Ein Hospiz für den Kreis

Von Ulf Krone.

Vermutlich wünscht sich jeder von uns, am Ende seines Lebens im Kreise geliebter Menschen zu sein, in gewohnter, vertrauter Umgebung und wohlbehütet. Doch der demographische Wandel in Kombination mit der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr beruflicher und damit auch geographischer Flexibilität führt seit Jahren dazu, dass immer mehr Menschen im Alter allein sind, weit weg von den Kindern und Enkeln. Gestorben wird schon heute vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Angebote ambulanter Palliativpflege, bei der die Patienten und ihre Angehörigen zu Hause durch ein Palliativ-Team unterstützt werden, gibt es inzwischen einige. Doch all jenen, die kein jederzeit verfügbares soziales Netz haben, hilft das nicht. Ein Hospiz, in dem die Betroffenen die letzte Zeit des Lebens angstfrei und professionell versorgt verbringen können, gibt es im Kreis Groß-Gerau bislang nicht. Die nächsten Hospize sind in Flörsheim, Darmstadt oder an der Bergstraße, wenn man einen Platz bekommt.

Die Hospizstiftung GG versucht dies nun zu ändern. Im Juni vom Regierungspräsidium Darmstadt anerkannt, werden über die Stiftung Spenden gesammelt, um in den kommenden Jahren diese Versorgungslücke im Kreis schließen zu können. Denn das Problem ist jetzt schon akut. „Es gibt immer mehr alte Menschen, immer mehr Bedarf an Hospizplätzen, und die Menschen ohne soziales Netz sind besonders betroffen“, bringt es Dr. Harald Braun, stellvertretender Vorsitzender der Hospizstiftung, im Gespräch auf den Punkt.

Unser Ziel ist es, dass das Hospiz in sieben Jahren steht.

„Unser Ziel ist es, dass das Hospiz in sieben Jahren steht“, formuliert Vorstandsvorsitzende Petra Boulannouar den konkreten Plan der Stiftung. Dr. Harald Braun, Allgemein- und Palliativmediziner, fasst das mit einem Schmunzeln noch genauer: „So lange möchte ich eigentlich nicht mehr warten.“ Gemeinsam mit Schatzmeister Rolf Eckhardt, Schriftführer Dr. Marcus Geist sowie Beisitzer Dr. Karl Katzmann bilden sie den Vorstand der Hospizstiftung GG und sind außerdem Teil der Planungsgruppe, in der Menschen aus ganz verschiedenen Richtungen am gemeinsamen Ziel arbeiten und sich gegenseitig ergänzen. So kommen in der Planungsgruppe etwa Mediziner, Pflegekräfte und Pädagogen, ein Bankkaufmann, ein Architekt und Ingenieur sowie eine Beamtin zusammen.

Es wäre schön, wenn das Hospiz an die Kreisklinik kommen würde.

„Die gesamte Gruppe ist sehr produktiv, und wir sind jetzt schon so weit, einen ersten Plan für das Gebäude entwerfen zu können“, berichtet Petra Boulannouar und fügt hinzu: „Es wäre schön, wenn das Hospiz an die Kreisklinik kommen würde.“ Die Lage dort sei ideal, und natürlich ist die Nähe zu den medizinischen Spezialisten ein nicht unwesentliches Argument. Auch ein Standort in der Innenstadt sei denkbar, aber Petra Boulannouar und Dr. Harald Braun zeigen sich optimistisch in Bezug auf die Lösung an der Kreisklinik. Die Unterstützung der Politik ist ihnen schon einmal sicher, der Kreistag hat dies bereits 2020 beschlossen. Und im Kuratorium der Stiftung sitzen neben Rüsselsheims Bürgermeister Dennis Grieser auch Büttelborns Bürgermeister Marcus Merkel sowie Landrat Thomas Will.

Doch ein Hospiz ist in Deutschland keine Sache der öffentlichen Hand, weshalb die Hospizstiftung nun Spenden sammelt und Partner sucht, die helfen, das Projekt zu realisieren. „Dafür brauchen wir nicht viel Geld, da 95 Prozent von den Kassen übernommen wird“, erläutert Dr. Harald Braun. „Nur die letzten fünf Prozent müssen wir über Spenden finanzieren.“ Und dabei geht man auch ungewöhnliche Wege, etwa über das Crowdfunding-Projekt des Überlandwerks Groß-Gerau (ÜWG), bei dem die ÜWG für jede Spende ab zehn Euro weitere zehn Euro dazu gibt. Spenden sind im Internet noch bis zum 21. November über die Seite www.gg-crowd.de möglich.

Weitere Informationen zur Hospizstiftung GG sowie Spenden direkt an die Stiftung gibt es online unter www.hospiz-gg.de

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