Worüber die Leute reden (278)


Durchmarsch. Sieg bei der Bürgermeisterwahl in Trebur, und das im ersten Wahlgang: Dass Jochen Engel von den Freien Wählern dieser Durchmarsch geglückt ist, kam für viele überraschend. Vielleicht sogar für ihn selbst. Am Wahlabend erlebte er aufgeregt die Auszählung im Ratssaal. Seine Lebensgefährtin Vanessa Becher fiel ihm glückselig als erste um den Hals, als Engel 52,6 Prozent der Stimmen bescheinigt wurden. Vom Wahlkampf bleibt der Unmut vieler Bürger haften, die an einer Podiumsdiskussion teilnehmen wollten, aber nicht konnten. Die Organisatoren einer Tageszeitung hatten den Andrang völlig unterschätzt und in einen zu kleinen Saal eingeladen. Mit dem neuerlichen Auflagenschwund (rund fünf Prozent weniger im jeweils vierten Quartal 2018 gegenüber 2017) hat das natürlich nichts zu tun.


Überpopulation. Manche finden sie putzig, andere aufdringlich: Nutrias. In der Kreisstadt hat die Population der Nagetiere dermaßen zugelegt, dass die Stadt die Tiere bejagen lassen will. Das kommt keineswegs bei allen Bürgern gut an. Dass unaufgeklärte Menschen die Nutrias in falsch interpretierter Tierliebe (an)füttern, ist indes wirklich ein Problem. Ohne natürliche Feinde breiten sich die wohlgenährten Tiere an den Bachläufen weiter aus. Im Nachbarort Nauheim haben sich die Nutrias übrigens rar gemacht – ohne Eingriff der Jäger. „Die Natur hat das von selbst geregelt“, heißt es.


Innenstadt­verdichtung. Zu eng, zu massiv, zu stark versiegelt: Ein Bauantrag sorgt in der Kreisstadt für Diskussionen. Auf einem rückwärtigen Grundstück in der Frankfurter Straße 4 soll ein zweigeschossiges Mehrfamilienhaus errichtet werden, einschließlich einer Tiefgarage mit acht Stellplätzen. Kritisiert wird die zu starke Verdichtung mitten in der Stadt, befürchtet wird der Verlust von Lebensqualität. Doch letztlich ist sich eine parlamentarische Mehrheit einig: Grünes Licht von der Stadt, denn Wohnraum wird dringend benötigt.


Planungsfehler. 2019 soll es in Nauheim endlich gelingen, das Rathaus barrierefrei zu machen – mit einem Aufzug am Eingang zum Bürgerbüro. Schon 2017 gab es eine ähnliche Zusage. Genaugenommen sollte der Lift schon 2016, 2015, 2014 usw. gebaut werden. Wurde er aber nicht, weil sich nach einer Auftragsvergabe herausstellte, dass bei der Planung etwas schief lief. Seitdem streitet sich die Gemeinde mit dem verantwortlichen Architekten, zum Leidwesen von Menschen, denen Treppensteigen zu beschwerlich ist. Für Gesprächsstoff in den Fastnachtsbütten ist jedenfalls auch 2019 gesorgt.

Zahlenspiele. Die sogenannte „Hessenkasse“ macht im Kreis Groß-Gerau Kämmerer, Bürgermeister und den Landrat glücklich. Das Land hilft auf diesem Weg, aus den roten Zahlen zu kommen. Im Fall defizitärer Etats werden alte Schulden aufs Land übertragen. Beim Kreis sind es beispielsweise 253,7 Millionen Euro, in Trebur 16 Millionen Euro. In Kommunen, die schon von sich aus sparsam waren und die Schulden eigenmächtig abbauen konnten, gibt es als Belohnung Investitionszuschüsse. Nauheim kriegt 2,3 Millionen Euro, die Kreisstadt 4,8 Millionen Euro. Als Gegenleistung verpflichten sich die Empfänger, künftig ausgeglichene Haushalte vorzulegen und kurzfristige Kredite zum Erhalt der Liquidität nicht mehr wahllos (wie in der Vergangenheit) aufzunehmen. Ob das auch die Kreditinstitute freut?

Standortwechsel. Marktplatz statt Sandböhl: Der Weihnachtsmarkt in der Kreisstadt soll vom 6. bis 8. Dezember erstmals auf dem Marktplatz veranstaltet werden, weil sich für die Seitenstraßen am Sandböhl zuletzt immer weniger Stände gefunden hätten. Jetzt heißt es, „wir wollen nach 42 Jahren etwas Neues wagen“. Vielleicht bietet ja auch das Areal am Stadthaus genügend Atmosphäre, hoffen die Befürworter einer Verlegung. Vielleicht fehlt genau das, sagen die Skeptiker.

 

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