Editorial


W. Christian Schmitt
ist der für Redaktion, Kultur und Konzeption zuständige Herausgeber des WIR-Magazins;
wcschmitt@wir-in-gg.de

 

Leser haben Anrecht auf guten Journalismus

Journalisten sind – selbstverständlich! – nicht dafür verantwortlich (zu machen), was Tag für Tag (oder sollte man besser in Zeiten des Internets sagen: Stunde für Stunde) in der Welt ringsum, in unserer Republik und unmittelbar vor unserer Haustür im Gerauer Land passiert. Aber Journalisten müssen dafür geradestehen, was sie auswählen und vor allem wie sie darüber ihre Leser, Hörer und TV-Zuschauer informieren, wie sie Wesentliches von Nichtigkeiten trennen. Denn genau das gehört zu den Aufgaben eines Redakteurs.

Während Tageszeitungen also möglichst rasch und vorurteilsfrei das widerspiegeln sollten, was Tags zuvor Menschen, Bürger betraf oder gar betroffen machte, haben z.B. Monatsmagazine wie unser/Ihr WIR etwas andere Aufgaben. Wir wollen jenseits der Tageszeitungs-Hektik Hintergründe transparent machen und dabei Entscheidungsträger im O-Ton beim Wort nehmen, wie wir dies u.a. in unseren Rubriken „Nachgefragt bei…“ oder „WIR-Tischgespräche“ sowie diversen Kolumnen praktizieren. Diese reizvolle Arbeit übe ich nun mit kaum nachlassender Freude seit mehr als 50 Jahren aus. Es geht (mir) dabei u.a. um das immer wieder spannende Sammeln von Lebenserfahrungen wie Entscheidungen Anderer – dem ab und an eigene Ansichten wie Einsichten hinzugefügt werden. Bei all unserer journalistischen Tätigkeit geht es aber vor allem darum, die Leser und deren berechtigte Erwartungen nicht aus den Augen zu verlieren. Denn ohne Leser(interesse) verliert Journalismus seinen Sinn. Wer (seine) Leser nicht mehr ernst nimmt (sondern nur noch sich selbst) und sie weitgehend mit Themen versorgt, die nicht mehr für eine Mehrheit der Leserschaft von Interesse sind, der darf sich über weiter sinkende Druck- wie Abonnentenzahlen jener Zeitung, für die er tätig ist, nicht wundern. Kritiker mögen nun sicher einwenden, dass das WIR-Magazin ja gut reden mag – da es keine Abonnenten hat. Das stimmt in der Tat. WIR hat nur Leser. Und die befinden sich in 27.500 Haushalten im Gerauer Land, die eine wirtschaftlich wie politisch unabhängige Alternative zur Tageszeitung seit fast 20 Jahren zu schätzen gelernt haben.