Editorial

Rainer Beutel
ist Redakteur beim WIR-Magazin;
rainer.beutel@wir-in-gg.de


Bewährte Gewohnheit, ohne Schaden

Es wird kurios und ist nicht immer ganz ernst zu nehmen. Kürzlich erhielt ich das Schreiben eines Vereins an seine Mitglieder. Die wichtige Mitteilung des Vorstands ging an Mitglieder:innen. Ja, Sie lesen richtig, liebe Leser:innen – mit Doppelpunkt mitten im Wort. An das Sternchen hat man (oh je, ist das frauenfeindlich?) sich ja beinahe gewöhnt. Etwa, wenn von Bürger*innen die Rede ist. Die Rede? Wie wird das Sternchen eigentlich ausgesprochen? Was passiert mit dem Redefluss, wenn wegen einer gendergerechten Sprache eine Kunstpause mitten im Wort gemacht wird? Es gibt noch andere Varianten verschiedenster Schreiber_innen, die hier gar nicht alle aufgezählt werden können. Es klingt korrekt, geschlechtergerechte Sprache als „Übungssache“ anzusehen, wie es Autorin Julia Korbik („Stand up – Feminismus für alle“) betont. Aber müssen wir alles mitmachen, so gleichberechtigt (hoffentlich) die meisten von uns denken?
Auf den Punkt gebracht: Wir können es übernehmen, aber WIR müssen es nicht. Unser Magazin bleibt, wie viele andere Printmedien, bei der gewohnten Schreibweise, die sich über Jahrhunderte etabliert hat, ohne auch nur den Hauch des Anscheins zu erwecken, sich damit von der gegenwärtig angesagten Geschlechtergerechtigkeit zu distanzieren. Das WIR-Magazin spricht ja mit allen, die was zu sagen haben, die zur Meinungsbildung beitragen und mit ihren Beiträgen helfen, ein lesenswertes Magazin zu gestalten. Seien es nun unsere Kolumnisten oder Interviewpartnerinnen, Bürgermeister oder Stammtischschwestern, äh, Verzeihung, Stammtischbrüder natürlich. Falls nicht, gilt das alte Motto: Ausnahmen bestätigen nur die Regel.
In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser, finden Sie in unserer neuesten Ausgabe, wie gewohnt, reihenweise interessante Beiträge, in denen Frauen und Männer keineswegs sorgfältig symmetrisch benannt sind. Das schadet den Inhalten übrigens kein bisschen

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