Positiv in die Zukunft

Von Ulf Krone.

Der neue Wirtschaftsförderer in der Kreisstadt, Thorsten Eisenhofer, sieht Groß-Gerau gut aufgestellt für kommende Herausforderungen, aber Potenzial gibt es natürlich trotzdem. WIR-Redakteur Ulf Krone hat nachgefragt.

Im vergangenen Herbst haben Sie das Amt Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing von Sebastian Hauf übernommen. Wie kam es dazu? Stellen Sie sich unseren Lesern bitte einmal kurz vor!

Thorsten Eisenhofer: Ich lebe mit meiner Frau und unseren beiden Kindern seit 2021 in Groß-Gerau und kann sagen, dass die Kreisstadt wirklich zur Heimat geworden ist. Ich finde es deshalb reizvoll, an der Entwicklung der Stadt mitzuwirken und meine Erfahrungen und Qualifikationen hier vor Ort einzubringen. Deshalb hat mich die Stellenausschreibung von Anfang an angesprochen.

Ich habe Sport, Wirtschaft und Politik studiert und über diese Themenfelder nach einem Volontariat als Journalist berichtet. In den vergangenen sieben Jahren stand bei meinem Job bei der Deutschen Triathlon Union mit Sitz in Frankfurt der Sport sehr im Fokus. Das ist für mich weiterhin ein Herzensthema, aber ich hatte den Wunsch, den anderen Themen meines Studiums wieder mehr Raum zu geben. Meine jetzige Stelle kombiniert Politik mit Wirtschaft, und ich bin überzeugt, hier etwas Positives für unser aller Zusammenleben bewirken zu können – trotz knapper Kassen. Die Arbeit bei einem Sportverband kommt mir da sicher zugute: Auch hier sind Mittel rar, und doch ist es mir gelungen, mit Kreativität und Herzblut gute Öffentlichkeitsarbeit zu machen, Events zu organisieren und zu vermarkten und Projekte erfolgreich voranzutreiben. Mit Kreativität und Herzblut möchte ich nun auch die Kreisstadt im Bereich Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing voranbringen.

Wie waren die ersten Monate mit der neuen Aufgabe?

Thorsten Eisenhofer: Es waren sehr spannende und intensive zweieinhalb Monate, die mir gezeigt haben, dass es die richtige Entscheidung war, die Stelle anzutreten. Ich denke, ich konnte schon viele wichtige Kontakte knüpfen, mir einen guten Überblick verschaffen und einige Projekte umsetzen oder begleiten. Etwa das Unternehmerfrühstück, die Ausbildungsbörse, den Verkauf der Weihnachtsbox oder die Jubiläumsveranstaltung 15 Jahre GG-Scheck.

Zudem war ich – bis zu Jörg Monzheimers Start im Januar – kommissarisch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Groß-Gerau zuständig. Beide Jobs parallel auszuüben, war zwar herausfordernd, aber auch hilfreich. Dadurch habe ich in sehr kurzer Zeit sehr viele für meine Arbeit relevante Personen kennengelernt. Die Betreuung der Social-Media-Kanäle verbleibt übrigens bei mir. Hier sehe ich großes Potenzial und möchte meine Erfahrung und Expertise, die ich in diesem Bereich beim Sportverband gesammelt habe, gerne weiter einbringen.

Aktuell gibt es noch keinen genehmigten Haushaltsentwurf für 2026. Was bedeutet das für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing? Wieviel Gestaltungsspielraum bleibt Ihnen da noch?

Thorsten Eisenhofer: Dafür muss man erst einmal wissen, dass meine Stellenbeschreibung eine etwas andere ist als die meines Vorgängers. Er hatte ja die federführende Rolle bei der Durchführung großer Veranstaltungen, wie etwa der Nacht der Sinne oder dem Frühlingserwachen – und dafür einen entsprechenden Etat. Die Organisation von Veranstaltungen unterliegt nun aber wieder dem Amt für Gesellschaft, Kultur und Soziales. Ich werde bei Events im Bereich der Sponsorenakquise unterstützen und meine Erfahrung einbringen.

Entsprechend wusste ich schon vor der Vertragsunterschrift – unabhängig von der aktuellen Haushaltssituation, dass es darum gehen wird, nicht unbedingt mit viel Geld, sondern eher mit kreativen Ideen für eine lebendige Innenstadt zu sorgen. Die jetzige Lage ist natürlich noch einmal herausfordernder. Aber ich werde mich der Herausforderung stellen und versuche beispielsweise über Förderprogramme, Wettbewerbe oder Sponsoren Mittel für meine Ideen zu generieren.

