Essen für Alle

Von Ulf Krone.

Samstagnachmittag in Wallerstädten: Das Land und der Kreis befinden sich nach wie vor fest im Griff der Pandemie, und doch herrscht reges Treiben rund um die evangelische Kirche.

Grund für den Auflauf ist die wöchentliche Verteilaktion von EfA (Essen für Alle), einem gemeinnützigen Groß-Gerauer Verein, dessen Mitglieder und Helfer sich ehrenamtlich der Lebensmittelrettung und Aufklärung gegen Lebensmittelverschwendung verschrieben haben. Gegründet wurde EfA 2017 von Ernährungsmedizinern, Vorsitzenden des lokalen Kinderschutzbundes und erfahrenen Lebensmittelrettern. Die Biologin Dr. Sylvia Schneider ist als Gründungsmitglied und Vorsitzende die treibende Kraft hinter dem Verein, dem direkt 2017 die Gemeinnützigkeit zugesprochen wurde – und das gleich in fünf Punkten, nämlich in den Bereichen Jugendhilfe, Altenhilfe, Verbraucherberatung/Verbraucherschutz, Umweltschutz sowie Förderung des Ehrenamtlichen Engagements.

Die derzeit etwa 50 aktiven ehrenamtlichen Helfer holen an den Tagen, an denen die Tafel nicht abholt, unverkäufliche, abgeschriebene Lebensmittel in den Geschäften ab, und geben diese an soziale Einrichtungen wie den Kinderschutzbund sowie Alleinerziehende und an ältere Menschen weiter. So ergänzen sich EfA und die Tafel im Sinne einer möglichst umfassenden Lebensmittelrettung sowie der Versorgung von Bedürftigen. „Der Unterschied ist, dass unser Angebot niedrigschwellig ist, bei EfA braucht man keine Bescheinigung der Bedürftigkeit“, erklärt die Vorsitzende. „Denn bei uns geht es zuerst um Lebensmittelrettung, und da kann jeder mitmachen.“ Das hat den positiven Nebeneffekt, dass es niemandem unangenehm sein muss, das Angebot von EfA anzunehmen.

Alleinerziehenden und Senioren gehört bei der Abholung der Lebensmittel an den Verteilstationen jeweils die erste halbe Stunde, bevor dann auch die an der Reihe sind, die schlicht noch gute Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren wollen. Immer donnerstags verteilen die Helfer von EfA im Hof der alten Schule in Dornheim sowie auf dem Kirchplatz in Walldorf, freitags in der Georgenstraße 34 in Büttelborn sowie samstags hinter der evangelischen Kirche in Wallerstädten. „Egal welches Wetter, wir sind immer da“, verspricht Dr. Sylvia Schneider. Und in der ersten Wochenhälfte sind die Helfer jeweils in Kitas und Schulen unterwegs.

Während etwa das Angebot der Tafel in der Pandemie zeitweise zum Erliegen gekommen war, haben die Mitglieder von EfA durchgearbeitet. Allein im Jahr 2020 haben die Ehrenamtlichen rund 70.000 kg gerettete Lebensmittel in mehr als 2.000 Einsätzen im Nordkreis verteilt. Darüber hinaus werden auch Lebensmittelpakete von fünf Kilogramm je Familie für die, die das Haus nicht mehr verlassen können, gepackt, und gerade dieses Angebot erfuhr während der Pandemie eine gesteigerte Nachfrage. So wurden von März bis Dezember 2020 zusätzlich mehr als 2.500 Carepakete zusammengestellt, die auch in der Bäckerei Darmstädter in der Kreisstadt verteilt werden.

Da bei EfA eine „Zero-waste“-Strategie verfolgt wird, der zufolge alles verwertet werden soll, rettet man auch ausnahmslos alle Lebensmittel, und was übrigbleibt, wird zu eigenen EfA-Produkten wie Fruchtaufstrichen und Chutneys oder in Kooperationen weiterverarbeitet. So entstand etwa das aus von EfA gerettetem Brot in der Brauerei Faselbräu in Mörfelden gebraute Brotbier „Brotzeit“. Doch im Endeffekt gehen nahezu 100 Prozent der geretteten Lebensmittel an soziale Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder den Kinderschutzbund sowie die Menschen an den Verteilstationen – alles lückenlos und transparent dokumentiert.

Von der Rettung über die Verteilung bis hin zur Verarbeitung und der Weiterbildung fühlt man sich in allen Bereichen dem Gedanken der Minimierung der Lebensmittelverschwendung verpflichtet. Ihr Wissen geben die Mitglieder von EfA in Workshops in Schulen sowie in Unternehmen und bei Firmen-Events weiter, um für das Thema zu sensibilisieren, aber auch, um vergessene Fähigkeiten neu zu erlernen, etwa, bei der Einschätzung der Haltbarkeit wieder den eigenen Sinnen zu vertrauen.
Dank eines eigenen Lastenrads können sowohl die Abholung der Lebensmittel als auch die Auslieferung der Care-Pakete emissionsfrei durchgeführt werden. Und sollte einmal doch ein Auto vonnöten sein, übernehmen das die Helfer auf Fahrten, die sie sowieso machen würden, etwa zur Arbeit.

Dieses konsequente Engagement gegen Lebensmittelverschwendung findet bereits Nachahmer, etwa in der Ausgründung des „Gemüse-Netzwerks“ Gernsheim und soll im Sinne von EfA gern weiter Schule machen. Da ist es eine erste große Anerkennung, dass EfA für den „Zu gut für die Tonne!“-Bundespreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft nominiert ist.

Dieses konsequente Engagement gegen Lebensmittelverschwendung findet bereits Nachahmer, etwa in der Ausgründung des „Gemüse-Netzwerks“ Gernsheim und soll im Sinne von EfA gern weiter Schule machen. Da ist es eine erste große Anerkennung, dass EfA für den „Zu gut für die Tonne!“ – Bundespreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft nominiert ist. Die Entscheidung fällt in den kommenden Wochen.

Wer sich über die Arbeit von EfA weiter informieren möchte, kann dies im Internet unter www.essen-fuer-alle.org tun. Helfende Hände von Menschen, denen das Thema Lebensmittelverschwendung ebenfalls am Herzen liegt und die mit ihrer Arbeit andere Menschen unterstützen möchten, werden immer gesucht. Denn in jeder Verteilung stecken etwa 50 bis 100 Arbeitsstunden, von der Sortierung und dem Auspacken bei der Abholung bis zur Verteilung oder Lieferung. Aber die Arbeit lohnt sich – in jeder Hinsicht.

www.essen-fuer-alle.org

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