Der Modezirkel in Nauheim

Von Ulf Krone.
Der Modezirkel Nauheim ist angekommen in den neuen Räumen in der Galerie in der Konrad-Adenauer-Allee 33. Dort empfängt mich Ela Bertram (l.) von der Diakonie. Sie ist die verantwortliche Koordinatorin des Projekts, das seit 2022 von Gemeinde und Diakonie getragen wird. Mit dabei sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen (v.r.) Petra Nickel, Ute Brunken und Ute Janke.
Mehr Platz gibt es zwar nicht am neuen Standort, dafür ist es „einfach nur schöner, zugänglicher, offener, eine schönere Atmosphäre als in der Georg-Schad-Halle“ zuvor, verrät Bertram, der die Leidenschaft für das Projekt vom ersten Augenblick unseres Gesprächs anzumerken ist.
Es gibt große Schaufenster, die jede Menge Licht hineinlassen und die Kleidung auf den üppig gefüllten Ständern und in den Regalen gut zur Geltung bringen. Der Modezirkel ist jetzt eine echte Boutique. Ela Bertram berichtet, dass sich die Qualität der gespendeten Kleidung ebenfalls verbessert habe, denn beim Modezirkel gehen gesellschaftliche und ökologische Aspekte Hand in Hand. Es geht um Kreislaufwirtschaft, um die Vermeidung von Müll, und es geht um gute Qualität zu fairen Preisen. Der Modezirkel ist nicht der richtige Ort, um ungewollte Kleidung zu entsorgen. Die Sachen sollten in Ordnung sowie gewaschen und gebügelt sein.
Grundsätzlich sei der Betrieb am neuen Standort sehr gut angelaufen. Es wurde bereits üppig gespendet. „Wir haben wahnsinnig viel im Keller, was wir noch durchgucken müssen. Wir haben zwei Kellerräume, wofür wir sehr dankbar sind.“ Denn der Platz zum Lagern der Kleidung ist ein weiterer Unterschied zum früheren Standort. Zuvor hatte durch den Kontakt zur Gemeinde die Möglichkeit bestanden, Kleidung im Bauhof zu lagern, was alles andere als ideal war.

„Jetzt können wir halt auch im laufenden Betrieb nachlegen. Wir schauen nun, dass die Kleiderständer nicht mehr so brechend voll sind wie in der Georg-Schad-Halle. Da war es manchmal nach der Spendenannahme so, dass man eigentlich gar keine Lust hatte durchzugucken, weil es einen erschlagen hat.“ Petra Nickel, Fachdienstleitung Soziales, Sport, Kultur und Ehrenamt bei der Gemeinde, die auch zu unserem Gespräch im Modezirkel vorbeischaut, ergänzt, dass auch die schiere Menge manchmal ein bisschen zu viel gewesen sei. Laut Ela Bertram halte es sich mittlerweile aber einigermaßen die Waage. Und was am Ende beim Modezirkel keinen neuen Besitzer gefunden hat, wird trotzdem nicht weggeworfen.
„Wir haben diesen tollen Kontakt zur Drogenhilfe nach Frankfurt, über eine Ehrenamtliche. Die fast alles. Und dann haben wir auch schon nach Tschechien und in die Ukraine gespendet.“ Ela Bertram, Petra Nickel und allen derzeit zehn ehrenamtlichen Helferinnen beim Modezirkel ist das eine Herzensangelegenheit. Der Modezirkel ist wie viele ähnliche Projekte Gegenpol und Gegenentwurf zu Fast Fashion, der Wegwerf-Mode großer Ketten.
In der Georg-Schad-Halle war nur mittwochs geöffnet, jetzt ist der Montag dazugekommen. Montags ist von 16 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Spenden-Annahme ist zweimal im Monat, am 1. Dienstag des Monats von 11 bis 13 Uhr und am 3. Dienstag von 16 bis 18 Uhr. Das Angebot umfasst Damen- und Herren- sowie Kinder-Mode, Schuhe und Accessoires.
„Wir haben wirklich schöne Säuglingssachen, für Babys, und es ist wirklich schade, dass da bislang so wenig geholt wird“, sagt Ela Bertram. Vielleicht ändert sich das noch.
Über den Standort sind alle, Ela Bertram, Petra Nickel und die Ehrenamtlichen sehr glücklich, vor allem die gute Zusammenarbeit wird gelobt. Ob Eigentümer Michael Adrian, der der Gemeinde, die den großen Teil der Finanzierung trägt, mit der Miete sehr entgegengekommen sei, der „tolle“ Hausmeister Dominik Klaus oder die Bewohner von Altenheim und betreutem Wohnen nebenan, die die Damen vom Modezirkel mit Pralinen, Säften, Gummibärchen und sogar Sekt „umtütteln“. Alle seien äußerst freundlich und entgegenkommend.
Und je besser der Modezirkel läuft, desto besser für die Umwelt und für zahlreiche Einrichtungen und soziale Projekte, an die die Einnahmen weitergegeben werden – überwiegend direkt vor Ort in Nauheim, von Kitas bis zur DLRG. Schauen sie doch mal vorbei!
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