Berufsschüler helfen beim Aufbau

Von Jens Dyck.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Valencia reisten elf Auszubildende aus Groß-Gerau nach Spanien und halfen beim Bau der ikonischen Fallas-Skulpturen – ein außergewöhnlicher Einsatz im Zeichen europäischer Solidarität.

Als im Oktober 2024 sintflutartige Regenfälle Valencia und Umgebung heimsuchten, stand die drittgrößte Stadt Spaniens still: Schlammlawinen und Flutwellen zerstörten über 60.000 Wohnungen, verursachten Milliardenschäden und forderten über 230 Menschenleben. Eine Katastrophe, die auch in Südhessen nicht unbemerkt blieb.

An den Beruflichen Schulen Groß-Gerau (BSGG) war man nicht nur schockiert über das Ausmaß der Zerstörung; auch ein lange vorbereitetes Austauschprojekt im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ drohte zu scheitern. Elf Auszubildende aus Südhessen sollten eigentlich zwei Wochen lang Praktika in verschiedenen Betrieben rund um Valencia absolvieren. Doch die Flut hatte viele dieser Orte unbrauchbar gemacht.

Zwei Betriebe mussten ihre Zusagen zurückziehen, da ihre Werkstätten unter Wasser standen. Doch andere gaben sich kämpferisch. „Eine Jetzt-erst-recht-Mentalität war spürbar“, erinnert sich Jens Dyck, Erasmus+-Koordinator der BSGG. Besonders ein Unternehmen zeigte sich offen für Hilfe: Carsi Artes Plasticas, spezialisiert auf den Bau der monumentalen Skulpturen für das traditionelle Frühlingsfest „Las Fallas“, fragte Dyck direkt, ob nicht einige Maler-Azubis beim Wiederaufbau mit anpacken könnten.

Die Antwort fiel eindeutig aus. Neben angehenden Friseurinnen, Erzieherinnen, Schreinern und Großhandelskaufleuten machten sich auch vier Malerlehrlinge am 10. Februar auf den Weg in Richtung Mittelmeer. Was die Jugendlichen in Valencia erwartete, war mehr als ein gewöhnliches Praktikum: In riesigen Werkhallen arbeiteten sie Seite an Seite mit spanischen Fachkräften an den Skulpturen, die beim Weltkulturerbe-Fest „Fallas“ jedes Jahr Millionen von Besuchern in die Stadt locken. Die haushohen Kunstwerke bestehen aus Holz, Pappmaché und Styropor – und müssen nach der Zwangspause durch das Hochwasser nun unter Hochdruck fertiggestellt werden.

„Unsere Azubis durften sich frei aussuchen, an welchen Elementen sie arbeiten wollten“, erklärt Dyck. Die Arbeitsschritte seien dabei stets ähnlich gewesen: Zuerst wird die Figur mit Papier beklebt, dann grundiert, bemalt – und abschließend detailreich verziert. Auch der begleitende Lehrer selbst half mit: „Das erinnerte mich an meine Modelleisenbahn“, scherzt Dyck, der sonst Politik, Geschichte und BWL unterrichtet. Die Größe und Detailverliebtheit der Figuren beeindruckten ihn und seine Schüler gleichermaßen: „Der Betrieb arbeitet das ganze Jahr ausschließlich an diesen und anderen Skulpturen. Das war für alle eine völlig neue Welt.“

Auch in diesem Jahr waren die Schülerinnen und Schüler der BSGG wieder sehr gern gesehene Gäste in den Betrieben in Valencia, und so gingen allein acht Teilnehmende in den Betrieb, um die Skulpturen anzufertigen. Obwohl viele der Schüler keine Spanischkenntnisse mitbrachten, lief die Kommunikation erstaunlich reibungslos. „Die Fachbegriffe sind oft ähnlich, und zur Not hilft der Google-Übersetzer“, so Dyck. Da er selbst Spanisch spricht, konnte er zusätzlich unterstützen. „Die Jugendlichen haben schnell gelernt, dass Sprache wichtig, aber nicht alles ist.“

Natürlich ging es nicht nur ums Arbeiten: Auch eigene Stadtführungen, kulturelle Ausflüge und der Austausch mit den Einheimischen standen auf dem Plan. Denn Erasmus+ zielt nicht nur auf berufliche Qualifikation ab, sondern auch auf interkulturelles Lernen. „Solche Erfahrungen erweitern den Horizont, fördern Toleranz und zeigen unseren Schülern neue Lebenswelten“, betont Dyck. Dass dabei Vorurteile abgebaut und Selbstbewusstsein gestärkt werden, sei ein wichtiger Nebeneffekt. Auch wird das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl damit gefördert, was mit ein wichtiges Ziel von den Erasmus-Mobilitäten ist.

Doch auch im Lebenslauf zahlt sich der Auslandseinsatz aus. Alle Teilnehmer erhalten einen „Europass“, der ihre im Ausland erworbenen Kompetenzen dokumentiert. „Das macht Eindruck bei Bewerbungen“, sagt Dyck. „Wer mit 18 oder 19 schon im Ausland gearbeitet hat, hebt sich definitiv von anderen ab.“

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