Worüber die Leute reden

Von Rainer Beutel.

Kleine Details können einem überschaubaren Ort wie Nauheim die besondere Note verleihen. In der Musikgemeinde gibt es dafür manche Beispiele, doch wenn ein Kleinod über Jahre verkommt, wundern und beklagen sich die Menschen über Nachlässigkeiten. Jüngstes Beispiel: der Kräutergarten im hiesigen Regionalparkabschnitt. Einst von einigen Unermüdlichen liebevoll gehegt und gepflegt, verkümmert die Anlage so schnell wie Kräuter ohne Wasser. Inzwischen ist der Gartenzaun morsch und löchrig. Die Gemeinde muss und will sich kümmern. Oder melden sich freiwillige Helfer?

Für nachlässiges Handeln findet sich westlich von Königstädten an der alten Opel-Rennbahn ein auffälliges Beispiel. Vor mehr als 100 Jahren war sie als Test- und Rennstrecke in Betrieb, dann wurde das Oval nicht mehr gebraucht, und nach dem zweiten Weltkrieg eroberte sich die Natur ihren Raum zurück, schön zu sehen von einer Aussichtsplattform. Seit einigen Jahren klagt eine privat vorangetriebene Kulturinitiative darüber, dass das Industriedenkmal durch den Bewuchs immer weiter zerstört werde. Nun sollen eine Bestandsaufnahme und Vorschläge für Pflege- und Schutzmaßnahmen helfen. Der Denkmalbeirat ist involviert.

Über ungepflegte öffentliche Flächen sorgen sich unablässig Menschen in der Kreisstadt. Die Grünanlagen seien vermüllt, wiederholen sich Beschwerden (wir haben berichtet). Unschöne Flecken finden sich nahezu täglich aus Neue. Doch alles in allem wirkt – im Vergleich mit den hier genannten Beispielen aus Nauheim und Königstädten – die Friedrich-Ebert-Anlage recht ordentlich. Gegen Müllfrevler soll nach dem Willen der Stadtverordneten nun ein Bußgeldkatalog helfen, damit Verstöße geahndet werden können. Fragt sich, wie häufig ein Ordnungshüter als Zeuge live zugegen ist, wenn Unrat achtlos in die Landschaft geschmissen wird. Könnte nicht einfach jeder mit gutem Beispiel vorangehen?

Sensibel reagieren müssten Umweltschützer, wenn sie von Plänen hören, dass im Treburer Ortsteil Astheim ein erhaltenswertes Stück Natur weichen soll. Gegenüber dem Bürgerhaus könnte auf einem schattig bewachsenen Areal ein Einkaufsmarkt gebaut werden, um dort Waren des täglichen Bedarfs 24 Stunden zu verkaufen, lauten Überlegungen im Rathaus. Für das Verkaufssystem ohne Personal sollen 50 Quadratmeter reichen, aber es gibt bereits Überlegungen, für einen „neuen Ortsmittelpunkt“ auch Module einer Bank, einer Fahrradreparatur- und einer Paket-Abholstation zu integrieren. Rund 100 Meter entfernt, an der Ecke Brückenweg/Berliner Straße, findet sich übrigens eine kahle Fläche. Warum nicht dort?

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