Zurück in die Normalität

Von Rainer Beutel.

In den Statuten des Rotary-Clubs Rüsselsheim/Groß-Gerau ist festgelegt, dass die Präsidentschaft jährlich wechselt. Ein sogenannter „Incoming President“ kann sich dadurch im Jahr zuvor auf sein Amt vorbereiten, neue Ideen und neue Schwerpunkte ermöglichen und fördern. Das ehrenamtliche Führungsamt hat nun Karl Norbert Merz, früherer Gemeindvertretervorsteher in Nauheim, inne. Im Interview mit WIR-Redakteur Rainer Beutel erklärt er seine Ziele.

Herr Merz, Sie haben für ein Jahr die Präsidentschaft der Rotarierer übernommen und sich dafür ein Art Motto überlegt. Um was geht es Ihnen bei „Achtsamkeit und Freundschaft“?

Karl Norbert Merz: Das jeweilige Jahresmotto gibt eine Orientierung, wo Schwerpunkte des Clubs liegen sollen, wohin der Präsident den Club nach innen und nach außen steuert. In meinem rotarischen Jahr richte ich den Blick z.B. nach innen und führe den Club zurück in die Normalität. Die durch die Pandemie ausgelösten Einschränkungen trafen das Clubleben hart. Präsenzmeetings waren nicht mehr möglich, und wir wichen auf Zoom-Meetings aus. Damit konnten wir aber nicht alle Clubmitglieder erreichen, denn gerade der persönliche Austausch ist ein wichtiges Element bei Rotary. Wir werden uns wieder, sofern es die Umstände erlauben, in Präsenz treffen und allen Mitgliedern, die z.B. urlaubsbedingt oder wegen Dienstreisen nicht da sein können, eine hybride Teilnahme, also per Zoom ermöglichen. Damit sind die beiden Elemente des Jahresmottos greifbar, denn ich achte auf die Clubmitglieder und kümmere mich besonders um diejenigen, zu denen während der Lockdown-Phase die Bindung etwas locker wurde. Freundschaft ist eines der Grundprinzipien von Rotary. So reden sich Rotarier weltweit untereinander mit „Freund“ an.

Und Ihr Blick nach außen?

Karl Norbert Merz: Hier liegen die Zusammenhänge des Mottos auf der Hand. Wir gehen freundlich mit allen Menschen um und engagieren uns bei sozialen Projekten. Achtsamkeit ist gerade vor den jüngsten Ereignissen der Flutkatastrophe von geradezu elementarer Bedeutung. Achtsamer Umgang mit Ressourcen, mit der Umwelt und den Menschen überhaupt. Darauf sind und werden Aktivitäten unseres Clubs ausgerichtet.

Was möchten Sie im Zusammenwirken mit den Rotariern verwirklichen, welche Aktionen sind geplant?

Karl Norbert Merz: Auch da werde ich den Club in die Normalität zurückführen. Einige Projekte und Aktivitäten konnten im letzten Jahr nicht durchgeführt werden. Die Vorbereitungen dafür stehen noch und werden nun nach und nach verwirklicht. Das sind z.B. „hands-on-Projekte“, bei denen wir im Wortsinne Hand anlegen und etwas bewegen. Als Beispiel nenne ich „Kauf eins Mehr“, das wir in Zusammenarbeit mit unseren Nachbarclubs, zu denen wir einen sehr guten Kontakt pflegen, wieder durchführen möchten. Dann war eine Aktion mit einem regionalen Landwirt geplant, durch die wir nicht nur das Verständnis für nachhaltige Produktion fördern möchten, sondern auch einen Erlös daraus 1:1 für soziale Projekte verwenden werden. Unsere Jugendorganisation „Rotaract“ hat weltweit ein Projekt „One Million Trees“ initiiert. Da stehen wir mit unseren Rotaract-lern in Kontakt. Wenn wir also, wie das unsere Organisation weltweit bereits begonnen hat, mit Schaufel und Setzlingen ausgestattet, eine Pflanzaktion durchführen, wird der Begriff „hands-on“ geradezu greifbar. Wir unterstützen soziale Einrichtungen vor Ort. Beispielsweise gestalten wir schon seit vielen Jahren einen Nachmittag in einer Senioreneinrichtung. Oder führen ebenfalls schon sehr lange ein Grillfest für Bewohner einer Behinderteneinrichtung durch. Beides war im letzten Jahr nicht möglich, lebt aber (hoffentlich) in diesem Jahr wieder auf. Mit der Beteiligung am „Kid´s Camp“ ermöglichen wir sozial benachteiligten Kindern, an einer Freizeitwoche teilzunehmen. Dieses Jahr ist unter den bestehenden Einschränkungen leider nur eine Tagesfreizeit möglich.

