Einstieg in die Musikwelt

Von Rainer Beutel.

Singen, trommeln, bewegen – das sind drei wichtige Bausteine in der „Elementaren Musikpädagogik“ (EMP). In der Städtischen Musikschule Groß-Gerau sind die Kurse geeignet für Kinder ab zehn Monaten bis fünf Jahren. Sie bieten Lerninhalte, die auf das jeweilige Alter der Kinder zugeschnitten sind. WIR-Redakteur Rainer Beutel hat von Musikschulleiterin Judith Portugall erfahren, wie das Angebot strukturiert und aufgebaut ist.

Frau Portugall, was müssen Kinder, die die „Musikwiese“ besuchen, mitbringen bzw. im jüngsten Alter schön können? 

Judith Portugall: Für die jüngsten Nachwuchs-Musikschüler ist der einjährige Musikkurs „Musikwiese“ (für Kinder unter 18 Monaten mit einer Bezugsperson wie Mutter, Vater und ein Großelternteil) der Einstieg in die Welt der Musik bei der Städtischen Musikschule Groß-Gerau. Das Kind sollte eigenständig sitzen können, muss aber noch nicht laufen oder krabbeln, daher gibt es keine genaue Altersuntergrenze. Die Musikwiese ist eine Art Vorlaufkurs und dient der Vorbereitung auf den Elementarkurs.

Wie darf man sich den Unterricht vorstellen?

Judith Portugall: Gesungen werden Lieder zum Wiegen und Tanzen. Lieder, bei denen Augen, Ohren, Hände und Füße berührt werden und die das Körperbewusstsein fördern. Lieder zum Kitzeln und Streicheln, und Lieder, die Begegnung mit einfachen Instrumenten, Klänge und Schwingungen erzeugen. Das können zum Beispiel Glöckchen, Klanghölzer, Rasseln, aber auch Stabspiele und Trommeln sein. So wird die Neugier des Kindes an Klängen und Bewegung zur Musik gefördert. 

Wie geht es dann mit der Ausbildung weiter?

Judith Portugall: Die Elementarkurse richten sich an Kinder ab 18 Monate mit ihren Eltern. Der Kurs ist auf zwei Jahre konzipiert, sodass sich die Musikalische Früherziehung unmittelbar anschließen kann. Die Elementarkurse sind in EK 1 (ab 18 Monate) und EK 2 (ab ca. 3 Jahre) unterteilt. Diese beiden Kurse gehen nahtlos ineinander über.

Was sind die Schwerpunkte?

Judith Portugall: Bei den Kursen mit dem Schwerpunkt Musik und Bewegung geht es primär um Erlebnisse durch musikalische, stimmliche, sprachliche oder bewegungsreiche Impulse, die auch im Alltag einen Platz finden sollen, wodurch die Eltern-Kind-Beziehung unterstützt wird. Themen wie Tiere, Jahreszeiten, Natur, aber auch Feste sind fester Bestandteil des Unterrichts und werden musikalisch abgebildet. Das Lernen durch die verschiedenen Sinne steht dabei neben dem Elementaren Instrumentalspiel im Fokus. „Alles, was klingt“: Kinder nehmen durch Klatschen und Bewegung den eigenen Körper als Instrument wahr und lernen zudem zahlreiche „echte“ Instrumente kennen. 

Anschließend kommt die Musikalische Früherziehung. Was ist anders?

Judith Portugall: Die Unterrichtstunden der Musikalischen Früherziehung folgen immer einem Thema, etwa Jahreszeiten, Zoo, ferne Länder oder ähnlichem. Dazu werden viele neue und traditionelle überlieferte Lieder aus anderen Ländern gelernt und gesungen. Kleine Begleitungen mit Stabspielen, Trommeln, Rasseln, Klanghölzern und anderem werden ausprobiert und die Elemente und Klänge wie hoch und tief, schnell und langsam, leise und laut sowie Instrumente kennengelernt. Das freie Bewegen und Tanzen zu Musik gehört ebenso zu den Kursen, wie das vertraut werden mit verschiedenen Rhythmen und Taktarten.

Konkret: Was kommt hinzu, wie ändern sich die Inhalte?

Judith Portugall: Die Kurse der Musikalischen Früherziehung sind in MFE 1 (ab ca. vier Jahren) und MFE 2 (ab ca. fünf Jahre) unterteilt. Diese beiden Kurse gehen ähnlich des Elementarkurses nahtlos ineinander über und bereiten auf den Orientierungskurs vor. In beiden Kursen wird das Erlernte in aufeinander aufbauenden Unterrichtseinheiten vertieft und in Bezug auf das Alter der Kinder intensiviert. Wie schon in der musikalischen Früherziehung 1 begonnen, wird weiterhin gesungen und gesprochen – zum Beispiel mit rhythmischen Versen oder Sprechspielen, bei denen die Kinder jede Menge Spaß haben. Es wird weiter mit Rhythmusinstrumenten musiziert, sich zur Musik bewegt und getanzt oder einfach der Musik zugehört, was unterstützend auch durch Malen als intensiveres Erlebnis stattfinden kann. Auch manche Instrumente werden schon kennen gelernt.

Damit ist endet das Ausbildungsangebot noch nicht, oder?

Judith Portugall: Nein, denn der Orientierungskurs ist der Abschlusskurs der EMP. Hier gibt es anderen Thematiken, denn hier dürfen nach Herzenslust verschiedene Instrumente ausprobiert werden. In kleineren Gruppen durchlaufen die Kinder verschiedene Instrumente. Das können Gitarre, Klavier, aber auch Holzblasinstrumente wie Block- und Querflöte sein, Trompete, Akkordeon, Schlagzeug und alle Streichinstrumente. In zeitlichen Blöcken von vier bis sechs Wochen können die Kinder mit einem Leihinstrument – außer beim Klavier – die Instrumente ausprobieren, die Klänge erfahren, das Instrument begreifen und sich dann zum Abschluss des Orientierungskurses für ihr Lieblingsinstrument entscheiden.

Wie lange dauert der Orientierungskurs? 

Judith Portugall: Der Orientierungskurs für Kinder ab fünf bzw. sechs Jahren ist ein einjähriger Kurs, der sich besonders für Schulanfänger eignet. Spielerische, kleine Lernschritte geben einen Einblick in das Instrument und helfen auf dem Weg zum Instrumentalunterricht in der Städtischen Musikschule!

Weitere Informationen:  Homepage der Städtischen Musikschule unter:
www.gross-gerau.de/Kultur-Freizeit/Musikschule oder per Mail: musikschule@gross-gerau.de
Informationstag am 11. Februar 2023 von 10–13 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten.
Telefon (06152) 83308.

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