Machen, nicht meckern

Von Ulf Krone.

Auch in Büttelborn steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze des Gemeindeparlaments. Martina Herrlich ist in der Gemeinde keine Unbekannte, schon seit einigen Jahren ist das CDU-Mitglied politisch in der Gemeinde aktiv. Damit ist sie in den Fußstapfen ihres Vaters Hans Nau unterwegs, der über Jahrzehnte für die CDU im Kreis und in der Gemeinde aktiv gewesen ist. Was ihr das Amt bedeutet, weshalb Engagement vor Ort in der eigenen Gemeinde gerade heutzutage so wichtig ist und welche Themen ihr besonders wichtig sind, hat sie WIR-Redakteur Ulf Krone verraten.

Als gebürtige Büttelbornerin, die sich nun schon seit einigen Jahren in der Kommunalpolitik engagiert, kennt man Sie in der Gemeinde. Stellen Sie sich unseren Lesern trotzdem bitte noch einmal kurz vor!

Martina Herrlich: Ja, sehr gerne. Ich bin 60 Jahre alt, verheiratet, habe zwei erwachsene Töchter und zwei Enkelkinder und lebe mit meiner Familie schon immer in Büttelborn. Als gelernte Bankfachwirtin übernahm ich 1999 nach dem Tod meiner Mutter das von ihr geführte Sportfachgeschäft „Sport Treff“ in Büttelborn. Gemeinsam mit meinem Mann habe ich es bis Ende 2017 geführt. Durch die aktive Teilnahme in verschiedenen Gruppen, Vereinen und den langjährigen Kundenkontakt über das Sportgeschäft bin ich mit meiner Heimatgemeinde sehr verbunden.

Was hat Sie dazu bewogen, sich vor Ort politisch zu engagieren?

Martina Herrlich: Das ehrenamtliche Engagement in Vereinen, Kultur und Politik war in meinem Elternhaus stark ausgeprägt. Auch war ich durch unsere Töchter viel als Elternbeirätin in der Kita oder Schule tätig. Das Mitgestalten und Mitwirken in Teams hat mir schon immer Freude bereitet. Dabei war das Motto „Nicht meckern, sondern machen“ ein Stück weit mein Antrieb.

Meistens engagieren sich Menschen in der Politik, weil sie gefragt werden. So war es auch bei mir. Im Jahr 2020, mitten in der Corona-Krise, entschied ich mich schließlich, mich in meiner Heimatgemeinde auch politisch einzubringen und Dinge vor Ort mitzugestalten.

Was bedeutet es Ihnen, nun als erste Frau den Vorsitz der Gemeindevertretung in Büttelborn zu übernehmen – noch dazu als CDU-Mitglied unter einem SPD-Bürgermeister?

Martina Herrlich: Das Amt der Vorsitzenden der Gemeindevertretung ist in erster Linie neutral im Sinne der gesamten Gemeinde gemäß unserer Geschäftsordnung auszuüben. Es ist für mich eine Ehre und zugleich eine Herausforderung, von allen Fraktionen einstimmig gewählt als erste Frau und erstes CDU-Mitglied in Büttelborn dieses Amt auszuüben. Wie ich bereits in meiner Antrittsrede sagte, begegne ich dieser Aufgabe mit Demut und Respekt. Was die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister betrifft, bin ich optimistisch, dass ich als Vorsitzende der kommunalen Legislative (Gemeindevertretung) und der Bürgermeister als Spitze der Exekutive (Verwaltung/Gemeindevorstand) konstruktiv und zielorientiert miteinander arbeiten.

Als „erste Bürgerin“ sind Sie nun so etwas wie die Hüterin der guten Umgangsformen im Parlament. Worauf legen Sie besonders Wert, was ist Ihnen besonders wichtig?

Martina Herrlich: Für mich ist es wichtig, dass alle Beteiligten das gemeinsame Ziel verfolgen, unsere Gemeinde gut zu organisieren und voranzubringen. Das ist in Zeiten extremer finanzieller Belastungen der Kommunen nicht einfach. Da stehen sich schon mal die unterschiedlichen Ansätze der Fraktionen gegenüber. Deshalb ist ein pragmatisches, konstruktives Miteinander der ehrenamtlichen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter sowie ein respektvoller Umgang untereinander wichtig. Die Erfahrungen der ersten Wochen dieser Wahlperiode haben gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.

Aktuell stehen Demokratien überall auf der Welt unter Druck – auch hierzulande. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Kommunalpolitik bei der Verteidigung und Stärkung unserer demokratischen Ordnung?

Martina Herrlich: Meiner Ansicht nach spielt die kommunalpolitische Ebene eine sehr wichtige Rolle für unsere Demokratie. Hier erleben die Menschen Politik direkt. Das fängt bei der Infrastruktur der Verwaltung im Bürgerservice an, geht über die Möglichkeiten der Kinderbetreuung und die Höhe der Steuerbelastung bis hin zur Bereitstellung von freiwilligen Leistungen in der Vereinsförderung, um nur einige Beispiele zu nennen. Es ist wichtig, dass sich die Kommunalpolitik dieser Themen annimmt und versucht, eine gute ausgleichende Lösung zu finden. Dabei kann es aber auch zu Einschränkungen bzw. Kürzungen kommen, da in der aktuell schwierigen Finanzlage eben nicht mehr alles finanzierbar ist. Eine gute Information und Kommunikation können Akzeptanz und Verständnis dafür fördern. Die aktuellen verstärkten Forderungen nach einer besseren finanziellen Ausstattung der Kommunen durch Bund und Land zeigen, dass die Problematik der kommunalen Unterfinanzierung angegangen werden muss.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Gemeinde in den kommenden fünf Jahren?

Martina Herrlich: In den kommenden Jahren ist es vor allem wichtig, den Haushaltsplan frühzeitig und mit Weitsicht aufzustellen. Es gibt große Bauprojekte wie das neue Rettungszentrum, das Funktionsgebäude am Sportplatz, die Kita-Erweiterung und die Sanierung des Bauhofs, die weiter begleitet werden müssen. Auch die Lösung für den Sportplatz in Klein-Gerau, die 4. Reinigungsstufe der Kläranlage und die verschiedenen Stadtumbauprojekte werden vor dem Hintergrund der prekären finanziellen Situation eine Herausforderung darstellen. Dabei wird es wichtig sein, die Frage zu klären, was wir uns wie und wann leisten können und welche Belastungen dadurch auf die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, die Gewerbetreibenden und natürlich auch auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung zukommen und vertretbar sind.

Gemeinde Büttelborn

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert