Abenteuer in fremden Welten

Von Ulf Krone.

Seit fünf Jahren folgt auf eine Veröffentlichung die nächste, und ein Ende des kreativen Marathons ist nicht abzusehen. Die Autorin Karin Kratt aus Goddelau erschafft literarische Welten zum Eintauchen und hat sich damit eine treue Leserschaft erschrieben. Nun ist ihr neuer Roman „D.U.S.T.“ beim Verlag Dancing Words erschienen, was WIR-Redakteur Ulf Krone zum Anlass genommen hat, bei der hauptberuflichen Schriftstellerin nachzufragen.

Eigentlich sind Sie Diplom-Mathematikerin, doch seit einiger Zeit leben Sie als freiberufliche Vollzeit-Schriftstellerin. Wie kam es dazu? War das eine bewusste Entscheidung?

Karin Kratt: Ja, das war eine bewusste Entscheidung. Die Liebe zu Büchern begleitet mich bereits mein ganzes Leben. Schon als kleines Mädchen habe ich zusammen mit meiner Mutter die Büchereien der umliegenden Orte unsicher gemacht und habe es genossen, von ihr vorgelesen zu bekommen oder mich im späteren Alter über das Gelesene auszutauschen. Im Jugendalter habe ich dann selbst angefangen, erste Geschichten zu verfassen.

Mit dem Abitur wurde es Zeit mich zu entscheiden – für den Literaturbereich oder für das Studium der Mathematik. Aufgrund meiner Zahlenaffinität hat mich dieses Fach ebenfalls immer begeistert, und auf Anraten meines Umfelds habe ich den im Vergleich zu einem Künstler sicherer erscheinenden Berufsweg gewählt. Je mehr Zeit verstrichen ist, desto mehr habe ich allerdings gemerkt, dass mein Herz doch mehr für Buchstaben anstatt Zahlen schlägt.

Mathematik liegt mir, ich habe das Diplom mit Bestnoten abgeschnitten und rasch Karriere in einer großen Bank in Frankfurt am Main gemacht. Meine Seele erfüllt jedoch das Erfinden von Geschichten, das Träumen, die Vorstellung, was alles möglich sein könnte. Deswegen bin ich unglaublich glücklich und dankbar, dass ich seit meinem Debüt 2016 hauptberuflich als Autorin arbeiten kann.

Ihr neuer Roman „D.U.S.T.“ ist gerade beim Verlag Dancing Words erschienen. Worum geht es?

Karin Kratt: Es handelt sich um den ersten Band einer Dystopie-Dilogie, die für Leser ab 16 Jahren empfohlen wird. Die Geschichte spielt auf unserer Erde im 23. Jahrhundert und die zentrale Frage lautet: „Wie weit bist du bereit, für deine Überzeugungen zu gehen?“

Eine galaktische Katastrophe hat dazu geführt, dass Kälte und Dunkelheit den neuen Alltag bestimmen. Es existiert lediglich noch eine einzige Nation, in der strenge Reglementierungen und Gesetze herrschen. Dank zahlreicher technischer Errungenschaften können die Menschen bequem und in vermeintlicher Sicherheit leben. Vier jungen Leuten genügt das jedoch nicht, denn sie sehnen sich nach Freiheit und Glück. Aleah, Celtan, Jase und Neia werden Mitglieder einer Rebellen-Organisation, welche die Auffassung vertritt, dass ein Leben, in dem man lediglich „funktioniert“, kein Leben ist, egal wie sorglos es auf den ersten Blick auch erscheinen mag.

Zwischen den Machtinhabern der United Nation und den Rebellen kommt es zu immer heftig werdenden Kämpfen, und Aleah, Celtan, Jase und Neia fällt es immer schwerer, zwischen den „Guten“ und „Bösen“ in diesem Krieg zu unterscheiden. Denn auf beiden Seiten gibt es Helden, und auf beiden Seiten gibt es dunkle Geheimnisse.

Ihre ersten Veröffentlichungen waren die bislang acht Bände der Fantasy-Reihe um die „Seday-Academy“, die im Carlsen Verlag erschienen sind. Woher kommt Ihre Vorliebe für Fantasy und ­Science fiction?

Karin Kratt: Ich liebe es, in meinem Kopf „Was-Wäre-Wenn“-Szenarien durchzuspielen. Mich zu fragen, ob Superkräfte dazu führen würden, dass man in seinem Alltag weniger Probleme hat, oder ob die Probleme dann nicht einfach nur anders wären. Wie sehr wird man von seinem Umfeld und seiner Vergangenheit geprägt? Wie könnten sich verschiedene Charaktere weiterentwickeln, wenn sie vor unglaubliche Herausforderungen gestellt würden? Wie würden wir Menschen uns weiterentwickeln, welche ungeahnten Fähigkeiten würden wir vielleicht noch entdecken?

