Worüber die Leute reden (325)

Von Rainer Beutel.

In eine neue umweltpolitische Debatte ist der Kreis Groß-Gerau geraten. Auf der Deponie in Büttelborn soll schwach radioaktiv belasteter Bauschutt aus dem Atomkraftwerk Biblis gelagert werden. So will es das Regierungspräsidium in Darmstadt – und die Menschen sind aufgebracht. Wobei: Nördlich von Groß-Gerau scheint die Debatte noch gar nicht angekommen zu sein. Umso heftiger formiert sich in Büttelborn und näherer Umgebung (an der Spitze: Landrat Thomas Will) der Protest. Menschen wollen sich von Euphemismen wie  „freigetestet“ nicht blenden lassen. Zumal der Landkreis Bergstraße einfach jahrelang für keinen geeigneten Deponie- Standort in der Nähe von Biblis gesorgt hat. Aussitzen ist keine Lösung, Aufbegehren schon eher.

Der gute Ruf von Nauheim als Musikgemeinde scheint nur noch Makulatur zu sein. Diesen Schluss lässt jedenfalls eine Initiative von musikalisch Kreativen zu, die sich stärker denn je vernetzen will. Sie treibt an, an was es mangelt: Proberäume, Konzertsaal, ein Budget aus der Kulturförderung, musikalischer Nachwuchs, Werbung, eine Musikschule und nicht zuletzt sogar die Kenntnis, dass immer noch viele Musiker in der Gemeinde leben und ihrem Hobby nachgehen. Nun sollen Konzepte erarbeitet werden, quasi als außerparlamentarisch-musikalische Opposition, denn Politik und Instrumentenhersteller, die in Billiglohnländer abgewandert sind, haben unter dem Sparsamkeitszwang in das einst gute Image nachhaltig nichts investiert.

Pro Kubikmeter Frischwasser zahlen die Einwohner von Groß-Gerau künftig zwei Euro. Bislang waren es 1,52 Euro. Dieser günstige Preis wird weiterhin in Nauheim, Büttelborn und Trebur erhoben. Alle vier Kommunen gehören dem Wasserwerk Gerauer Land an. Begründet werden die Preisunterschiede mit dem Status der Mitgliedschaft in dem Wasserverband: Die drei kleineren Gemeinden gelten als Vollmitglied, die Kreisstadt nicht, weshalb der Erlös eines Grundstücksverkaufs in Trebur für Groß-Gerau nicht zu Buche schlägt. Die neue Kalkulation hängt auch mit einer sogenannten „Trennungsrechnung“ zusammen, die das kommunale Abgabengesetz vorschreibt und auf die in Groß-Gerau zwischengeschalteten Stadtwerke zurückzuführen ist – im Gegensatz zu den drei Kommunen, die ihr Wasser direkt beziehen. Den Leuten leuchten solche Konstrukte kaum ein, unterm Strich zählt das Geld. Ein Vierpersonenhaushalt in GG hat künftig pro Jahr etwa 80 Euro mehr zu zahlen als beispielsweise eine gleich große Familie in Büttelborn.

Der Kampf gegen die Südumfliegung und die Lärmbelastung scheint endgültig verloren. In Nauheim löst sich der Verein „Lebenswertes Nauheim“ auf, nachdem juristisch nichts mehr gegen die umstrittene Startroute bei Westwind auszurichten ist. Fraport, Deutsche Flugsicherung und die Bundesrepublik Deutschland seien übermächtige Gegner, hieß es in der Auflösungsversammlung, die damit kein Signal der Zuversicht für all jene sendet, die sich gegen die Lagerung von leicht radioaktivem Bauschutt in Büttelborn wehren. Immerhin: Die Nauheimer wollen sich als Interessengemeinschaft weiter treffen.

Eine Vertiefung des Kiebertsees in Trebur-Geinsheim und die mögliche Nutzung weiterer Flächen für eine Auskiesung sorgen immer wieder für Gesprächsbedarf. Jetzt ist dort eine Uferböschung abgerutscht. Die Auskiesung wurde gestoppt, der betroffene Bereich wieder verfüllt, lässt das zuständige Unternehmen wissen. An einem angrenzenden Weg, der mit schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren wird, sei nichts passiert. Er werde ständig kontrolliert, heißt es. Dazu passt das Sprichwort (hoffentlich nicht): „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“

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