Viel mehr als Uhren reparieren

Von Axel Schiel.

Im Podcast „Druckreif“ erzählt ein Uhrmacher von einem selten gewordenen Handwerk, überraschenden Karrierewegen und der Bedeutung guter Netzwerke.

Was macht ein Uhrmacher eigentlich den ganzen Tag? Uhren bauen? Tatsächlich gehört das Anfertigen einzelner Uhrenteile noch immer zur Ausbildung, und auch beim Gesellen- oder Meisterstück kann eine eigene Uhr entstehen. Der Berufsalltag sieht jedoch häufig anders aus.

Im Podcast „Druckreif – Das Redaktionsgespräch“ spricht Gastgeber Axel Schiel mit einem Uhrmacher über einen Beruf, der selten geworden ist – und gleichzeitig viel vielseitiger ist, als man zunächst vermuten könnte. „Im täglichen Leben ist man mehr Reparateur“, beschreibt der Handwerker seine Arbeit. Die Uhr an seinem eigenen Handgelenk ist trotzdem etwas Besonderes: Er hat sie selbst designt und aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt. Uhrwerk, Gehäuse und bedrucktes Zifferblatt wurden beschafft, die fertige Uhr montierte er selbst.

Doch das Uhrmacherhandwerk endet keineswegs bei Armbanduhren. „Handwerk ist so vielschichtig. Man kann alles machen“, sagt der Podcast-Gast. Uhrmacher können klassisch in einer Werkstatt arbeiten, aber ebenso in die Industrie wechseln und dort beispielsweise an der Entwicklung neuer Modelle beteiligt sein. Die Tätigkeit könne dann durchaus Züge eines Ingenieurberufs annehmen. Und manchmal werden die Dimensionen deutlich größer: Jahrelang kümmerte sich der Uhrmacher um eine Turmuhr in einem Rathaus. Wartung und Reparaturen gehörten ebenso dazu wie zweimal jährlich die Umstellung der Uhrzeit.

Ein kleines Gewerk mit einer Stimme

Eine weitere Seite seines Berufslebens spielt sich weit entfernt von Zahnrädern und Uhrwerken ab. Der Handwerksmeister engagiert sich intensiv in der Handwerksorganisation. Netzwerken sei schlicht „sein Ding“, erzählt er im Gespräch. Er suche den Kontakt, treffe gerne interessante Menschen und bringe sich ein. Dabei vertritt er als Uhrmacher ein vergleichsweise kleines Gewerk. In seiner Innung an der Bergstraße seien es lediglich 19 Mitglieder. Andere Gewerke kommen auf deutlich größere Zahlen. Das hindert ihn nicht daran, sich auch dort einzubringen.

Gerade darin zeigt sich für ihn eine Stärke des organisierten Handwerks: Wer Verantwortung übernimmt, vertritt nicht ausschließlich den eigenen Beruf, sondern muss auch die Interessen anderer Gewerke verstehen und mitdenken.

Das Gespräch bei „Druckreif“ gibt damit einen Einblick in einen Beruf, den viele Menschen hauptsächlich mit dem Batteriewechsel oder der Reparatur einer Armbanduhr verbinden. Tatsächlich reicht die Welt eines Uhrmachers von feinster Mechanik über Gestaltung und Reparatur bis zu Industrie, Technik und Ehrenamt. Und vielleicht liegt gerade darin eine der Botschaften des Gesprächs: Hinter vielen traditionellen Handwerksberufen steckt heute erheblich mehr, als ihre Berufsbezeichnung auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die komplette Folge von „Druckreif – Das Redaktionsgespräch“ gibt es auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.

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