche Entwicklungsförderung verhinderten und somit das Leben der Betroffenen nachhaltig verkomplizierten. In unserem Antrag fordern wir den Landtag daher auf, anzuerkennen, dass die früheren, einseitig auf Lautsprache basierenden Förderkonzepte zu Sprachdeprivation führten. In unserem Antrag stellen wir fest, dass die Versäumnisse der Vergangenheit weder medizinisch, pädagogisch noch politisch ausreichend korrigiert wurden.

Ich bin daher froh, dass das Land Hessen mit unserem Antrag bekräftigt, die Verantwortung anzunehmen und diese historische Fehlentwicklung auch entsprechend zu benennen und sichtbar zu machen. Mit dem Antrag der Regierungsfraktionen wurde deutlich, dass sich die Situation in den vergangenen Jahrzehnten unter CDU-Führung deutlich verbessert hat, wir aber noch nicht am Ziel sind.

Zu nennende Maßnahmen sind etwa der Ausbau von frühkindlichen Förderangeboten, die Entwicklung von bilingualen Bildungskonzepten sowie die stärkere Professionalisierung von Beratungsangeboten für Familien. Darauf aufbauend sollen weitere Maßnahmen folgen, geplant sind unter anderem eine Anpassung beim Landesgehörlosengeld zur Verbesserung gesellschaftlicher Teilhabe sowie die weitere Unterstützung der Sozialberatungsstelle für gehörlose und hörbehinderte Menschen. Ein besonderes Schwerpunktjahr wird zudem das Jahr 2026 sein, denn mit einem Schwerpunktjahr soll die Deutsche Gebärdensprache (DGS) stärker in den Fokus gerückt und zugleich der Nachwuchs an Gebärdensprachdolmetschern gefördert werden. Geplant ist zudem die Einrichtung eines „Runden Tisches DGS“, der sich mit strukturellen Verbesserungen für Nutzerinnen und Nutzer der Deutschen Gebärdensprache befassen soll.

Ich freue mich, dass mit der Kollegin Heike Heubach MdB (SPD) die erste gehörlose Abgeordnete im Deutschen Bundestag ein Mandat angetreten hat, ein schönes Zeichen dafür, dass sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt und es bessere Chancen für hörgeschädigte und gehörlose Menschen gibt. Der Hessische Landtag, die Regierungsfraktionen aus CDU und SPD sowie ich als Groß-Gerauer Wahlkreisabgeordnete unterstreichen mit unserem eingebrachten Antrag die große Bedeutung dieser bestehenden Unterstützungs- und Beratungsstrukturen für Chancengleichheit, gesellschaftliche und demokratische Teilhabe sowie zur Prävention.

Sabine Bächle-Scholz
ist die direkt gewählte CDU-Abgeordnete im Hessischen Landtag;
s.baechle-scholz@ltg.hessen.de

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