Zwischen Klicks und Küchentisch

Von Axel S.
Manche Gespräche beginnen mit einer einfachen Frage – und landen bei den großen Themen unserer Zeit. Als ich mich mit Michael Schleidt, Herausgeber des WIR Magazins, für meinen Podcast Druckreif – Das Redaktionsgespräch zusammensetzte, wollte ich eigentlich über Lokaljournalismus sprechen. Herausgekommen ist ein Gespräch über Heimat, Aufmerksamkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt – und die Frage, warum eine gedruckte Zeitung vielleicht doch nicht so schnell verschwindet, wie viele glauben.
Michael Schleidt ist jemand, der Regionalität nicht nur beschreibt, sondern lebt. Seit mehr als 25 Jahren begleitet er mit seinen Magazinen die Entwicklungen im Kreis Groß-Gerau. Das WIR Magazin, wie wir es heute kennen, entstand aus einer lokalen Zeitungsidee, wuchs Schritt für Schritt in weitere Kommunen hinein und ist für viele Haushalte längst fester Bestandteil des Monats geworden.
Was mich an unserem Gespräch besonders beschäftigt hat: Michael blickt mit großer Nüchternheit auf die Herausforderungen der Medienwelt – und gleichzeitig mit erstaunlich viel Zuversicht auf die Kraft regionaler Inhalte. „Regionalität bestimmt unser Leben“, sagt er im Gespräch. Tatsächlich sind es oft die Themen direkt vor unserer Haustür, die uns bewegen: das Ehrenamt, Vereine, Stadtfeste, lokale Politik oder die Frage, wie lebendig unsere Innenstädte bleiben. Gerade deshalb sieht Michael den Lokaljournalismus als wichtige Klammer für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Dabei ist ihm bewusst, dass sich die Mediennutzung verändert hat. Webseiten, Social Media und mobile Endgeräte gehören längst dazu – auch beim WIR Magazin. Dennoch sieht er einen Trend kritisch: die zunehmende Bewertung von Medien über Klickzahlen. Viele Unternehmen hätten, so erzählt er, hohe Erwartungen an Online-Reichweiten gehabt – und festgestellt, dass Klicks nicht automatisch Wirkung bedeuten. Aufmerksamkeit im Internet sei oft flüchtig. „Da klicken viele Leute drauf und sind genauso schnell wieder weg“, beschreibt er es treffend.
Besonders spannend fand ich seinen Blick auf Printmedien. Denn obwohl Zeitungen oft als Auslaufmodell beschrieben werden, verweist Michael Schleidt auf Untersuchungen, die gedruckten Medien weiterhin eine hohe Nachhaltigkeit zuschreiben. Inhalte blieben länger im Gedächtnis, Vertrauen sei größer, die Aufmerksamkeit konzentrierter. Oder wie er es formuliert: „Wenn Botschaften nachhaltig hängen bleiben sollen, sind Printmedien nach wie vor nahezu am besten untergebracht.“

Vielleicht liegt darin tatsächlich ein Unterschied: Während digitale Inhalte oft im Strom der Informationen vorbeiziehen, bleibt eine Zeitung auf dem Küchentisch liegen. Man blättert, entdeckt zufällig Geschichten, liest Dinge, nach denen man nie aktiv gesucht hätte.
Natürlich verschließt auch Michael Schleidt nicht die Augen vor der Realität. Papierpreise, steigende Produktionskosten und verändertes Nutzungsverhalten machen Printmedien zu schaffen. Auf meine Frage, ob das WIR Magazin in fünf Jahren noch gedruckt erscheint, antwortete er vorsichtig. Sicher sei das nicht.
Und trotzdem: Ganz abgeschrieben hat er Print nicht. Vielleicht, weil Lokaljournalismus immer dann wichtig wird, wenn Menschen wissen wollen, was vor ihrer Haustür passiert. Vielleicht auch, weil eine Region Medien braucht, die zuhören, einordnen und sichtbar machen, was Menschen gemeinsam auf die Beine stellen.
Am Ende unseres Gesprächs blieb bei mir vor allem ein Gedanke hängen: Vielleicht geht es gar nicht um die Frage Print oder digital. Sondern darum, wie wir Informationen konsumieren wollen – schnell und flüchtig oder bewusst und mit Zeit.
Und vielleicht liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo dazwischen.
Das komplette Gespräch gibt es als Podcast auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube – und überall, wo es Podcasts gibt.