Weil absolut alles um mich herum inspirierend für mich ist, habe ich so viele Ideen in meinem Kopf, dass ich für ein neues Projekt bequem auswählen kann. Beziehungsweise wählt eigentlich die Geschichte mich aus – wenn ich plötzlich selbst unter der Dusche nur noch an die Ausarbeitung einer ganz bestimmten Idee denken kann, dann muss diese aus mir heraus und getippt werden. Zunächst mache ich mir dann einige grobe Notizen und recherchiere im Internet. Soll es lieber etwas düsterer oder romantischer werden? Zukunft, heutige Zeit oder eine Zeit, in der mit Schwertern gekämpft wird? Jüngere Zielgruppe oder ältere? Wie könnten die Protagonisten heißen, wo genau der Schauplatz sein, gibt es bereits ein ähnliches Werk? Oft fange ich während dieser Recherchen bereits an, den Anfang zu schreiben. Einen genauen Plot, was in welchem Kapitel passieren soll, gibt es nicht. Meine Geschichten entwickeln fast immer ihre eigene Dynamik, und oft bin ich selbst überrascht, welche unvorhergesehenen Wendungen sich ergeben oder wie passend sich am Ende alle losen Stränge zu einem Ganzen zusammenfügen. Tausend verschiedene Leben in tausend verschiedenen Welten zu führen – in den Genres Fantasy und Science Fiction ist das für mich problemlos möglich.

Ist die „Seday-Academy“-Reihe abgeschlossen, oder können sich die Fans auf weitere Abenteuer freuen?

Karin Kratt: Die Leser können sich definitiv noch auf weitere Abenteuer um die junge J’ajal Cey, ihre dämonischen Freunde, die anderen verrückten Wächter und ihren attraktiven Mentor von der Seday Academy freuen. Band 9 und 10 wurden nämlich bereits vom Verlag unter Vertrag genommen und werden derzeit fleißig getippt. Ich als Autorin könnte mir auch noch sehr gut weitere Bände vorstellen, denn die hier erschaffene Welt bietet noch sehr viel Potential. Ich bin selbst gespannt, ob und wie es nach Band 10 weitergehen wird.

Was braucht es, um von und mit der Schriftstellerei leben zu können?

Karin Kratt: Sehr viel Geduld und Beharrlichkeit! Während ich aus meinem Mathematiker-Job die Maxime kenne, dass am besten immer schon vorgestern alles erledigt sein sollte, muss man in der Buchbranche oft monatelang auf eine Rückmeldung zum eingesandten Manuskript warten – sofern überhaupt eine Antwort kommt. Man darf sich nicht entmutigen lassen, wenn man eine Absage erhält, denn das hat nicht zwangsläufig etwas mit der Qualität des Textes zu tun. Die Anzahl der Programmplätze ist stets beschränkt, und manchmal passt das Thema einfach nicht zum Trend oder dem aktuellen Fokus des Verlags.

Wenn man bedenkt, dass man vielleicht ein Jahr an einem Projekt schreibt, dann ein Jahr auf der Suche nach dem passenden Zuhause für dieses Projekt ist und es aufgrund des Lektorats, Korrektorats und der Vertriebspläne nochmals ein Jahr dauern kann, bis auch wirklich die Veröffentlichung stattfindet – dann kann das nur funktionieren, wenn man mit vollem Herzblut dabei ist. Und wie in allen künstlerischen Jobs darf man nicht erwarten, reich zu werden, selbst ein Bestseller ist noch kein Garant für ein sorgloses Leben als Schriftsteller.

Das Netzwerken mit anderen Autoren ist enorm wichtig, wenn man langfristig in der Branche bestehen will. Und es ist wichtig, die persönlichen Ziele zu kennen – erfüllt einen das positive Feedback der Leser mehr oder der Porsche vor der Haustür?

Sie sind alleinerziehende Mutter dreier Kinder und arbeiten in den eigenen vier Wänden. Ist es schwierig, die Zeit und Ruhe zum konzentrierten Schreiben zu finden?

Karin Kratt: Manchmal ja, denn bei drei Kids hat eigentlich immer zumindest eines Ferien oder ist krank. Und eine Liebesszene zu schreiben, während man gleichzeitig mit einem „Bob der Baumeister“-Hörspiel beschallt wird, der Postbote an der Haustür klingelt und dann noch der Teekessel zu pfeifen anfängt, ist nicht gerade leicht.

Aber ich denke, in jedem Beruf lassen sich Ausreden finden – und in jedem Beruf kann man sich entscheiden, etwas machbar zu machen, wenn es einem wirklich wichtig ist. Für mich sind meine Kinder eine großartige Motivation, in dem wundervollen, herausfordernden Beruf als Schriftstellerin zu arbeiten. Denn ich möchte ihnen zeigen, dass es sich im Leben lohnt, das zu tun, was sie wirklich erfüllt.

Und zum Glück lassen sich meine Geschichten auch prima nachts schreiben. Wer braucht schon Schlaf?

D.U.S.T. – Die letzte Hoffnung
Dancing Words Verlag
350 Seiten, ISBN: 9783754315552, 14,99 Euro

Karin Kratt

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