Groß-Gerauer mit Leib und Seele

Von Ulf Krone.
Nach einiger Zeit, in der die Stelle der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Kreisstadt unbesetzt gewesen und die Aufgabe zeitweise kommissarisch vom Wirtschaftsprüfer Thorsten Eisenhofer übernommen worden war, hat Anfang des Jahres Jörg Monzheimer seinen Dienst angetreten. Über den Wechsel vom Echo ins Stadthaus, den Unterschied zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit und die neuen Herausforderungen in Zeiten von Internet und Social Media hat er mit WIR-Redakteur Ulf Krone gesprochen.
Nach Jahren als Redakteur beim Echo haben Sie Anfang des Jahres die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Stadthaus in Groß-Gerau übernommen. Wie kam es zu dem Wechsel?
Jörg Monzheimer: Ich hatte große Lust, noch einmal etwas anderes zu machen. Nehme ich die Zeit als freier Mitarbeiter dazu – ich habe als Student damit begonnen, für die seinerzeitige „Heimatzeitung“ zu schreiben – dann waren es 33 Jahre, die ich für die Zeitung aktiv war. Irgendwann stellt sich dann die Frage, ob man sich nicht doch noch einmal einer neuen Herausforderung stellen will. Ich bin Groß-Gerauer mit Leib und Seele, schätze unsere Stadt und ihre Größe sehr, weil man sich hier kennt, es nicht anonym zugeht. Ich glaube auch sagen zu können, dass ich über eine ganz gute Expertise zu Groß-Gerau verfüge. Als die Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt ausgeschrieben war, habe ich mir gedacht, das könnte etwas für dich sein. Es hätte wenige andere Stellen gegeben, für die ich meine Tätigkeit beim Echo aufgegeben hätte. Für die eigene Stadt zu arbeiten, meine Erfahrungen für sie einbringen zu können, hat mich gereizt.
Ich bin beim Echo nicht im Groll geschieden. Eine Lokalzeitung sollte aus meiner Sicht aber das lokale Geschehen abbilden, Vereine und Veranstaltungen berücksichtigen. Das ist derzeit nur noch bedingt der Fall. Mir ist bewusst, dass eine derartige Berichterstattung keine großen Klickzahlen bringt. Den Abschied aber hat mir diese Ausrichtung erleichtert.
Wie haben Sie die ersten Wochen in der neuen Funktion erlebt?
Jörg Monzheimer: Nachdem die Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit längere Zeit verwaist war, erlebe ich in der Verwaltung ein großes Bedürfnis, nach außen zu kommunizieren. Auch wenn wir ohne verabschiedeten Haushalt in einer schwierigen Situation sind, ist es mitnichten so, dass nichts passiert. Es gibt vieles, was es verdient, in die Öffentlichkeit getragen zu werden. Das muss nicht immer etwas Großes, sondern kann auch die Neugestaltung eines Jugendraums sein. Ich erlebe im Haus viele motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Groß-Gerau voranbringen wollen. Persönlich bin ich hier mit offenen Armen und herzlich empfangen worden, das ist eine schöne Erfahrung. Inhaltlich ging es gleich in die Vollen, und das ist auch gut so. Mit dem Bürgerbegehren zu den Kitas, der Entscheidung zum Rechenzentrum oder der Aufregung um die Gedenkveranstaltung am 27. Januar waren große Themen dabei, zu denen wir auch Anfragen überregionaler Medien hatten. Besonders gefreut hat mich die große mediale Resonanz auf die Pizzakarton-Werbeaktion unserer Freiwilligen Feuerwehren. Es kommt schließlich nicht jeden Tag vor, dass Groß-Gerau sogar bundesweit im Fernsehen auftaucht.

Die Aufgabe bei der Kreisstadt kommt ja quasi einem Seitenwechsel gleich. Jetzt schreiben Sie die Pressemitteilungen, die Sie früher täglich erhalten haben. Erläutern Sie unseren Lesern bitte einmal den grundlegenden Unterschied zwischen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und der journalistischen Berichterstattung!
