Deal mit Irmgard

Von Edelgard Rietz.
Zu Irmgards 80. Geburtstag habe ich ihr einen Gutschein geschenkt für einen Wunsch, den sie frei wählen kann, wie z.B. einen Ausflug machen, Essengehen oder Ähnliches. Gestern war es nun so weit. Irmgard möchte ihrem Sohn etwas schenken, was er nicht schon vorher weiß. Eine große Überraschung also.
Doch Irmgard ist behindert, kann nichts ohne Hilfe ihres Sohnes machen. Dazu noch Rollator, Stock, Arm und ihre Kommandos. Ich hole Irmgard ab, wir wollen zur Sparkasse in die Innenstadt. Schon das Einsteigen ist mit Kritik verbunden. „Was hast du alles im Kofferraum, nimm das mal weg und leg den Stock hier hin, schieb den Sitz mal zurück, so kann ich nicht einsteigen.“ Dicht vor der Sparkasse halte ich. Ich helfe Irmgard aus dem Auto, bin völlig ungeübt. Bei dem Gewurschtel und der ganzen Prozedur verliert sie einen Schuh, und ehe wir den Fuß da wieder drin haben, vergeht einige Zeit. Ich muss das Auto parken, da wo wir stehen, kann ich nicht bleiben.
Nun also in die Bank und zum Schalter. Irmgard möchte ihrem Sohn Gold schenken. Bei der Bestellung gibt es ein Problem. Irmgard ist bei der Postbank, und die kooperieren nicht mit der Sparkasse. Also biete ich an, alles über mein Konto laufen zu lassen. Die Angestellte kuckt uns beide an und meint, sie müssen aber sehr befreundet sein. Befreundet ja, sehr, weiß ich heute nicht. Wir kennen uns schon bald 50Jahre, da kann ich ihr vertrauen. Irmgard ist nicht gerade arm und bestellt zehn Gramm, bei dem aktuellen Goldpreis sind das über 1000 Euro. Na gut, da werde ich mich mit einem Schuldschein absichern, falls eine von uns das Zeitliche segnet, bevor die Transaktion wieder den umgekehrten Weg macht.
Danach wieder zum Auto. Irmgard ist zufrieden, und wenn ich auch glaubte, sie ist nun friedlich, hören ihre Kommandos nicht auf. Alle Energie, die dem Körper fehlt, ist im Kopf. „Fahr hier rum, da ist eine Einbahnstraße, jetzt rechts, ich denk du kennst dich in Groß-Gerau aus“, usw. usw. Wir parken vor dem Haus. Nun die gleiche Prozedur. Ich bringe Irmgard in die Wohnung mit Rollator, Stock, meinem Arm. Ich kann nur noch lachen. Was bin ich heute früh so ahnungslos aufgestanden. Irmgard bedankt sich, drückt mich. Ich bin fix und fertig. Zum Abschied sage ich ihr, dass dieser Ausflug eine Kolumne wert ist, ob ich das schreiben kann. „Aber nur mit meinem Vornamen.“
Edelgard Rietz
ist Malerin mit Wohnsitz in Groß-Gerau;
edelgard.rietz@gmx.de





