Gemeinsames Miteinander

Ulf Krone
ist Redakteur beim WIR-Magazin
und studierter Philosoph;
ulf.krone@wir-in-gg.de

Ein gemeinsames Miteinander ist die Basis jeder Gesellschaft. Jeder, der aktiv wird, anpackt, sich engagiert, ist wichtig, ansonsten würde alles auseinanderbrechen. Dabei spielt keine Rolle, woher jemand kommt oder an welchen Gott er oder sie glaubt. Wir brauchen alle, unsere Gesellschaft genauso wie unsere Wirtschaft. Der Fachkräftemangel ist ohne Zuwanderung nicht zu stemmen, und unsere Innenstädte würden unter noch viel mehr Leerstand leiden als ohnehin schon. Denn es sind besonders auch die Geschäfte von Menschen mit Migrationshintergrund, die Publikum anziehen und zur Belebung beitragen, vor allem natürlich die türkischstämmiger Unternehmerinnen. Das kann man auch in der Kreisstadt, aber genauso darüber hinaus im ganzen Kreis und im Rhein-Main-Gebiet beobachten, weshalb ich mich mit vier von ihnen in Groß-Gerau zum Gespräch getroffen habe (S. 4). Erlebt habe ich dabei vier Vollblut-Unternehmerinnen, deren Engagement eben nicht bloß dem eigenen Unternehmen gilt.

Eine gesellschaftliche Aufgabe zu übernehmen, stärkt das Selbstbewusstsein, erzeugt Anerkennung und fördert die Integration – auf beiden Seiten. Begegnungen sind wichtig, sonst bleibt der andere immer fremd. Wenn das dann auch noch einen ganz praktischen Nutzen hat, umso besser. Wie im neu beziehungsweise wieder-eröffneten Radzirkel, der Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt der Diakonie, wo jeder und jede das eigene Fahrrad selbst unter Mithilfe der Mitarbeiter des Radzirkels reparieren kann. Diese sind vor allem Menschen mit Migrationsgeschichte, die der Kreisstadt so etwas zurückgeben und mit den Einwohnern in Kontakt treten möchten.

Wenn wir uns auf unsere Menschlichkeit verlassen, ist jeder von uns zu Großem fähig. Vorgemacht hat dies Wilhelm Hammann aus Biebesheim, Lehrer und kurz nach dem 2. Weltkrieg Landrat des Kreises Groß-Gerau, der nicht nur das Konzentrationslager Buchenwald überlebt, sondern dort außerdem 159 jüdische Jungen vor dem Todesmarsch bewahrt hatte. Dafür ist er von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel 1984 als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt worden. Bernd Heyl hat Wilhelm Hammann nun mit einer Biografie ein Denkmal gesetzt.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert