Ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Von Rainer Beutel.

Landauf, landab gibt es Menschen, die sich durch ihr gesellschaftliches Engagement auszeichnen, sei es in Vereinen, im Berufsleben, in Parteien oder eher still im Hintergrund ohne großes öffentliches Aufsehen. In loser Folge stellt das WIR-Magazin Personen vor, die sich auf diese Weise aus der Masse hervortun. Dazu gehört Alexandra Mende (40) aus Klein-Gerau, die ehrenamtlich als Alltagshelferin im Rhein-Main-Gebiet tätig ist.

Frau Mende, bitte beschreiben Sie Ihr ehrenamtliches Engagement: Für was setzen Sie sich ein, seit wann und warum?

Alexandra Mende: Ich unterstütze hilfsbedürftige Menschen dabei, ihren Alltag zu erleichtern und schöner zu gestalten. Praktisch gesehen: Ich erledige Einkäufe, begleite sie zum Arzt, bei Spaziergängen und leiste Gesellschaft bei der individuellen Freizeitgestaltung. Selbstverständlich unterstütze ich auch in der Hauswirtschaft, allerdings lege ich Wert darauf, den hauptsächlichen Fokus meiner Arbeit darauf zu legen, Menschen seelische Geborgenheit und Rückhalt zu geben. Das kann auf der praktischen Ebene sowohl in Form von gemeinsamen Aktivitäten als auch in der Gesprächsführung bestehen. Sehr oft ist es eine Mischung aus beidem.

Was oder wer gab den Impuls für Sie, sich derart zu engagieren?

Alexandra Mende: Schon seit meiner Jugend habe ich meine hohe Empathie und meine soziale Ader gespürt, dass es mir Spaß macht, anderen Menschen zu helfen, sie dabei zu unterstützen, sich besser zu fühlen, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, schöne Momente zu bereiten, sie ihre Sorgen und Ängste für kurze Zeit vergessen zu lassen. Und ich ziehe genau diese Menschen auch an, die sich im seelischen Ungleichgewicht befinden, weil sie die Empathie sofort spüren.

Was denken Sie, warum Sie so lange „durchgehalten“ haben?

Alexandra Mende: Die vielen schönen Momente, die glücklichen Gesichter, die Dankbarkeit, das positive Feedback und das Gefühl, anderen etwas geben zu können. Darin finde ich tiefe Erfüllung und innere Zufriedenheit.

Wer hat Sie in all den Jahren unterstützt, gefördert, begleitet?

Alexandra Mende: Mir sehr nahestehende Menschen, auf die ich auch in schwierigsten Zeiten zählen kann, die an mich glauben, an meine Fähigkeiten und mich immer wieder darin bestärkt haben, weiterzumachen, mir Mut zugesprochen haben, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, die Möglichkeiten weiter auszubauen und meinen Horizont kontinuierlich zu erweitern.

Ich gehe davon aus, Sie würden sich wieder so entscheiden – warum? Oder würden Sie lieber nochmal etwas anderes machen?

Alexandra Mende: Ein ganz klares Ja! Weil es meine Berufung ist, mich für hilfsbedürftige Menschen zu engagieren. Unsere Gesellschaft befindet sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen in einem tiefgreifenden Wandel. Zukünftig wird es wieder viel mehr auf das Miteinander ankommen. Sozial engagierte Menschen werden dank dieser Tendenz mehr denn je gebraucht werden. Was ich anders machen würde? Ich hätte meine Berufung lieber schon viel früher aktiv gelebt und zum Beruf gemacht, statt mich jahrelang mit ungeliebten Jobs über Wasser zu halten.

Gab es auch Rückschläge?

Alexandra Mende: Ja. Und zwar zum einen immer dann, wenn die leise innere Stimme, auch Ego genannt, sich wieder mal gemeldet hat, den Fokus doch bitte hauptsächlich auf beruflichen Erfolg (oder das, was allgemein als erfolgreich angesehen wird) und finanzielle Sicherheit zu legen, statt dem eigenen Gefühl, was gut und richtig ist, zu folgen und die Gewichtung entsprechend zu legen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Alexandra Mende: Vor ein paar Wochen habe ich einen Mann, der kurze Zeit zuvor durch schwere Krankheit seine Frau verloren hatte, einige Zeit dabei begleitet, seinen Alltag alleine neu zu strukturieren, ihm Trost, Mut und Zuversicht zugesprochen. Es war sehr emotional, hier muss man sich dann auch hin und wieder abgrenzen und gut auf sich selbst achten. Aber das unglaublich positive Feedback, das ich danach bekommen habe, hat mich zu Tränen gerührt.

Was würden Sie im Rahmen ihres Engagements nochmal gerne erleben?

Alexandra Mende: Es sind Momente wie das oben genannte schicksalhafte Erlebnis, die mir zeigen, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Auch wenn ich hier an meine eigenen Grenzen komme, überwiegt doch die Erfüllung dessen, was ich bewirken kann. Aber natürlich gibt es auch ganz viele kleine schöne Momente, Worte oder Gesten der Dankbarkeit, die mich motivieren weiterzumachen. Und sei es nur, dass man zum Beispiel ein lange aufgeschobenes lästiges und anstrengendes Telefonat mit einer Behörde für jemanden erledigt, der sich erleichtert und dankbar dafür zeigt.

Was können Sie davon an Jüngere weitergeben und wie gelingt das (hoffentlich)?

Alexandra Mende: Ich wünsche mir, dass die nachfolgende Generation sich wieder mehr auf Werte wie Miteinander, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe besinnt. Die aktuellen Entwicklungen lassen darauf schließen, dass das Zeitalter der reinen Leistungs- und Ellenbogengesellschaft, in der ich mich persönlich nie zu Hause gefühlt habe, vorbei ist. Wir brauchen künftig noch viel mehr Menschen, die sich sozial engagieren – in welcher Form auch immer dies sein mag. Es gibt unzählige Möglichkeiten sich einzubringen.

Was haben Sie sich für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Alexandra Mende: Ich möchte das Bewusstsein in der Gesellschaft für den Wert und die Bedeutung des sozialen Engagements und der sozialen Berufe im Allgemeinen weiter stärken. Hierzu müsste aber erstmal die Politik mit gutem Beispiel vorangehen und sozialen Berufen eine größere Wertschätzung durch bessere Verdienstmöglichkeiten entgegenbringen. Ansonsten bleibt der Stellenwert auch des sozialen Engagements weiter im Keller. Ich bin optimistisch. Die aktuelle Zeit wird in diesem Bereich auf lange Sicht einige positive Änderungen mit sich bringen, wenn wir uns gemeinschaftlich als Kollektiv dafür einsetzen und von der Illusion verabschieden, dass soziale Berufe weniger wert sind als andere. Es sind doch die vielen einzelnen Puzzleteile, die das große Ganze ergeben, die unser System am Laufen halten. Hier werde ich mich weiterhin aktiv für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzen.

Zur Person: Alexandra Mende arbeitet hauptberuflich als Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Bewusstseinserweiterung; kontakt@alexandramende.de

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.