Editorial

Eine Tube Zahnpasta

Rainer Beutel
ist Redakteur beim WIR-Magazin;
rainer.beutel@wir-in-gg.de

Die Stimmung im Lande erscheint mir derzeit keineswegs euphorisch. Bei bislang sinkenden (und in Groß-Gerau jüngst wieder steigenden) Fallzahlen der Pandemie wäre anderes zu wünschen gewesen. Doch ein mehr als 100 Tage dauernder Krieg nach der russischen Invasion überlagert jede Lockerung und bremst frühsommerliche Glücksgefühle rücksichtslos aus.

Was bedeutet schon die lang vermisste abendliche Grillparty mit Freunden, wenn tagsüber bei einem ­Begegnungstreffen mit Geflüchteten aus der Ukraine zu beobachten ist, wie ein Junge glücklich nach einer Tube Zahnpasta greift, die den Menschen neben anderen Alltagsgegenständen gespendet wurde? Immerhin steckt hinter dieser Szene auch eine freudige Botschaft – die immense Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und das ehrenamtliche Engagement von Bürgern, die Ukrainer aufgenommen haben, sie tagtäglich ­unterstützen oder in ihrem Haus wohnen lassen.

Vielleicht wird es bald besser, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und dann lässt sich die Gegenwart auch wieder un­beschwerter genießen, etwa bei den Veranstaltungen zum 50-jährige Bestehen des Treburer Fritz-Becker-Schwimmbads oder bei der Lektüre dieser neuerlich interessanten WIR-Ausgabe.