Editorial

Michael Schleidt
ist Herausgeber und Verleger des WIR-Magazins;
michael.schleidt@wir-in-gg.de


Jetzt mal ehrlich…

Hatten Sie einen guten Start ins neue Jahr? Blicken Sie eher skeptisch oder mit Optimismus in die Zukunft? Was erwarten Sie vom kommenden Jahrzehnt? Manchem mögen gar – nicht nur wegen des gerade vergangenen Bauhaus-Jahres – die 1920er Jahre in den Sinn gekommen sein. Ob man im Rückblick auf das „Goldene“ Jahrzehnt nun mehr oder weniger Ähnlichkeiten entdecken mag – Geschichte wiederholt sich nicht.

Doch jede Zeit verlangt Entscheidungen. Und wie es scheint, stehen große Aufgaben bevor. Ganz sicher wird der Klimawandel uns beschäftigen. Vieles ist im Umbruch, viel steht auf dem Spiel.
Die Probleme sind echt und mögliche Lösungen komplizierter als es uns recht sein kann. Einen Masterplan zur Rettung der Welt werden wir nicht bekommen. Zu verschieden sind die Sichtweisen, zu unterschiedlich die Ansätze. Und beim Aufschieben der guten Vorsätze helfen die berühmten „2%“, die sich wie eine neue magische Zahl in die Debatte schleichen. Deutschland sei doch nur verantwortlich für „2%“, nur „2%“ der Klimakrise macht der Flugverkehr, hier „2%“, dort „2%“ und so weiter und so fort.

Bei all den Diskussionen wünsche ich mir dieses Jahr mehr Aufrichtigkeit. Es mag ja durchaus gute ­Gründe dafür geben, dass eine vielköpfige Familie ein großes Auto braucht. Das gleiche wird für Reisen gelten und vieles andere mehr. Doch brauchen wir wirklich alles? Müssen wir tatsächlich bis zur Hälfte aller online bestellten Waren wieder über unsere Straßen retour schicken? Ist es notwendig, Lebensmittel zu vernichten? Brauchen wir so viel im Überfluss?

Dabei müssten wir noch nicht einmal verzichten. Dinge ansehen, ausprobieren, zurückgeben und tauschen kann man im regionalen Einzelhandel jederzeit – ohne überfüllte Straßen zu belasten. Beratungskompetenz hilft bei der gezielten Auswahl. Und mit dem eigenen Kaffeebecher für den Coffee-to-go lässt sich gleich tonnenweise Plastikmüll vermeiden. Das WIR-Magazin wünscht Ihnen allen einen guten Jahreslauf.