Ungeachtet der verfahrenen Haushaltssituation: Was ist Ihnen besonders wichtig, wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Thorsten Eisenhofer: Ich möchte Groß-Gerau und dabei vor allem die Innenstadt stärken: als einen lebendigen Ort, als einen Treffpunkt, an dem man gerne Zeit verbringt. Hierfür gilt es erfolgreiche Maßnahmen wie den GG-Scheck weiterzuentwickeln, Leerstand weitestgehend zu vermeiden und im besten Fall sogar Geschäfte nach Groß-Gerau zu locken, die den Bürgerinnen und Bürgern einen Mehrwert und ein tolles Einkaufserlebnis vor Ort bieten. Darüber hinaus ist es mein mittelfristiges Ziel, Besonderheiten zu schaffen, mit denen wir uns von anderen Kommunen abheben und Menschen in die Innenstadt ziehen – nicht nur aus Groß-Gerau, sondern auch aus dem Umland.

Der zweite Schwerpunkt liegt auf den Unternehmen außerhalb der Innenstadt. Wir haben in Groß-Gerau viele tolle Betriebe, die zum Teil Vorreiter in ihrem Bereich sind. Diese Firmen gilt es als Aushängeschilder in Groß-Gerau zu halten und weitere spannende und erfolgreiche Unternehmen anzulocken, auch wenn die Flächen dafür natürlich eher rar sind. Mit dem in der Planung befindlichen Gewerbegebiet Am Hermannsberg West steht hoffentlich in naher Zukunft ein neues Gewerbegebiet zur Verfügung – und damit auch wieder mehr Flächen für potenzielle Interessenten.

Inflation, steigende Lebenshaltungskosten, die aktuelle Lage für die Menschen ist herausfordernd, was die Kauflaune trübt. Und die immer weiter wachsende Bedeutung des Online-Handels stellt eine Bedrohung für lokale und regionale Händler, sprich: für unsere Innenstädte dar, auch in der Kreisstadt. Welche Impulse kann die Wirtschaftsförderung da geben?

Thorsten Eisenhofer: Klar, der Aufstieg des Online-Handels und die derzeit eingetrübte Kauflaune machen es den Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern schwer, auch in Groß-Gerau. Ich finde aber, dass wir mit dem GG-Scheck ein über Jahre bewährtes Instrument haben, um das uns auch Kommunen beneiden. Auch von dem einen oder anderen hoffentlich 2026 in der Innenstadt stattfindenden Event und einem Relaunch des Marktfrühstücks dürfte der Einzelhandel profitieren. Auch mit der Teilnahme an Aktionen wie „Heimatshoppen“ versuchen wir den Einzelhandel zu unterstützen. Außerdem sehe ich noch Potential in der Außendarstellung, nicht nur der Stadt, sondern auch des Einzelhandels, das es gemeinsam abzurufen gilt. Denn ich habe es schon mehrfach erlebt, dass es Menschen gibt, die seit Jahren in Groß-Gerau leben, denen aber gar nicht bewusst ist, welches Angebot an Läden und Restaurants wir hier haben. Ich finde, wir Groß-Gerauer können stolz auf die Innenstadt sein, haben einen tollen Mix, was Geschäfte angeht, und noch viele inhabergeführte Läden und im Vergleich zu anderen Kommunen eine Innenstadt, die das Prädikat lebendig durchaus verdient.

Unabhängig von der angespannten wirtschaftlichen Situation möchte ich erreichen, dass in Groß-Gerau noch mehr ein Wir-Gefühl entsteht, das hilft, dass aus shopping@home ein Einkaufen zu Hause wird. Also Einkäufe, Erledigungen und Dienstleistungen von Groß-Gerauern in den meisten Fällen in Groß-Gerau getätigt werden, nicht im Internet. Denn klar ist: Wollen wir in Groß-Gerau auch in Jahrzehnten noch eine lebendige Innenstadt haben, müssen auch Bürgerinnen und Bürger für dieses Ziel eintreten und möglichst oft bei den lokalen Händlerinnen und Händlern einkaufen. Die vielen gekauften GG-Schecks, gerade vor Weihnachten, und die vielen Bürgerinnen und Bürger, die eine Weihnachtsbox verschenkt haben, zeigen in meinen Augen, dass wir viele Menschen in Groß-Gerau haben, die sich für eine weiterhin lebendige Innenstadt einsetzen!

Kreisstadt Groß-Gerau, Wirtschaftsförderung

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