Wie sieht es mit den gewohnt üppigen Spenden der Rotarier aus?

Karl Norbert Merz: Unser Club möchte ein jährliches, selbstfinanziertes Spendenvolumen von rund 15.000 EUR verwirklichen. Anfragen, Projekte und Ideen sind überreichlich. Das können wir nicht alles umsetzen. Daher arbeiten wir in meinem rotarischen Jahr an einer Spendenstrategie, wie wir lokale, regionale und internationale Projekte identifizieren und anpacken. Dabei entstehen dann solch greifbaren Ergebnisse, wie die Inklusionsschaukelanlage in der Groß-Gerauer Fasanerie, die wir mit 6.000 EUR finanzierten. Oder die Mitfinanzierung eines Einsatzfahrzeugs des DLRG Kreisverbandes Groß-Gerau. Das größte internationale Projekt, das wir vor kurzem erst abschließen konnten, war die Unterstützung der medizinischen Versorgung in Basnko, Bulgarien. Dort sorgen jetzt zwei voll ausgestattete Notarztfahrzeuge für die rasche Versorgung und eine örtliche Klinik wurde mit Betten, medizinischem Material und Gerätschaften ausgestattet. Das können wir mit unseren eigenen Spendenmittel alleine natürlich nicht stemmen. Da greift die weltweit umspannende Organisation von Rotary, wo durch Zusammenwirken Vieler eine entsprechend große Wirkung erzielt werden kann.

Nicht jeder weiß eine starke Organisation wie die Rotarier hinter sich. Was kann jeder einzelne unternehmen, um achtsamer und freundlicher mit anderen umzugehen?

Karl Norbert Merz: Ich denke, dass mit den Bildern der schrecklichen Ereignisse in Rheinland-Pfalz, NRW und Bayern überdeutlich klar wurde, dass es ein „weiter so“ nicht geben kann. Jeder ist gefordert, in seinem unmittelbaren Bereich und im Rahmen seiner Möglichkeiten anzupacken. Da genügt es oftmals auch, nur kleine Dinge zu ändern, achtsamer mit sich, der Umwelt und den Menschen umzugehen. Wegschauen und „Mir doch Egal“-Mentalität sind Verhaltensmuster von gestern. Krisenzeiten bringen Mitmenschlichkeit zu Tage. Ich darf dabei an die großartigen, kreativen Aktionen erinnern, die mit den Lock-Downs entstanden sind. Die unzähligen Masken, die auf private Initiativen hin genäht wurden, an nachbarschaftliches Engagement für Menschen, die Hilfe benötigten. Ich finde, es gibt, um auf Ihre Frage zurückzukommen, keinen Masterplan für Achtsamkeit und Freundlichkeit. Es ist vielmehr immanent. Man muss sich nur trauen, etwas zu tun und es dann auch machen. Als Einzelner, oder gerade auch als weltweite Organisation, wie Rotary. Und wir machen es. Der Rotary-Club Rüsselsheim/Groß-Gerau, dessen Präsident ich nun bin, bereits seit 1967.

Kontakt: karl-norbert.merz@t-online.de

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