Jörg Monzheimer: Mit dem Seitenwechsel haben Sie recht. In der journalistischen Berichterstattung ist man vermutlich etwas freier, kann sich seine Themen in stärkerem Maße aussuchen und kritisiert schon mal, wobei die Trennung zwischen Artikel und Kommentar zwingend eingehalten werden sollte, ja muss. Jetzt geht es darum, positive Dinge herauszustreichen und gegebenenfalls zu erklären, weshalb manches nicht so schnell vorangeht, wie man es sich wünscht. Einen Bebauungsplan bekommen Sie nicht in vier Monaten hin, weil viele gesetzliche Vorgaben zu erfüllen sind und eine Vielzahl an Beteiligten gehört werden muss. Der Seitenwechsel bedeutet nicht, dass nun permanent Jubelartikel kommen werden. Wir wollen offen und ehrlich kommunizieren, darin besteht auch Einigkeit mit unserem Bürgermeister Jörg Rüddenklau. Klar ist, dass in vielen Fällen abgestimmt werden muss, was wann und wie nach außen geht. Das ist definitiv ein Unterschied zu früher. Wenn ich auf die Tätigkeit insgesamt schaue, ist die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wesentlich weiter gefasst als mein voriges Aufgabenfeld. Das Verfassen von Pressemitteilungen und Grußworten, die Beantwortung von Anfragen, das Bestücken der Homepage, die Unterstützung bei Veranstaltungen, organisatorische Fragen, all das gehört dazu.
Wird sich mit Ihnen etwas an der Außendarstellung Groß-Geraus ändern, oder ist bereits alles gut, so wie es ist?
Jörg Monzheimer: Ich hoffe doch, dass es gelingt, die Außendarstellung Groß-Geraus zu verbessern. Die Webseite der Stadt muss in stärkerem Maß als früher zur Anlaufstelle für verlässliche und gut aufbereitete Informationen werden – sei es zu Straßensperrungen, der nächsten Bürgerversammlung, Entscheidungen des Stadtparlaments, Wahlen, der Arbeit des Winterdiensts, dem Engagement unserer Freiwilligen Feuerwehren oder auch zu Haushalt und Bauprojekten. Da wir es – bedauerlicherweise, wie ich ausdrücklich hinzufüge, mit Reichweitenverlusten bei traditionellen (Print)Medien zu tun haben, werden Kommunen mehr für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit tun müssen. Wenn ich auf die zurückliegenden Wochen schaue, wage ich zu behaupten, dass wir da auf gutem Wege sind. Sowohl auf der Webseite als auch in unseren Social-Media-Kanälen, die federführend unser Wirtschaftsförderer Thorsten Eisenhofer betreut, dreht sich inzwischen eine Menge. Die Zusammenarbeit mit ihm ist für mich und die Stadt ein großer Gewinn. Wenn ich mir die Grundstimmung in Deutschland so anschaue, frage ich mich häufiger, warum vieles so negativ gesehen wird. Nicht alles läuft rund, aber insgesamt sind wir nach wie vor in einer Lage, um die uns Milliarden Menschen auf der Welt beneiden. Meine Hoffnung wäre, dass es uns gelingt, das Gemeinschaftsgefühl in Groß-Gerau und seinen Stadtteilen zu stärken, raus aus der Meckerecke und rein ins Tun zu kommen. Die Stadt: Das ist nicht die Politik und nicht die Verwaltung, das sind wir alle zusammen.
Wo liegen für Sie die Herausforderungen in der Zukunft? Wird es die Kreisstadt bald auch auf TikTok geben, oder bekommt Jörg Rüddenklau ebenfalls einen Avatar wie sein Kollege Marcus Merkel in Büttelborn?
Jörg Monzheimer: Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen – dieses Bonmot wird unter anderem Mark Twain und Winston Churchill zugeschrieben. Zutreffend ist es. Man wird als Kommune nicht jeden Kanal bedienen können. Die Entwicklungen in diesem Sektor sind schnelllebig, sodass man immer wieder neu reagieren muss. Es gilt, unser Social-Media-Konzept regelmäßig entsprechend anzupassen. Eine der großen Herausforderungen für die Zukunft ist die Heterogenität unserer Zielgruppen. Junge Leute erreichen Sie heute in vielen Fällen am besten mit Videos. Schauen Sie ruhig mal auf die städtische Facebook- oder Instagram-Seite. Dann gibt es andere Gruppen, die sich einen klassischen Newsletter in Mail-Form wünschen. Auch darüber denken wir nach.
Nicht zu vernachlässigen sind die Tagespresse und Monatsmagazine, die ebenfalls bedient werden wollen. Sie sind für uns wichtige Partner, erreichen noch einmal andere Zielgruppen. Berücksichtigen muss man aber auch, dass wir im Stadthaus kein großes Team für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit haben. Ob Jörg Rüddenklau eines Tages einen Avatar bekommt, wir Übersetzungen der Webseite in andere Sprachen haben werden – das muss sich zeigen. Vieles ist im Fluss, soll sich entwickeln. Eines aber kann ich versprechen: Wir arbeiten permanent am Außenauftritt unserer Stadt.






