Ich hab Schiss

Von Edelgard Rietz.

Es ist schon länger her. Irgendwann hab ich etwas verbockt und hinterher ein schlechtes Gewissen gehabt. Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. Nur mein Bedürfnis nach „Buße tun“, das ist hängen geblieben.

Ich musste etwas tun, was wirklich weh tut, also Blut spenden. Ich habe Angst vor jeder Spritze, schon seit Kindertagen. Wenn ich das schaffe, ist mein Gewissen wieder rein.

Also zum Blutspende-Termin vom Roten Kreuz. Ich sag noch einer Kollegin, die dort ehrenamtlich arbeitet, Bescheid, dass ich ihre Unterstützung brauche. Ich bin ja neu dort. Ganz am Anfang nimmt mir ein junger Mann aus der Fingerkuppe Blut ab, um meine Blutgruppe zu bestimmen. Dann sieht er mich an und sagt mit einem süffisanten Lächeln, so kommt es mir jedenfalls vor: „Aah, ein seltener Vogel“. Nee, denke ich, das fängt ja gut an. Dann zur Ärztin Blutdruck messen. Mein „Druck“ war oben, ganz oben. Schließlich kommt die Erlösung. Die Ärztin, die meine Vorgeschichte nicht kennt, sagt: „Heute eher nicht.“ Ich stürme direkt raus, sag gar nicht mehr meiner Kollegin Bescheid, will nur noch weg. Wie doch schlechte Erfahrungen aus der Kindheit bis ins hohe Alter nachwirken. Ich bewundere alle Spender, denn es ist so wichtig. Ich muss also andere soziale Arbeit machen, Blutspenden gehört leider nicht dazu.

Edelgard Rietz
ist Malerin mit Wohnsitz in Groß-Gerau;
edelgard.rietz@gmx.de

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