Die Dinge voranbringen

Von Axel Schiel.
Im Podcast „Druckreif“ spricht Handwerkskammer-Präsidentin Susanne Haus über Verantwortung, Fachkräftemangel und die Zukunft des Handwerks.
Was treibt eine Unternehmerin an, die neben ihrem eigenen Betrieb auch noch Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ist? Im Podcast „Druckreif – Das Redaktionsgespräch“ spricht Malermeisterin Susanne Haus mit Moderator Axel Schiel über Verantwortung, Engagement und die Herausforderungen, vor denen das Handwerk heute steht.
Schon zu Beginn wird deutlich: Stillstand ist nicht ihr Ding. „Ich mische gerne überall mit und bringe die Dinge gern voran“, sagt Haus. Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Ob im eigenen Familienbetrieb, in der Handwerkspolitik oder im Ehrenamt – sie möchte gestalten statt verwalten. Dabei kritisiert sie nicht einzelne Personen, sondern Strukturen. Zu oft würden Sitzungen stattfinden, ohne dass konkrete Ergebnisse erzielt würden. Ihr eigener Anspruch sei ein anderer: Probleme anpacken, Lösungen entwickeln und Projekte voranbringen. Als Leiterin einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe legte sie deshalb bereits in der ersten Sitzung konkrete Ergebnisse auf den Tisch – sehr zur Überraschung der übrigen Teilnehmer.

Handwerk ist weit mehr als Arbeit
Leidenschaftlich spricht Susanne Haus über das Handwerk selbst. Für sie geht es dabei nicht nur um Berufe, sondern um Kreativität, Wissen und kulturelles Erbe. Gerade seltene Gewerke wie Drechsler, Instrumentenbauer oder Holzbildhauer faszinierten sie.
„Am liebsten würde ich noch drei, vier oder fünf Berufe lernen“, sagt sie. Nicht, um den Beruf zu wechseln, sondern um besser zu verstehen, welches Wissen und welche Fähigkeiten hinter den einzelnen Handwerken stecken. Dieses Wissen verdiene deutlich mehr Wertschätzung. Dabei räumt sie auch mit einem alten Vorurteil auf. Handwerk und Intelligenz seien kein Widerspruch. Im Gegenteil: Viele Gewerke verlangten ein hohes Maß an Fachwissen, Kreativität und Problemlösungskompetenz. Mit einem Augenzwinkern formuliert sie: „Wenn es fürs Handwerk nicht reicht, kannst du immer noch studieren.“
Nachwuchs früh begeistern
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Berufsorientierung junger Menschen. Haus ist überzeugt, dass Kinder und Jugendliche viel früher erfahren sollten, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.
Ihr Wunsch: Berufsorientierung als fester Bestandteil des Unterrichts – beginnend bereits in der fünften Klasse. Junge Menschen müssten ihre eigenen Talente entdecken und unterschiedliche Berufsbilder kennenlernen. Schule solle nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch auf das Leben vorbereiten.
Das Handwerk und Künstliche Intelligenz
Auch die Rolle der Künstlichen Intelligenz kommt zur Sprache. Zwar werde Technologie das Handwerk verändern, glaubt Haus. Dennoch gebe es Fähigkeiten, die Maschinen auf absehbare Zeit nicht ersetzen könnten.
Ein Handwerker müsse Materialien verstehen, Situationen einschätzen und vor allem Menschen lesen können. Welche Atmosphäre wünschen sich Kunden? Welche Lösung passt wirklich zu ihrem Zuhause? Dieses Gespür entstehe aus Erfahrung – und nicht aus Algorithmen.
Verantwortung hat viele Gesichter
Neben den beruflichen Themen spricht Susanne Haus sehr offen über persönliche Belastungen. Als Unternehmerin trägt sie Verantwortung für ihre Mitarbeiter, kümmert sich um ihre pflegebedürftigen Eltern und engagiert sich in zahlreichen Ehrenämtern.
Es gebe Tage, an denen sie sich frage, ob sie das alles noch schaffen könne. Dennoch überwiege die Freude an ihrer Arbeit.
Gerade diese Mischung aus Offenheit, Tatkraft und Leidenschaft macht das Gespräch so hörenswert. Es zeigt eine Frau, die nicht nur über das Handwerk spricht, sondern dessen Werte lebt: Verantwortung übernehmen, anpacken und gemeinsam Lösungen finden.




