Editorial

Rainer Beutel
ist Redakteur beim WIR-Magazin;
rainer.beutel@wir-in-gg.de


Das „erste“ Corona-Jahr?

Was haben Sie gedacht, als Sie Ihren nächsten Verwandten in der Silvesternacht oder tags darauf ein gutes, neues Jahr wünschten? Angebrachter war dieses Begehren vielleicht noch 1945/46. Denn sicherlich wird uns 2020 in sehr unangenehmer Erinnerung bleiben; hoffentlich nicht in einer nun beginnenden Reihe als erstes von vielen Corona-Jahren, die da noch kommen können.

Ich mag nicht schwarzmalen, aber Grund für Zuversicht besteht noch nicht. Die Impfungen haben schleppend begonnen. Eine Herdenimmunität ist noch in weiter Ferne. Die Infektionszahlen blieben zum Jahreswechsel und in der ersten Zeit danach besorgniserregend hoch, von den vielen Toten ganz zu schweigen. Das Virus mutiert, und die Aussagen von Wissenschaftlern und Politiker dazu wirken vage bis hilflos. Dazu der Lockdown mit seinen gravierenden wirtschaftlichen Folgen, deren Tragweite noch nicht absehbar sind.

In den vergangenen Monaten haben immer mehr Menschen festgestellt, dass es richtig ist, solidarisch zusammenzurücken. Das dürfte auch für 2021 ein zentrales Verhaltensmuster werden, wenn wir alle aus dieser Pandemie wieder raus kommen wollen. Es gibt da aber brutale Ausnahmen.

Man rufe sich nur den Tag der Kapitol-Erstürmung in den USA durch den eines irren Präsidenten aufgehetzten Mob ins Gedächtnis … Die nächsten Wochen (respektive Monate oder Jahre?) werden zeigen, wohin uns diese schwere Reise führt. Zuletzt stirbt die Hoffnung, heißt es gemeinhin. Es ging auch nach 1945 weiter. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht gelingt es sogar in einigen Monaten, das 20-jährige Bestehen des WIR-Magazins ein bisschen zu feiern. In diesem Sinne wünsche ich allen WIR-Lesern ein gutes 2021. Bleiben Sie gesund!