Editorial

Schwer zu verstehen

Michael Schleidt
ist Herausgeber und Verleger des WIR-Magazins;
michael.schleidt@wir-in-gg.de

Dass am Straßenverkehr Menschen teilnehmen, die wenig Rücksicht nehmen, ist traurig, leider wahr und ein Ärgernis in dem kurzen Abschnitt der Frankfurter Straße am Historischen Rathaus in Groß-Gerau. Der Bereich war ursprünglich Fußgängerzone. Restaurants und ein Café laden zum Verweilen ein und eine langsame Durchfahrt versteht sich eigentlich von selbst.

Die Öffnung für den Verkehr hat Probleme gelöst und neue geschaffen, wie zu schnelles Fahren. Nun wird der Abschnitt neu gestaltet. Naheliegend war ein Blitzer – doch der sei dort nicht installierbar, weil es keine Fahrbahntrennung gebe und in Hessen ein Mindestabstand 100 Metern zum Temposchild gilt, sagt die Stadt. Die vorgeschriebene Distanz ist jedoch in Verwaltungsrichtlinien geregelt und Ausnahmen sind möglich. Ein verkehrsberuhigter Bereich käme aus Gründen des Verkehrsaufkommens nicht in Frage. Doch auch Geschäftsstraßen können verkehrsberuhigt werden. Und welche Verkehrsbelastung ein solcher Bereich tatsächlich verträgt, müsse „am Einzelfall geprüft werden“, schreibt der Verkehrsexperte Markus Herbst auf www.stvo2go.de.

Jetzt wundern sich viele Bürgerinnen und Bürger in der Kreisstadt darüber, dass im fraglichen Abschnitt ausgerechnet eine vier Meter breite Asphaltpiste die dringend notwendige Verkehrsberuhigung bringen soll. Zumal das damit einhergehende „Verbot des Überholens von einspurigen Fahrzeugen“ den fließenden Verkehr nur dann verlangsamen kann, wenn dort auch ein Fahrrad (o.ä.) fährt.

Zugegeben – juristisch ist die Sache kompliziert. Doch genau aus diesem Grund bleibt schwer verständlich, warum weder Verwaltung noch Parlament bei einer Investition von mehr als einer Viertelmillion Euro den Rat von Verkehrsrechtsexperten eingeholt haben.

Wie die Fraktionen aus dem Kreisstadt-Parlament Ihre Entscheidung begründen und was der Verkehrsexperte und Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Bernhard König zu der beschlossenen Umgestaltung am Historischen Rathaus sagt, lesen Sie im WIR-Magazin 329.