Der Zirkus ist in der Stadt

Von Ulf Krone.

Früher hat diese Nachricht ganze Städte und Gemeinden in Aufruhr versetzt – und nicht allein die Kinder. Bunte Zelte und der Geruch von Heu versprechen magische Unterhaltung. Artistik, Clowns und Messerwerfer sind ein Spaß für die ganze Familie – und auch auf
Seiten der Schausteller oft Familienangelegenheit.

So ist es auch beim Circus Baruk, der aktuell in der Kreisstadt gastiert. Chefin Manuela Weisheit und ihr Mann Johnny sind die siebte Generation und stammen aus echten Zirkusfamilien. Und ihre fünf erwachsenen Kinder Giovanni, Jaqueline, Jessica, Mandy und Aljoscha sind in diesem Leben aufgewachsen und inzwischen auch mit dabei, wie Manuela Weisheit bei einem Besuch im Quartier am Römerkreisel erzählt.

„Wir sind waschechte Zirkusartisten, kann man sagen. Wir mögen das. Das Größte für uns ist der Applaus des Publikums, und wenn ich heute sehe, wie meine Kinder und Schwiegerkinder und alle, die so im Zirkus mitmachen, als Familie zusammenarbeiten – wir sind ja ein Familienunternehmen, das macht einen dann schon stolz. Wenn die Kinder auf ein Hochseil gehen, was ich früher auch gemacht habe, dann hat es sich doch wieder gelohnt.“

Manuela Weisheit merkt man die Leidenschaft für den Zirkus an – und nicht bloß für den eigenen. Ihr geht es auch um den Zirkus als Kulturgut, denn der Zirkus als eigenständige Form der Darstellenden Kunst ist seit 2023 Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Es ist die Mischung an kreativen Elementen wie zum Beispiel Theater, Tanz, Musik, aber auch des Sports und der Technik, die den Zirkus zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Erlebnis macht.

Dazu gehört auch, Tiere zu erleben, im Circus Baruk sind das unter anderem Kamele, Pferde und zwei Zebras – aus der eigenen Zucht. Die zahmen Tiere verfügen über Tierstallungen und ein großes Freigehege, und natürlich wird das alles an jedem neuen Standort des Zirkus wieder von den zuständigen Behörden überprüft.

„Wir leben von morgens bis abends mit den Tieren zusammen, wir spüren, wie es den Tieren geht“, sagt Manuela Weisheit. „Und wir haben ja auch immer das Veterinäramt da, jede Stadt kontrolliert. Und wenn wir in der Pause 20 Minuten lang eine kleine Tierschau haben, dann sind die Menschen und natürlich vor allem die Kinder begeistert. Das ist für die Kinder ein bisschen Abwechslung, einmal ein echtes Pferd oder ein echtes Kamel zu sehen – statt nur im Internet.“

Zirkus ist insgesamt ein immersives Erlebnis, sehen, hören, fühlen, riechen. Und spätestens, wenn der „dumme August“, der Clown, übernimmt, in diesem Fall der 26-jährige Aljoscha, dann bleibt kein Auge trocken.

Zirkus ist echt und bunt und das Gegenteil von digital. Eigentlich ein Vorteil, aber es wird dennoch immer schwieriger, mit der Reizüberflutung durch das Smartphone zu konkurrieren. „Die Jugend müssen wir noch animieren, dass die wieder Lust kriegen“, sagt auch Manuela Weisheit. „Die Kinder gucken so viel in die Handys. Wenn wir früher auf einen Platz gekommen sind, dann sind uns die Kinder hinterhergelaufen. Was ist da drin, wo sind die Tiere, wann geht‘s los, haben sie gerufen. Das gibt es heute gar nicht mehr. Man muss die Kinder permanent animieren, man muss irgendetwas Neues haben, aber meist gucken sie lieber im Internet.“

Am Programm liegt das nicht, von Hochseilakrobatik über Kunstreiterei bis hin zu Jonglage ist für jeden etwas dabei, sogar musikalische Einlagen. An den Preisen aber auch nicht. „Also wir arbeiten auch billig, wir haben Sonderpreise, wir haben in den Schulen und Kindergärten Sonderkarten verteilt. Zum rollenden Streichelzoo haben die Kinder dieses Mal sogar freien Eintritt, und ja, wir hoffen dann halt auf ein bisschen mehr Publikum, wenn wir die Eintrittspreise niedrig halten können,“ sagt sie.

Aber das Zirkusleben ist hart, und die Kosten sind hoch, vor allem die Treibstoff- und Energiekosten. Aber sie alle leben ihren Traum, eine Leidenschaft, die sie nicht loslässt, denn natürlich könnten sie sich auch leicht dazu entscheiden, etwas anderes zu machen und das Zirkusleben aufzugeben. „Aber meist ist es so: Wenn man einmal Sägespäne in den Schuhen hat, dann kriegt man die nicht mehr los. Und somit hat sich das dann eben ergeben, dass alle Zirkusleute, waschechte Zirkusleute natürlich, auch beim Zirkus bleiben. Wie gesagt, es ist unser Trott, unser Leben, und wir machen das mit Herzblut. Reich wird man nicht dabei, aber da, wo unser Zelt steht, da sind wir zu Hause.“ Man merkt Manuela Weisheit bei diesen Worten den Stolz auf die Tradition an. Und dabei ist das Zirkusleben alles andere als romantisch.

„Es ist harte Arbeit. Wir gehen oft mit knurrendem Magen ins Bett oder essen nur schnell mal noch eine Scheibe Brot, weil wir nachts ankommen, und dann schläft man in seinen Klamotten“, berichtet sie von den ständigen Umzügen über das Jahr hinweg. Deshalb sei es schön, wie jetzt in der Kreisstadt mal ein paar Tage an einem Ort sein zu können. Und in Groß-Gerau ist der Circus Baruk sozusagen das Original. Sie kommen jedes Jahr wieder, und die Stadt hilft tatkräftig mit.

Wer jetzt Lust auf eine Reise in die magische Welt des Zirkus hat, der hat noch bis zum 29. März täglich um 16 Uhr sowie sonntags um 14 Uhr Gelegenheit, eine Vorstellung im Circus Baruk am Römerkreisel in Groß-Gerau zu besuchen.

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