Das Volkshaus als Zentrum

Von Ulf Krone-
Für das Leben in einer Gemeinde sind Gemeinschaftsorte und Treffpunkte von großer Bedeutung. In Klein-Gerau war und ist ein solcher Ort das Volkshaus in der Gartenstraße. Dass das so ist und auch so bleibt, darum kümmert sich seit Ende des 2. Weltkriegs die Volkshausgemeinschaft – in Abstimmung mit der Gemeinde. Beide sind sich einig, dass größerer Sanierungsbedarf besteht. Worum es genau geht, wie weit die Planungen sind und welche Bedeutung der Kauf des angrenzenden Gerbig-Grundstücks in Zukunft haben könnte, hat Ulf Krone bei Georg Eßinger, dem Vorsitzenden der Volkshausgemeinschaft, nachgefragt.
Sie sind Vorsitzender des Vereins Volkshausgemeinschaft Klein-Gerau. Seit wann gibt es den Verein, und worum geht es dabei grundsätzlich?
Georg Eßinger: Die Geschichte des Volkshaus beginnt vor fast 100 Jahren. 1930 konnte die in den 1920-er Jahren gegründete Arbeiter-, Sport- und Sängervereinigung (ASSV) eine Holzhalle, die zuvor als Mannschaftsunterkunft auf einem Truppenübungsplatz bei Griesheim gedient hatte, kaufen und auf ihrem Gelände in der Gartenstraße 16 aufstellen. Zur Kerb 1930 wurde die Halle mit einer zusätzlich angebauten Gaststätte, dem heutigen Sitzungszimmer, eingeweiht. 1933 kam es zur Enteignung durch die Nationalsozialisten. Nach dem 2. Weltkrieg gründeten 1946 frühere ASSV-Mitglieder die Volkshausgemeinschaft Klein-Gerau, unseren seit Anfang 1947 eingetragenen Verein. Im Februar 1947 erhielt das Volkshaus die Konzession zur Wiedereröffnung. Von 1964 bis 1966 erfolgte ein umfangreicher Umbau. Die alte Holzhalle wurde durch einen Saalneubau mit Bühne ersetzt. Gaststätte und Wohnung für den Wirt wurden angebaut. Nach einem Brand 1971 wurde die Gaststätte umgebaut. Letzte größere bauliche Veränderung war Ende der 80er Jahre der Anbau des Foyers und der Toilettenanlage für den Saal. Zehn Jahre später wurde die Saalheizung erneuert.
Welche Bedeutung hat das Volkshaus für Klein–Gerau Ihrer Meinung nach?
Georg Eßinger: Das Volkshaus steht den Vereinen Klein-Geraus, seit 1977 ganz Büttelborns, für sportliche und kulturelle Veranstaltungen unentgeltlich zur Verfügung. Vor allem der SV1912 Klein-Gerau ist regelmäßig mit Übungsgruppen der Abteilung Tanzen im Volkshaus und veranstaltet auch immer wieder Basare. Politische Entscheidungen fallen bei Sitzungen der Gemeindevertreter und -vertreterinnen im Volkshaus. Die Gemeinde nutzt das Volkshaus weiterhin für Veranstaltungen des „Café Extra“ oder für Seniorennachmittage. Während der Restaurierung unserer Kirche vor ein paar Jahren war das Volkshaus auch ein Raum für Gottesdienste. Ebenso finden private Feiern statt. Und es wird getanzt im Volkshaussaal. Das Volkshaus war und ist, vor allem auch wegen seiner Gaststätte, das dörfliche Zentrum, quasi der Meetingpoint Klein-Geraus. Dies auch weiterhin zu erhalten, haben wir vom Vorstand der Volkshausgemeinschaft uns zum Ziel gesetzt.
Vor einem halben Jahr haben Vanessa und Giovanni Gennaro das Restaurant übernommen. Sind Sie bis jetzt zufrieden mit der neuen Gastronomie?
Georg Eßinger: Ja. Wir sind bislang mit unseren neuen Wirtsleuten sehr zufrieden. Nachdem die letzten Pächter „Taki und Maria“ nach fast acht guten Jahren in den verdienten Ruhestand nach Griechenland gezogen sind, war es keine leichte Aufgabe, geeignete Nachfolger zu finden. Aber mit unserer Entscheidung für Vanessa und Giovanni Gennaro haben wir eine gute Wahl getroffen. Die Küche überzeugt mit leckeren italienischen Speisen. Aber auch traditionell Einheimisches wie Schnitzel findet man auf der Karte. Zusätzlich zur Speisekarte gibt es auch immer wieder Tagesempfehlungen. Die neue Gastronomie wird gut angenommen. Ich hoffe und wünsche mir für unseren Ort, dass dies auch weiterhin so bleibt. Damit auch zukünftig das „Volkshaus“ seinem Namen alle Ehre macht als Gasthaus für alle Klein-Gerauer und Klein-Gerauerinnen.
