Worüber die Leute reden (309)

Mit dem Entschluss einen Impfbus durch die Region zu schicken und diesen an publikumsträchtigen Zentren zu stationieren, wie zum Beispiel auf unserem Foto im Helvetia-Park, handelt der Kreis Groß-Gerau richtig. Das Impfangebot kann nicht niederschwellig genug sein, denn wie im WIR-Magazin schon vor Monaten geschrieben: Wir müssen mit der Pandemie leben und uns so gut wie möglich schützen. Was ich jedoch vermisse, ist eine vermittelnde und allseits respektierte Instanz, die sich aufklärend einmischt, um einer zunehmend gesellschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken. Es kann nicht angehen, dass in Diskussionsrunden, in Internetforen, auf der Straße oder gar in politischen Runden Geimpfte und Nicht-Geimpfte gegeneinander ausgespielt werden. Auch Toleranz ist es wert, in diesen Zeiten verteidigt zu werden.

Nicht nur die Menschen im Wohnviertel am Springberg in Groß-Gerau standen unter Schock, nachdem ein 39 Jahre alter Mann aus Somalia bei einem Polizeieinsatz getötet wurde. Was war da geschehen? Zuvor war es zu einem Familienstreit gekommen, bei dem weitere Menschen schwer verletzt wurden. Die Nachricht verbreitete sich kreisweit wie das sprichwörtliche Lauffeuer. Damit verbunden waren Vermutungen, Halbwahrheiten, Spekulationen, Hetze und verabscheuungswürdige Bemerkungen. Was da gemutmaßt wurde, gleicht in nicht unerheblichen Zügen der Debatte über Corona und die pandemischen Folgen. Wer glaubt, etwas zu wissen, gibt es (meist) ungeprüft kund, gleich ob es stimmt oder nicht. Die im Umland erscheinenden Tageszeitungen haben sich übrigens nicht wild auf das Thema gestürzt, sondern in aller Sachlichkeit Hintergründe und Zusammenhänge geschildert. Dumm nur, dass viele Leute sich lieber via Facebook informieren.

Es geht rund in Königstädten, zumindest auf der Straße. Es wurde an dieser Stelle schon einmal thematisiert, dass an der nördlichen Ortseinfahrt ein Kreisel gebaut werden soll, um den neuen Edeka-Groß-Markt am Rand des Blauen Sees zu erschließen. Nun blicken die Einheimischen gespannt auf die fortschreitenden Bauarbeiten, schießen Fotos und reden über die künftige Verkehrsführung, die es erlaubt, in einer bislang relativ engen Ein- und Ausfallstraße Fahrzeuge im Kreis (hoffentlich) fließend zu lenken. Nur 100 Meter weiter an einer viel größeren Kreuzung funktioniert das angeblich nicht, ebenso wenig an vielen anderen Verkehrsschnittpunkten zwischen Rüsselsheim und Groß-Gerau. Immer wieder heißt es vonseiten der Ämter, da sei zu wenig Platz, um einen Kreisel zu errichten und sich die Unterhaltung teurer Ampelanlagen zu ersparen. In Abwandlung eines Sprichworts fällt mir dazu ein: Wo kein Wille ist, ist auch kein Kreisel.

Größten Respekt verdienen sich Roland Kappes aus Nauheim und Gleichgesinnte. Mittlerweile kennen den Gerüstbauermeister auch Menschen im Ahrtal. Kappes gehört zu jenen, die spontan aufgebrochen sind, um den Flutopfern nach der Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu helfen. Ein Mann, der anpackt, so wie Vereine, Institutionen und Privatleute, etwa die aus Königstädten stammende Daniela Nöll, die nach Hilfeaufrufen fast wöchentlich Fuhren mit Gebrauchsgütern ins Ahrtal transportiert hat. Kappes half außerdem mit einem spontan organisierten Benefiz-Konzert Anfang September. Sein Anspruch ist, nicht nur Geld zu sammeln, sondern persönlich für die Menschen da zu sein, Menschen, die vor dem Nichts stehen und nicht vergessen werden dürfen. Wer ihn unterstützen will und von ihm oder Daniela Nöll Kontaktdaten braucht, kann diese vom WIR-Magazin bekommen.

Rainer Beutel
ist Redakteur beim WIR-Magazin;
rainer.beutel@wir-in-gg.de

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