Von Alltag und Verantwortung

Von Axel S.

Im Podcast „Druckreif – Das Redaktionsgespräch“ stellte sich der Kreisstadt-Bürgermeister Jörg Rüddenklau den Fragen von Moderator Axel S. – und gab dabei ungewöhnlich persönliche Einblicke in Politik, Verwaltung und Privatleben zwischen Haushaltskrise, Vereinsleben, Grundsteuer-Debatten und einem Naschgarten mit Süßkartoffeln und Ingwer.

Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die schwierige Lage vieler Kommunen. Rüddenklau beschreibt offen, wie belastend es sei, Ideen für die eigene Stadt zu haben, diese aber oft aus finanziellen Gründen nicht umsetzen zu können. Viele Kosten seien von Bund und Land vorgegeben, während die Städte und Gemeinden vor Ort die Konsequenzen tragen müssten.

Besonders deutlich wird das beim Thema freiwillige Leistungen. Für den Bürgermeister sind Kulturveranstaltungen, Vereinsarbeit, Jugendangebote oder Seniorenarbeit keine Nebensächlichkeiten, sondern elementar für das gesellschaftliche Zusammenleben. „Wenn wir Kultur und Gemeinschaft abschaffen und uns nur noch auf Pflichtleistungen konzentrieren, dann arbeiten wir gegen die Demokratie“, sagt Rüddenklau im Podcast.

Er beschreibt, dass Demokratie nicht nur in Parlamenten gelernt werde, sondern im Alltag – etwa in Vereinen oder kulturellen Einrichtungen. Dort müssten Menschen miteinander diskutieren, Kompromisse eingehen und unterschiedliche Meinungen aushalten. Genau deshalb seien solche Angebote so wichtig für eine funktionierende Gesellschaft.

Auch die Diskussion um steigende Grundsteuern und knappe Haushalte wird ausführlich thematisiert. Rüddenklau macht deutlich, dass Kommunalpolitik häufig zwischen unangenehmen Entscheidungen wählen müsse. Würden Einnahmen fehlen, drohten massive Einschnitte: „Dann müssten wir Bäder schließen, Jugendhäuser dichtmachen und Seniorenarbeit streichen“, erklärt der Bürgermeister. Gleichzeitig betont er, dass kaum ein Kommunalpolitiker solche Entscheidungen wirklich treffen wolle.

Neben den politischen Themen zeigt das Gespräch auch die menschliche Seite des Bürgermeisters. Rüddenklau erzählt von seinem Alltag mit zehn oder mehr Terminen pro Tag, davon, wie er beim Bäcker auf wackelnde Kanaldeckel angesprochen wird und warum er trotz aller Belastung Freude an seinem Amt hat. Besonders wichtig sei ihm der direkte Austausch mit den Menschen.

Auch seine Biografie spielt im Podcast eine große Rolle. Bereits als Jugendlicher engagierte sich Rüddenklau in der evangelischen Jugendarbeit, bei der Feuerwehr und in Vereinen. Politisch aktiv wurde er zunächst bei der Grünen Jugend Hessen, später wechselte er zur SPD. Heute versteht er sich vor allem als Bürgermeister für alle Menschen in Groß-Gerau – unabhängig von Parteigrenzen.

Persönlich wird es auch bei Themen abseits der Politik. So spricht Rüddenklau über seine Begeisterung für Schweden, seine Familie und seine große Leidenschaft fürs Gärtnern. Gemeinsam mit seiner Familie betreibt er zuhause einen kleinen Nutzgarten mit Kartoffeln, Spargel, Bohnen, Erdbeeren und Ingwer. Außerdem hält er fünf Bienenvölker und mehrere Hühner. Die Gartenarbeit sei für ihn ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Rathausalltag.

Das Gespräch zeigt einen Bürgermeister, der Politik nicht als Machtfrage versteht, sondern als Verantwortung und Dienst an der Gemeinschaft. Immer wieder betont Rüddenklau, wie wichtig ihm Werte wie Aufrichtigkeit, Loyalität und ein respektvoller Umgang miteinander seien.

Der komplette Podcast „Druckreif – Das Redaktionsgespräch“ mit Bürgermeister Jörg Rüddenklau ist auf YouTube und überall verfügbar, wo es Podcasts gibt.

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