Bereits seit einiger Zeit besteht am Gebäude Sanierungsbedarf. Worum geht es dabei?
Georg Eßinger: Wie bereits gesagt, hat sich das Volkshaus seit seinem Bestehen immer weiterentwickelt. Das muss auch in der Zukunft so sein, wobei das Hauptaugenmerk auf der Instandhaltung der Immobilie liegt. Sanierung – möglichst auch energetisch – ist unser ehrgeiziges Ziel für 2026. Seit es die Volkshausgemeinschaft gibt, wurde sie finanziell unterstützt, zunächst von der damals selbständigen Gemeinde Klein-Gerau und nach der Gebietsreform von der Gemeinde Büttelborn, die die bestehenden vertraglichen Zusagen übernommen hat. Volkshausgemeinschaft und die Kommune sind somit in einer Win-Win-Beziehung. Ehrenamtliche des Vereins – vor allem des Vorstands – sorgen für ein funktionierendes Bürgerhaus, die Gemeinde stellt Mittel zur Verfügung, damit das Volkshaus als Bürgerhaus funktionieren kann. Im November 2022 hat die Volkshausgemeinschaft dem Vorstand der Gemeinde Büttelborn die dringend anstehenden Sanierungen vorgetragen. Die Liste der Maßnahmen reicht vom Saaldach mit Dämmung über das Dach des Vorderhauses, Heizung und Lüftung für den Saal, Fassadendämmung, Fenster, Eingangstüren und die Wohnung der Wirtsleute bis zur technischen Infrastruktur. Die grobgeschätzten Kosten lagen damals schon bei circa 600.000 Euro. Die Gemeinde hat zur Unterstützung 2024 und 2025 jeweils 200.000 Euro bereitgestellt, insgesamt also 400.000 Euro.

Wie ist da der aktuelle Stand?
Georg Eßinger: Anfang des Jahres gab es ein Treffen mit Gemeindevorstandsmitgliedern sowie dem Bürgermeister und dem geschäftsführenden Vorstand der Volkshausgemeinschaft in Begleitung unseres Architekten. Es herrschte Übereinstimmung in der Sache. Alle unterstützen die Sanierung. Damit es mit dem Dach losgehen kann, bedarf es noch einer baurechtlichen Zustimmung, doch auch hier befinden wir uns auf einem guten Weg. Welche Sanierungsmaßnahmen in welchem Umfang – auch energetisch – stattfinden können, ist letztlich eine Kostenfrage. Wir müssen auf Sicht fahren und sehen, wie weit wir mit unseren finanziellen Möglichkeiten kommen.
2023 hat die Gemeinde das Nachbargrundstück mit dem sogenannten Gerbig–Haus gekauft. Was ist da geplant?
Georg Eßinger: Die Gemeinde hat das ans Volkshaus grenzende Gerbig-Grundstück gekauft, um ein attraktives Zentrum in der Ortsmitte von Klein-Gerau zu schaffen. Bereits vor einem Jahr hat unser Architekt, Guido Hamm, in einem Plan aufgezeichnet, wie in Kooperation von Gemeinde und Volkshausgemeinschaft die beiden Grundstücke zusammen zu einer attraktiven Ortsmitte mit dem Treffpunkt Volkshaus gestaltet werden können. Vier wesentliche Dinge können realisiert werden. Erstens Parkplätze, bislang am Volkshaus ein Mangel. Zweitens Fläche für Außengastronomie, Stichwort Biergarten. Drittens Grünbereich(e) zum Verweilen mit Bänken, vielleicht auch mit kleinem Spielplatz. Und viertens, der wichtigste Punkt, Zugang zu beiden Bahnsteigen des Bahnhofs durch einen Weg von der Gartenstraße im Süden durch eine Unterführung zum Sportplatz nördlich der Bahnlinie, wo es schon jetzt Park&Ride gibt. Die ersten beiden Punkte erscheinen mir am ehesten umsetzbar. Die Sache mit der Unterführung dürfte langwieriger sein, bis dahin werden wohl noch viele Züge durch Klein-Gerau fahren. Wichtig ist, die Bahn ins Boot zu holen.






