Beachtenswerte Schreibtalente

Von W. Christian Schmitt.

Mitglieder des Groß-Gerauer Kulturstammtischs wissen es schon seit längerem. Doch jetzt wird es auch für all die anderen Lesefreudigen erkennbar: In den Anrainergemeinden der Kreisstadt gibt es zusehends Schriftsteller, die mit neuen Büchern an die Öffentlichkeit treten. Wobei einige der Werke sogar über die Grenzen der Region hinaus Beachtung finden.

Ich denke dabei z.B. an Arbeiten von Ralf Schwob, Anette Welp, Siggi Liersch, Pierre Dietz, Brigitte Pons oder Michael Buttler. Nicht zu vergessen Britta Röder, von der unlängst der Roman „Das Gewicht aller Dinge“ (Größenwahn Verlag, 199 S., 12,- Euro) erschienen ist und zu dem ich ein paar Zeilen anzumerken habe:

Ich bin kein regelmäßiger Romanleser, und Bestsellerlisten sind eh nicht mein Ding. Aber wenn ich eine Neuerscheinung auf dem Tisch habe, dann ist für mich zunächst folgendes wichtig: 1.) Kann ich mich an der Sprache erfreuen? 2.) Finden sich in dem Buch Passagen, Problemschilderungen, die mich an Selbsterlebtes, Selbsterfahrenes erinnern? 3.) Bietet die Lektüre eine unterhaltsame oder nachdenklich stimmende Geschichte? Und 4.) Ist das Geschriebene so spannend, dass ich den Roman bis zur letzten Zeile lesen muss, um – wie bei einem Krimi – die Lösung, die Pointe, den Schluss nicht zu verpassen?

Britta Röders neuer Roman beginnt mit Sätzen voller Poesie, die mich schwärmen lassen. Ein paar Beispiele? Da ist zu lesen: „Ein Moment, in dem alles um sie herum im Einklang steht. So perfekt wie nur eine Illusion sein kann“. Oder: „Inzwischen hat der Nachmittag seinen goldenen Zenit überschritten. Es wird Zeit, Pläne für den Abend zu schmieden“. Oder: „Völlig benommen erreichen sie einen einsamen Feldweg und laufen Hand in Hand in das blühende Wiesengrün“. Wie in einem Kinofilm hat man das Gefühl, ganz nahe mit dabei zu sein. Da ist eine Autorin zu Gange, die sehr sensibel mit Sprache umzugehen weiß. Für mich rückt beim Lesen die erzählte Geschichte in den Hintergrund. Ich nehme als Leser zwar zur Kenntnis, dass es um Erinnerungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs geht. Aber mir genügt es bereits, mich an den wie an einer Perlenschnur gereihten, bildhaften Sätzen zu erfreuen.

Auf dem Klappentext lese ich über die Romanheldin: „Je tiefer sie in die Leben der anderen eintaucht, desto intensiver kommt sie dem Leben selbst auf die Spur“. Ob ihr das gelingt, muss jeder Leser für sich entdecken und entscheiden. Britta Röder hat nach ihrem 2011 erschienenen Roman „Die Buchwanderer“ neuerlich ein Buch vorgelegt, das nicht nur ihre bisherigen Lesefans erfreuen dürfte. Aus meiner Sicht ist es eine Neuerscheinung, die durchaus auch in der Literatur-Beilage der FAZ, die den Titel trug „Die Bücher des Frühlings“, hätte Erwähnung finden können, nein müssen.

Lesern des WIR-Magazins, die Britta Röders Kolumnen-Texte „Zwischen den Zeilen“ sicher noch in bester Erinnerung haben, ist auch die Lektüre ihres neuen Romans „Das Gewicht aller Dinge“ nur zu empfehlen.

Alles Schöne – trotzdem

Gedichte für durchwachsene Zeiten

Von Anette Welp

Leichtigkeit tut gut in beschwerten Zeiten, und so haben Anette Welp und Ody vam Bruok allerlei Leichtes zusammengetragen, um den Blick in durchwachsenen Zeiten auf die schönen Seiten des Lebens zu lenken.

Schon das gemeinsame Zusammentragen und Aufeinanderabstimmen der Texte bis hin zu dem, was nunmehr in vollendeter Buchform vorliegt, haben beflügelt und gutgetan. Dabei wurde die „Sunny side“ des Lebens ins Visier genommen – und ein kleiner Garten voller beschwingter Texte angelegt – die nichts problematisieren, nichts durch den Kakao ziehen, sondern einfach nur beobachten, beschreiben, umspielen, was sich doch immer wieder an feinen Momenten im Leben auftut.

Aus dem Garten – auf dem Cover: Die Tulpe ‚Semper Augustus‘. Sie war mit bis zu 10.000 Gulden pro Zwiebel das Paradebeispiel für den sogenannten Tulpenwahn im 17. Jahrhundert, der für den ersten überlieferten Börsencrash in der Geschichte sorgte und bewies, dass Schönes und Durchwachsenes schon immer dicht beieinander lagen und dass es sich immer lohnt, das Schöne – trotzdem – im Blick zu behalten. „Prima wäre, wenn die eine oder der andere diesen Garten ebenso als kleine Zuflucht für sich entdeckt wie wir“, wünschen sich Anette Welp und Ody vam Bruok. Dann hätte sich ihr erstes gemeinsames Projekt in aufgewühlten Zeiten doch rundherum gelohnt.

Anette Welp
ist Autorin, Verlegerin sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in der Treburer Gemeindeverwaltung;
augenauf.welp@t-online.de

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