Editorial

Ulf Krone
ist Redakteur beim WIR-Magazin
und studierter Philosoph;
ulf.krone@wir-in-gg.de


Sommer der Hoffnung

Der Sommer ist da, und es ist ein Sommer der Hoffnung. Zum einen der Hoffnung, die Delta-Variante des Corona-Virus möge uns nicht ähnliches bescheren wie den Briten, zum anderen der Hoffnung, nun beginne jenes Leben nach oder mit Corona, von dem schon so lange die Rede ist. Erste Öffnungsschritte sind getan, und mit ersten Veranstaltungen – zumeist unter freiem Himmel – werden die Erfahrungen gesammelt, die nötig sind, um den Kulturbetrieb wieder in Schwung zu bringen. In wenigen Wochen soll die neue Bundesliga-Saison sogar bereits mit bis zu 25.000 ­Zuschauern in den Stadien stattfinden.

Auch in der Region meldet sich das kulturelle Leben langsam wieder zurück, etwa mit den Veranstaltungen des Kultursommers Südhessen. Aber natürlich sind wir noch weit von dem entfernt, was wir vor der Pandemie als Normalität bezeichnet haben. Und das ist auch gut so, wollen wir nicht dasselbe erleben wie im vergangenen Herbst. Zwar schützt eine vollständige Impfung auch bei den Varianten vor schweren Verläufen, doch schon jetzt wird befürchtet, dass bis zum Ende des Jahres 100.000 Menschen in Deutschland an den so genannten Long-COVID-Symptomen leiden könnten. Ob eine Impfung auch davor schützen kann, ist noch offen.

Bleiben wir also vernünftig und geduldig. Wir sollten die zurückerlangten Freiheiten mit Sinn und Verstand nutzen, dann kann dieser Sommer ein Sommer des Aufatmens werden. Ob Massenveranstaltungen in euphorisierter Stimmung eine gute Idee sind, darf mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft ernsthaft bezweifelt werden. Ein Beisammensein in kleiner Runde im Café nebenan oder ein Konzert in einer lokalen Kultureinrichtung mit einem effektiven Hygiene-Konzept sind da allemal die bessere Wahl.